ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:25 Uhr

Rückkehr ohne Revanchegelüste zum LHC Cottbus

Dietmar Rösicke war von Januar 2005 bis Juni 2008 Trainer beim LHC Cottbus - am Samstag gibt es ein Wiedersehen. Foto: Helbig/mih1
Dietmar Rösicke war von Januar 2005 bis Juni 2008 Trainer beim LHC Cottbus - am Samstag gibt es ein Wiedersehen. Foto: Helbig/mih1
Cottbus. Da steckt schon etwas Brisanz drin, wenn Handball-Trainer Dietmar Rösicke am Samstag mit seinem HC Neuruppin beim LHC Cottbus antritt (17.30 Uhr, Lausitz-Arena). Denn das Spitzenspiel in der Ostsee-Spree-Liga ist gleichzeitig Rösickes Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte. Von Jan Lehmann

Liest man in den alten Zeitungen aus dem Jahr 2008, dann glaubt man, die Gemütslage von Diemtar Rösicke vor dem Spiel am Samstag zu kennen. “Die haben uns ins offene Messer laufen lassen. Wir wurden aufs Meer rausgeschickt - ohne Proviant und ohne Treibstoff„, hatte sich Rösicke in der RUNDSCHAU bitter über die LHC-Führung beschwert, nachdem der Abstieg aus der 2. Bundesliga und sein Abschied aus Cottbus klar waren.

Doch zwei Jahre später spricht der 50-Jährige ohne Groll über seine Cottbuser Zeit und berichtet von “allein positiven Erinnerungen„. Deshalb freue er sich auf seine Rückkehr - zumal er ja auch gebürtiger Cottbuser sei. Und was ist mit der Fahrt aufs offene Meer ohne Proviant, mit der Rösicke damals die desaströse Zweitliga-Saison der Cottbuser (unter anderem 13 sieglose Spiele in Folge) beschrieben hatte? Heute wird der Handball-Trainer deutlicher und spricht das aus, was er 2008 so offensichtlich noch nicht sagen konnte: “Intern war längst beschlossen gewesen: Selbst wenn wir den Klassenerhalt schaffen, melden wir nicht noch einmal für die 2. Liga. Das war dem Vorstand zu teuer. Doch nach außen hin wurde das anders verkauft. Darüber war ich sehr enttäuscht, zumal damit ja auch viele unserer jungen Spieler verprellt wurden.„

Doch inzwischen sei das vergessen, Revanchegelüste hat Rösicke bei seiner Rückkehr nicht. Er war schon im vorigen Jahr als Zuschauer zu Gast in Cottbus gewesen und hatte nach Spielende noch im VIP-Raum mit alten Bekannten geplaudert. “Das war nett„, sagt er und gibt zu, aus der jetzigen Cottbuser Mannschaft nur zwei Spieler zu kennen. Mit Robert Michling und Martin Robert hat er zusammengearbeitet - den Rest der jungen Cottbuser Truppe wird er am Samstag kennenlernen.

Es ist mit einem Duell auf Augenhöhe zu rechnen, auch wenn der HC Neuruppin bei vielen ganz oben auf dem Meister-Tippschein steht. Und tatsächlich ist der Aufstieg in der Ostprignitz durchaus ein Thema - allerdings unter neuen Voraussetzungen. Wo Rösickes Mannschaft im Vorjahr noch klar Meister der Oberliga Brandenburg geworden und dann erst in den Relegationsspielen zur Regionalliga gescheitert war, muss der Trainer in diesem Jahr kleinere Brötchen backen. Mit Toptorjäger Daniel Grobelny (den hatte Rösicke gleich aus Cottbus mit nach Neuruppin genommen) und dem baumlangen polnischen Keeper Krysztof Gasirowski verließen zwei wichtige Stützen den Verein. Denn das, was Rösicke in Cottbus ereilt hatte, erlebt er nun in Neuruppin erneut. “Wir müssen sehr viel Geld einsparen, fahren deshalb einen harten Sparkurs.„ Klingt ein bisschen nach der Seereise ohne Proviant. Doch Rösicke - nach zwei Spieltagen mit Neuruppin vor Cottbus Tabellenführer - hofft trotzdem auf eine Platzierung im oberen Drittel. Nur für das Spiel am Samstag rechnet er sich nicht allzuviel aus: “Wenn wir da einen Punkt mitnehmen könnten, wäre das schon viel wert„, sagt er und ergänzt: “Ich kenne die Heimstärke der Cottbuser.„

Zum Thema:
LHC-Trainer Linge spricht vom “schwersten Spiel„Für LHC-Trainer Marcel Linge wird die Partie am Samstag das “schwerste Spiel der Saison„. Er weiß zwar vom Neuruppiner Sparkurs, sagt aber: “Dietmar Rösicke hat vom Papier her immer noch die namhafteste Mannschaft beisammen. Die wird uns vor allem in puncto Erfahrung einiges voraus haben.„ Sein junges Team, das voraussichtlich in Bestbesetzung antritt, soll mit Schnelligkeit dagegen halten. Die Partie gegen Neuruppin ist die zweite von vier Heimspielen in Folge. Das erklärte LHC-Ziel sind daraus drei Siege, den ersten hatte es in der Vorwoche gegen den PSV Berlin gegeben.