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| 02:33 Uhr

Richtkrone für eine neue Zukunft

Hanns Kisters haut drauf: Der Eigentümer legt beim Richtfest selbst Hand an, während der Zimmermann den Sekt für die Feier bereithält.
Hanns Kisters haut drauf: Der Eigentümer legt beim Richtfest selbst Hand an, während der Zimmermann den Sekt für die Feier bereithält. FOTO: mih1
Cottbus. Über der abgebrannten Fabrik- und Lagerhalle an der Parzellenstraße baumelt seit Dienstag die Richtkrone und kündet von einer neuen Zukunft des alten Industriebaus. Mit der Millionen-Investition erhalten die Eigentümer ein Familienerbe und schaffen eine weitere Kulturstätte. Peggy Kompalla

Der Wind zerrt am Dienstagnachmittag an den bunten Bändern der Richtkrone. Mindestens genauso flattrig sind die Nerven von Daniel Kara. Schließlich sieht er zu, wie sein Traum langsam Wirklichkeit wird. In der abgebrannten Fabrik- und Lagerhalle an der Parzellenstraße entsteht seine Tanzschule. Der Saal hat ein Dach, das die alten aufgearbeiteten Backsteinmauern tragen. Der Architekt Fred Wanta erhält so viel historische Substanz wie nur möglich.

Das ist ganz im Sinne des Eigentümers Hanns Kistsers. Nach dem verheerenden Feuer vor drei Jahren investiert der Aachener Geschäftsmann gemeinsam mit seinem Bruder ins Cottbuser Familienerbe. "Vor 100 Jahren hat mein Urgroßvater das hier aufgebaut. Er zog mit seinem Maschinenbau und -handel von Kamenz nach Cottbus, den mein Opa später übernahm. Meine Mutter ist im Haus nebenan geboren." Die DDR enteignete die Familie. Erst Mitte der 1990er-Jahre erhielten die Kisters ihren Besitz zurück. Nach der Brand-Katastrophe im Jahr 2013 blickt sich Hanns Kisters jetzt auf der Baustelle zufrieden um. "Eine langweilige Halle hätte uns nicht gefallen", sagt er. "Wir haben auch kaum noch freie Flächen. Fast alles ist vermietet."

Neben der Tanzschule Kara wird das Cottbuser Gesundheitszentrum Medifit mit Reha-Sport und der Physiotherapie in das Gebäude ziehen. Geschäftsführer Thomas Krokor schwebt vor, das Angebot in der Parzellenstraße zu einem Reha-Sport-Zentrum auszubauen. "Tanz und Therapie das ergänzt sich ganz wunderbar", versichert er. "Die Kombination ist perfekt", sagt auch Daniel Kara. "Das ist in der Region meines Wissens einmalig."

Thomas Brucksch freut sich schon auf die neuen Nachbarn. Der Veranstalter hat die Straße rauf mit dem Kontor 47 eine eigene Kultur-Stätte geschaffen. Daneben hat sich die Alte Chemiefabrik etabliert. Hinzu kommen noch das Atelierhaus und das Glad-House. "Das ist eine richtige Kulturstraße", sagt er und sinniert: "Wir werden hier sicherlich ein Straßenfest etablieren."

Im September soll die Tanzschule eröffnet werden.

www.lr-online.de/bilder

Zum Thema:
Die Lagerhalle an der Parzellenstraße ist am 19. Juni 2013 in Flammen aufgegangen. Das Feuer wütete 24 Stunden. Stehen geblieben sind nur die Grundmauern. Mit dem verheerenden Brand entstand nicht nur materieller Totalschaden, auch unzählige Träume wurden begraben. Denn die Halle war das Kreativzentrum von Cottbuser Musikern - mit Proberäumen und Studio. Außerdem gab es Werkstätten und Kleingewerbe.