ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:32 Uhr

Rocker als Sicherheitsdienst beim Cottbuser Stadtfest

FOTO: fotolia/Igor Stevanovic
Cottbus. Ausgerechnet der Sicherheitsdienst eines Mannes, der den Hells Angels nahe steht, hat beim wichtigsten Großereignis von Cottbus für Ordnung gesorgt. Andrea Hilscher und Simone Wendler

Die Branche hat nicht den besten Ruf: Ausgerechnet Unternehmen, die bei Veranstaltungen Ordnung und Sicherheit gewährleisten sollen, beschäftigen immer wieder Männer, die dem Umfeld von Rockerbanden und gewaltbereiten Fangruppierungen zuzuordnen sind. Strenge Überprüfungen im Vorfeld sollen verhindern, dass Schläger und Vorbestrafte in Stadien oder vor Festzelten den Ordnungsdienst übernehmen. In der Praxis allerdings sind diese Prüfungen schwierig - und haben beim letzten Stadtfest zu einer peinlichen Panne geführt.

Die zuständige Veranstaltungsagentur hatte den Auftrag für den Ordnungsdienst beim Stadtfest einem Cottbuser Unternehmen gegeben, dessen Geschäftsführer dem Umfeld des Rockerclubs Hells Angels zugerechnet wird. Dass gegen diesen Mann polizeilich ermittelt wird, erfuhren die zuständigen Behörden erst kurz vor dem Großereignis.

Der beauftragte Sicherheitsdienst hatte ordnungsgemäß die Daten aller Männer ans Gewerbeamt geliefert, die beim Fest eingesetzt werden sollten. "Damit", so René Land, Leiter des Bereichs Gewerbeangelegenheiten, "können sich die Unternehmen Zeit lassen." Er selbst wie auch die Polizei überprüften alle gemeldeten Personen, ließen auch den Chef des Unternehmens durchs System laufen.

"Wir konnten zunächst drei Männer herausfiltern, die in den letzten drei Jahren einschlägig auffällig geworden sind", erklärt Polizeioberrat Tino Glaser. Einschlägig heißt in diesem Fall: Körperverletzung, Waffendelikte. Drei Männer wurden also von der Personalliste gestrichen.

Ausgerechnet bei dem Inhaber des Sicherheitsdienstes aber gab es keinen Treffer in der polizeilichen Datenbank.

Der Mann gehört zum Umfeld der berüchtigten Hells Angels. Immer wieder ließ die Polizei den Namen des Sicherheits-Chefs durch die Datenbank laufen. Nach vielen Versuchen stellte sich heraus: Gewerbeamt und Polizei hatten mit einem falschen Geburtsdatum operiert. "Als wir das richtige eingegeben hatten, bekamen wir sofort die Meldung über einen Tatverdacht ", so Tino Glaser.

An diesem Punkt hatten Stadt und Polizei eine Handhabe, dem Chef des Unternehmens die Erlaubnis zu entziehen, auf dem Stadtfest zu arbeiten - er erfüllte die gesetzlichen Ansprüche an Zuverlässigkeit und fachliche Eignung nicht mehr. René Land: "Er hat dann einen Stellvertreter eingesetzt, der Sicherheitsdienst während des Stadtfestes funktionierte reibungslos und von keiner Seite kamen Klagen."

Polizeihauptkommissar Guido Große ergänzt: "Wir sind zufrieden. Sonst übliche Machtdemonstrationen von Rockern oder radikalen Fußballfan-Gruppen gab es in diesem Jahr nicht." Trotzdem, da sind alle Beteiligten einig, soll sich eine derartige Datenpanne nicht wiederholen. René Land: "Wir müssen noch früher als bisher die Personaldaten prüfen." In Cottbus sind 52 Sicherheitsunternehmen gemeldet, sie beschäftigen rund 2000 Menschen. Bis zur Novelle des Bewachungsrechtes 2016, an der Cottbus maßgeblich beteiligt war, hatte die Stadt nur Zugriff auf Informationen über Vorstrafen. Erst jetzt darf sie auch überprüfen, ob Wachschützer als Tatverdächtige bei der Polizei geführt werden. "Deswegen haben wir noch mit Altlasten zu tun, nicht alle 2000 Wachleute sind bereits neu überprüft", sagt der Gewerbeamts-Chef.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass unter den 52 Cottbuser Unternehmen viele dem Rocker- oder harten Fanmilieu zuzuordnen sind. Firmen, die streng auf eine saubere Weste ihrer Mitarbeiter achten, sind nach Erfahrung von Polizei und Gewerbeamt nicht unbedingt die Regel.

"Und viele von ihnen würden einen Auftrag für das Stadtfest von vornherein ablehnen", sagt René Land. Ihre Mitarbeiter seien nicht "breitschultrig" genug, außerdem wollen sich manche Unternehmen keinen unnötigen Ärger mit - möglicherweise - rabiater Konkurrenz einhandeln.