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| 19:26 Uhr

Laut gegen Nazis
Rockmusik statt Moralpredigt – die Beatsteaks auf dem Campus

Nicht das erste Mal in Cottbus: die Beatsteaks 2008 im Glad-House. Am Freitag spielen Sie auf dem Campus.
Nicht das erste Mal in Cottbus: die Beatsteaks 2008 im Glad-House. Am Freitag spielen Sie auf dem Campus. FOTO: bunar
Cottbus. Sie rocken gegen Rechts auf dem Cottbuser Campus – die Beatsteaks kommen zu „Laut gegen Nazis“. Von Daniel Schauff

Wer sich die beste Band der Welt als Gast auf die Bühne holt, muss schon eine große Nummer sein. Gut, dass die Ärzte „die beste Band der Welt“ sind, finden vor allem die Ärzte selbst – und das auch eher ironisch als musikkritisch. Der eine oder andere würde derweil argumentieren, die Beatsteaks hätten den Titel mehr als verdient.

Die Punkmusiker aus Berlin sind mehr oder weniger gerade von der Waldbühne geklettert. Die Musikkritiker feiern, die 25 000 Fans haben offenbar das Gleiche getan. Jetzt kommen die Beatsteaks nach Cottbus zum Campus Open-Air „Laut gegen Nazis“ am Freitag. Eine Sensation? „Es ist die Sache an sich“, sagt Beatsteaks-Schlagzeuger Thomas Götz im Gespräch mit der RUNDSCHAU.

Cottbus finde auch in Berliner Zeitungen statt, sagt Götz. Klar kriege man in der Hauptstadt mit, was ein paar Kilometer weiter südlich passiere. „Das ist alles ziemlich grausam“, schiebt er nach, blickt dabei nicht nur auf Cottbus, sondern auf Deutschland und die Welt – Rechtsruck ist das Stichwort. Woran liegt’s? „Es geht nur noch ums Geld“, sagt Götz. Je reicher die Menschen würden, desto größer sei die Angst, dass ihnen jemand etwas wegnehmen könnte. „Dabei profitieren wir doch von deren Armut“, sagt der Musiker mit Blick auf die Geflüchteten.

Das Engagement der Beatsteaks für Flüchtlinge ist nicht neu. „Wir sind auf jeden Fall am Start, wenn etwas für Flüchtilnge gemacht wird“, sagt Thomas Götz. 2014 hatten sie in Dresden den Aufruf von „Dresden Nazifrei“ unterstützt, Naziaufmärsche am 13. und 19. Februar zu verhindern. Schon 2005 spielten sie einen Song für das Album „On the Run“ des Vereins Pro Asyl ein. 2014 war ihr Song „DNA“ auf der CD „Kein Bock auf Nazis“ zu hören, die 30 000 Mal kostenlos in ganz Deutschland verteilt worden waren. Eine Zielscheibe für Rechtsgesinnte sind die Beatsteaks trotzdem noch nicht geworden. „In Berlin zu leben, ist wie in einer Oase zu leben“, sagt Götz. Es gebe zwar auch in der Hauptstadt eine „krass hohe Wählerschaft der AfD“, in den Bezirken, in der er sich allerdings bewege, kriege er davon kaum etwas mit.

Die Band hoffe, am Freitag eine Art „Gemeinsinn stiften“ zu können, erklärt der Musiker, der 1998 zu den Beatsteaks stieß, drei Jahre nach deren Gründung. Mittlerweile gehören die Berliner zu den erfolgreichsten Punk- und Alternativebands Deutschlands, ihre letzte Tour führte sie durch Deutschland, nach Österreich, Tschechien, in die Schweiz, in die Niederlande und nach England. Konzerttickets gibt es selten für weniger als für 40 Euro.

Zahlen muss derweil am Freitag niemand, der die Berliner Punkrocker auf dem Zentralcampus erleben will. Dank der vielen Förderer sei der Eintritt wieder frei, heißt es auf der Facebook-Seite der Veranstalter. Bis zu 6000 Gäste haben die Chance, die Beatsteaks für lau zu sehen. Die versprechen derweil eine Menge Spaß: „Wir werden uns die allergrößte Mühe geben“, sagt Thomas Götz und ergänzt: Eine Moralpredigt werde es von den Beat­steaks am Freitag nicht geben, wohl aber eine Menge lauter Rockmusik. Die Beatsteaks werden nach Veranstalterangaben den Abend beschließen – geplant ist das Open-Air von 19 Uhr bis ein Uhr am Samstagmorgen. Neben den Berliner Punkrockern werden Afrob, Leoniden und Zugezogen Maskulin auf der Bühne auf dem Zentralcampus stehen. Afrob ist Rapper und seit 1994 aktiv, Leoniden kommen aus Kiel und spielen Indie-Rock seit 2014. Zugezogen Maskulin kommen aus Berlin und machen seit 2010 gemeinsam Hip Hop-Musik.