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Rettungseinsatz in der Sprem

Cottbus. Es ist Freitag 13.30 Uhr. Auf einer Hebebühne vor der Cottbuser Synagoge in der Sprem sind zwei Menschen in Not. Das löst einen Großeinsatz von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst aus. Was wie ein tragischer Unfall aussieht, ist tatsächlich ein inszenierter Filmdreh für das RTL-Magazin Stern TV. Jenny Theiler

Es will die Cottbuser testen, ob sie Menschen in Not helfen oder nur gaffen.

Schockiert, besorgt, aber auch neugierig beobachten die Passanten den spektakulären Feuerwehreinsatz. Michele Freyer beobachtet die Situation. Sie alarmiert als eine der ersten die Feuerwehr. Zwei Personen arbeiten, laut der Zeugin, an der Fassade, als plötzlich ein Eimer zu Boden stürzt. Der Mann auf der Hebebühne ruft um Hilfe. Seine Kollegin habe das Bewusstsein verloren. Er kann die Hebebühne nicht absenken. Das versteht Passant Marc Winkler sofort. Er will helfen. Deshalb bemüht er sich, die Hebebühne zu bedienen. Später erzählt er: "Ich habe nur gesehen, dass so viele Leute gegafft haben. Deswegen bin ich einfach hin und habe gefragt, ob ich helfen kann."

Der Feuerwehr-Einsatzleiter erklärt, was passiert ist. Die Frau hat einen anaphylaktischen Schock erlitten, als sie von einem Insekt gebissen wurde. Die Feuerwehr rettet den Mann aus der Höhe, damit die Frau versorgt werden kann. Dass es sich bei all dem um eine Inszenierung für ein Fernsehmagazin handelt, kann Ersthelfer Marc Winkler kaum glauben. So realistisch ist der Einsatz.

Nicht alle Passanten verhalten sich so umsichtig. Neben Cottbusern, die den Rettern Platz machen, zücken andere ihre Handys. Sie filmen und fotografieren. Das Experiment fällt dennoch positiv aus. Das bestätigt Christian Rothbart. Er ist der Leiter der Gruppe "Realistische Unfalldarstellung Lausitz" bei der Johanniter-Unfallhilfe. Er ist der Mann von der Hebebühne und schätzt im Nachhinein ein: "Ich war mit der Reaktion der Leute zufrieden. Einige haben versucht, auch noch aus 14 Metern Entfernung zu helfen."

Cottbus ist nicht zum ersten Mal für Stern TV vor der Kamera. Im Jahr 2010 beteiligt sich Cottbusverkehr an einem Experiment zu Zivilcourage. Die Versuche damals zeigen: Zu viele schauen weg, wenn andere bepöbelt oder angegriffen werden. Trotzdem sammelt die Stadt Pluspunkte für ihre Offenheit, denn als einzige von 35 Städten nimmt Cottbus an dem Experiment teil.