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Tupolew TU 134
Riesenflieger ist bereit für große Reise

Bernhard Pethe, Lothar Schwemmer, Günter Unruh, Thomas Graf, Uwe Leichsenring und Axel Pohl bei der Demontage des rechten Triebwerkes der TU 134.
Bernhard Pethe, Lothar Schwemmer, Günter Unruh, Thomas Graf, Uwe Leichsenring und Axel Pohl bei der Demontage des rechten Triebwerkes der TU 134. FOTO: Flugplatzmuseum Cottbus
Grünz/Cottbus. Die Tupolew TU 134 aus Grünz geht Montagnacht auf ihre 260 Kilometer lange Reise nach Cottbus – 29 Tonnen verteilt auf vier Lkw. Wie lange der Schwertransport dauern wird, ist noch unklar. Peggy Kompalla

Der Countdown läuft: Auf der Internetseite des Cottbuser Flugplatzmuseums wird die Ankunft der Tupolew im Sekundentakt erwartet. Sechs Tage sind es noch - wenn alles gut geht. Es können aber auch sieben werden. Dessen ist sich Enrico Peiler bewusst. Er ist der Tupolew-Projektleiter im Verein und braucht einen langen Atem. Denn die Männer in seinem Techniker-Team haben bereits 3800 Arbeitsstunden in die Maschine gesteckt. Es werden mindestens noch einmal so viele obendrauf kommen. Aber in der nächsten Woche wird ein großer Schritt genommen. Die Tupolew kommt endlich nach Cottbus. Die Vorbereitung für die 280 Kilometer lange Landreise des Flugzeugs begann schon im April.

Die TU 134A stand einst im Garten eines Gasthofes in Grünz. Der kleine Ort liegt in Mecklenburg-Vorpommern unmittelbar hinter der Grenze zu Brandenburg. Um die Maschine zu demontieren, wurde sogar eine Behelfsstraße für einen Hydraulikheber angelegt. Nur so gelangten die Männer an die einzelnen Teile. Der letzte große Einsatz fand im Juli statt, erzählt Enrico Peiler. Vier Tage lang haben die Flugzeug-Enthusiasten alle großen Bauteile demontiert und die TU damit transportfertig gemacht. "Wir haben Tragflächen, die Höhen- und Seitenleitwerke, sämtliche Fahrwerke und die beide Triebwerke abgebaut", sagt er. Die Teile kommen am Montag auf drei Lkw. Der vierte wird besonders lang - darauf wird der 33 Meter lange Rumpf verladen. "Donnerstag fahren wir schon hoch nach Grünz", berichtet Peiler. "Wir müssen noch eine Hilfskonstruktion um den Rumpf bauen, um ihn transportfertig zu machen." Die Röhre würde sonst von der Ladefläche rollen. "Das wird noch einmal ein Kraftakt."

Der Konvoi wird sich am Montagnacht in Bewegung setzen. Allerdings nicht auf direktem Weg. "Ausgerechnet jetzt wird die Autobahnauffahrt in Schmölln gebaut", erzählt Enrico Peiler. "Deshalb müssen wir auf der A 11 erst einmal in Richtung Polen fahren, um die nächste Abfahrt runter zu nehmen und dann in Richtung Süden wieder auf die Autobahn raufzufahren." Allein das halte auf. Dazu komme die Breite von 6,50 Metern. "Da werden wir auf dem Weg einige Verkehrsschilder abbauen müssen." Unerwartete Unwägbarkeiten können zusätzlich Zeit kosten. "Deshalb wissen wir nicht, ob wir es in einem Rutsch schaffen." Die Polizei begleitet den Schwertransport. Spätestens Dienstag soll die Tupolew aber in Cottbus landen.

Dann wartet schon ein Kran zum Abladen auf dem Gelände des Flugplatzmuseums auf die Lkw. Die Montage und Aufarbeitung des in die Jahre gekommenen Flugzeugs wird sich bis ins nächste Jahr ziehen.

Tupolew TU 134 für Cottbus wird demontiert FOTO: Flugplatzmusuem Cottbus

Zum Thema:
Die Tupolew TU-134A stand im Garten eines Gasthauses in Grünz in Mecklenburg-Vorpommern. Bis 1984 flog sie für die Fluggesellschaft Aeroflot. Nach einer harten Landung in Erfurt war eine Weiternutzung im zivilen Luftverkehr nicht mehr möglich. Das Flugzeug wurde an das Ministerium für Staatssicherheit übergeben, wo es zur Ausbildung von Antiterroreinheiten verwendet wurde. 1991 ging sie in Privatbesitz.