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| 19:46 Uhr

Strukturwandel
Rosige Zukunft für E-Auto-Fahrer?

 Stadtwerke und Stadtverwaltung haben einen Blick in die Zukunft der E-Mobilität in Cottbus gewagt – und liefern spannende Zahlen.
Stadtwerke und Stadtverwaltung haben einen Blick in die Zukunft der E-Mobilität in Cottbus gewagt – und liefern spannende Zahlen. FOTO: dpa / Sina Schuldt
Stadt und Stadtwerke blicken in die elektrische Zukunft der Stadt Cottbus. Von Daniel Schauff

Es war ein Termin, den viele Mitglieder des Umweltausschusses mit Spannung erwartet hatten. Ralph Grohmann, Leiter Vertrieb und Service-Center bei den Cottbuser Stadtwerken, spricht über die Zukunft der E-Mobilität in Cottbus. Als „Konzept“ kündigt er seine Präsentation wohlweislich nicht an. Als „Status quo“ aber, eine Bestandsaufnahme. Die aber liefert spannende Zahlen – und die Erkenntnis: Ganz so schlecht sieht die Zukunft in Cottbus für E-Auto-Interessenten nicht aus.

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen: Ende 2017 waren in Cottbus insgesamt 31 E-Autos zugelassen. Ein ordentlicher Zuwachs im Vergleich zum Jahr davor. 19 waren es Ende 2016, heißt: ein Zuwachs von 63 Prozent. Bleibt der Trend, sind es Ende dieses Jahres rund 50. Der Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) empfiehlt pro 100 Elektroautos 15 Ladepunkte, heißt: Cottbus bräuchte acht Stück davon. Es gibt derweil elf.

Auch in Zukunft müsste der zu erwartende Bedarf deutlich gedeckt werden. Das zumindest geht unter anderem aus einer Abfrage der Stadtverwaltung bei großen Unternehmen der Stadt oder mit Filialen in der Stadt hervor. 45 davon sind angeschrieben worden, knapp die Hälfte hat nicht geantwortet, 25 Unternehmen setzen sich mit der Idee der Installation von öffentlichen E-Ladesäulen auseinander. Drei Unternehmen stecken demnach noch mitten in den Planungen, können noch keine Infos liefern. Bei 13 Unternehmen heißt es: Derzeit gibt es keine Pläne für die Installation von Ladesäulen. Aber: Acht Unternehmen wollen bis 2020 zwei oder drei Ladestationen installieren, zwei Unternehmen bis 2025 weitere zwei bis drei. Dazu kommen sechs neue öffentliche Landepunkte bis Ende des nächsten Jahres, die das Kommunale Energienetzwerk Cottbus (KEN) plant, vielleicht neun weitere bis 2020.

Für die nächsten Jahre bedeutet das: Nur 2019 liegt die Stadt möglicherweise leicht unter der Empfehlung des BDEW, aber auch nur, wenn für externe Nutzer zusätzlich ein Drittel der notwendigen Ladesäulen installiert werden. Allein für 2020 zeigt sich nahezu eine drohende „Überversorgung“ mit E-Ladesäulen. Der Empfehlung zufolge wären – vorausgesetzt, die Zahlen der Neuzulassungen von E-Fahrzeugen würden noch stärker steigen als im vergangenen Jahr (2018 bis 2019 um 80 Prozent, 2019 auf 2020 bei 100 Prozent) – 2020 27 öffentliche Ladesäulen notwendig. Wenn die Planungen der Unternehmen und des KEN umgesetzt würden, stünden in der Stadt 47 davon zur Verfügung. Rosige Aussichten also für künftige E-Auto-Fahrer.

In der Thiemstraße ist seit Kurzem eine Ladesäule durch den Energieversorger Envia M eingerichtet worden. Grohmanns Präsentation liefert darüber hinaus noch weitere Auskünfte auf die derzeitigen Planungen in der Stadt. Am TKC können künftig E-Autos an drei öffentlichen Normalladepunkten wieder zum Fahren gebracht werden. Auch am Lausitzpark vor einiger Zeit eine zweistellige Anzahl von Ladepunkten in Aussicht gestellt. Wie es um die Planungen steht, ist derzeit nicht bekannt. Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) will Schnelllader auf dem Unigelände installieren. Kaufland, Aldi und weitere Supermarkt-Ketten planen konzernweit den Ausbau von E-Ladesäulen. Filialen dieser Unternehmen finden sich in Cottbus zahlreich.

Es sieht derzeit den Angaben aus Grohmanns Vortrag zufolge so aus, als entwickle sich das öffentliche Angebot von E-Ladesäulen „laufend aus eigenem Antrieb“, so dass die Planungen mit hoher Wahrscheinlichkeit übertroffen würden.

Gleichzeitig zitiert der Vertriebsleiter der Stadtwerke das Energiekonzept der Stadt. Demnach sei es nicht das Ziel, Cottbus zur E-Mobilitäts-Hauptstadt schlechthin zu machen. Das Konzept sieht einen Ausbau des Carsharings vor, eine autoreduzierte Altstadt durch Stellplatzreduktion und höhere Parkgebühren, die Ausweisung von Quartieren mit stark reduzierten Stellplätzen und die Erhöhung des Anteils des Öffentlichen Nahverkehrs vor. Eine Innenstadt voll mit E-Ladesäulen und parkender E-Autos ist offenbar nicht das Ziel, folgert Grohmann und weist auf die noch fernere Zukunft hin: 2030 könnten – je nach Prognose – 13 300 bis 20 500 zugelassene E-Autos durch Cottbus fahren. Zwischen 30 und 50 Prozent der Ladevorgänge würden öffentlich vonstattengehen. Pendler bräuchten zusätzliche 30 bis 50 Prozent zu der empfohlenen Anzahl von E-Ladesäulen. Heißt: Ganz theoretisch gedacht wären 2030 rund 5000 öffentliche Ladepunkte notwendig – „illusorisch“ nennt Grohmann das, weil nicht nur das Stadtbild massiv leiden würde, sondern das Stromnetz damit auch völlig überlastet wäre. Daher: Zwar müsse in der Stadt die E-Lade-Infrastruktur forciert werden, das allerdings mit Augenmaß und möglichst mit hoher Ladekapazität an wenigen Standorten – Stichwort: E-Ladetankstellen. Gleichzeitig müsse das E-Carsharing ausgebaut, der elektrische Öffentliche Verkehr einschließlich Park- and Ride-Angeboten weiterentwickelt werden. Das Ziel dürfe nicht die E-Auto-Stadt Cottbus sein, das Ziel müsse eine verkehrsemissionsfreie Stadt Cottbus werden.