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Cottbus früher und heute
Restaurant, Ballsaal und Südlichtspiele

FOTO: Heute: Dora Liersch - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte eines kleinen Abschnitts der Dresdener Straße, der heute den Namen Straße der Jugend trägt. Als Vorlage dient ihr eine historische Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora Liersch

Im Cottbuser Heimatkalender für das Jahr 2016 haben Christian Friedrich und Dr. Christian Lehm über ein Grundstück in diesem Straßenabschnitt zwischen der Görlitzer Straße und der nicht mehr vorhandenen Großenhainer Straße genau über die Nummer Dresdener Straße 139, geschrieben.

In Erinnerung ist die Bebauung als Adolf Langenbergs Etablissement, aber auch als Kino Südlichtspiele. Eine Vorderansicht der alten Bebauung um 1920 ist auch im erwähnten Heimatkalender zu finden. Auf der alten Postkarte sind nur das hohe Mietshaus Nr. 138 mit der Firmenwerbung auf dem Seitengiebel und die beiden kleinen älteren Gebäude zu erkennen, nicht aber der Saalanbau, der erst im Jahr 1875 folgte.

Bauherr war der Restaurateur Rudolf Loll. Eröffnet soll diese Gaststätte bereits im Jahr 1830 worden sein. Eine mutige Entscheidung, gab es doch zu jener Zeit bereits mehrere Restaurants und  Tabagien – wie einstmals Raucherlokale genannt wurden – in der Innenstadt von Cottbus, aber auch an der Ausfahrtsstraße nach Dresden.

Rudolf Loll war es auch, der der Spielschule (Kindergarten) in der Spremberger Vorstadt im Jahr 1877 Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Nach dem Tod von Rudolf Loll übernahm seine Witwe die Grundstücke 138 und 139 in der Dresdener Straße und stellte einen Restaurateur zur Bewirtschaftung ein. Das war zum Beispiel im Jahr 1891 Franz Swoboda. Der Name des Restaurants blieb natürlich Loll. Modernisiert und angebaut wurde auch. Ebenfalls im Jahr 1891 waren es ein Stall und ein Abort.

Auf dem Eckgrundstück zur Großenhainer Straße, der alten Dresdener Straße 137, das der Stellmachermeister Julius Friese besaß, ließ er im Jahr 1894 eine Schmiedewerkstatt, Beschlag- und Holzschuppen errichten. An das alte, kleine Wohnhaus, giebelständig zur Dresdener Straße – heute Straße der Jugend – gibt es kaum Erinnerungen. Dort war Schmiedemeister Erich Junge noch in den 1960er-Jahren zu Hause.

Das Wohnhaus Dresdener Straße 138 ließ der neue Eigentümer Adolf Langenberg im Jahr 1908 umbauen. Er hatte den Cottbuser Architekten Paul Sack dazu gewinnen können. Das Restaurant, der Ballsaal und der Kaffeegarten waren ebenfalls Eigentum von Adolf Langenberg geworden. Er betrieb das Etablissement unter eigenem Namen. Natürlich bot Langenberg Vereinen und auch der Kirche seine Räumlichkeiten zur Nutzung an.

Während des Ersten Weltkrieges wurde der Ballsaal als Lazarett genutzt. Aus dieser Zeit stammt sogar noch eine Postkarte. In den beiden Läden der Nummer 138 befanden sich Anfang der 1920er-Jahre die Fleischerei von Reinhold Röhrich und das Putzgeschäft (Hutgeschäft) von Marie Hildebrand. Und das blieb auch noch laut Adressbuch von 1940 so, nur dass die Kinder von der inzwischen verwitweten Marie Hildebrand das Putzgeschäft weiterführten.

Das Wohnhaus war bis in die vierte Etage bewohnt, dazu gehörte auch noch im Hofbereich ein bewohnbarer Seitenflügel. Als am 15. Februar 1945 die Bomben auf Cottbus fielen, brannte die im Jahr 1912 geweihte Lutherkirche in der Thiemstraße aus. Die Gemeinde fand, wie vor über 34 Jahren wieder in den Räumlichkeiten in der Dresdener Straße, diesmal mit der Bezeichnug „Langenberg“ für die nächsten Jahre ein Unterkommen.

Die Gottesdienste der Lutherkirchgemeinde fanden in der Zeit im ehemaligen Ballsaal statt, an dem der Krieg seine Spuren hinterlassen hatte. Der westliche Teil des Saals mit der Bühne war baupolizeilich gesperrt worden. Die Lutherkirche wurde von der Gemeinde wieder aufgebaut und Pfingsten 1951 eingeweiht.

Das Etablissement von Adolf Langenberg harrte dadurch einer neuen Nutzung. Schon bald sollte daraus ein Kino werden: die Südlichspiele. Die Kinolandschaft veränderte sich allerdings nach der politischen Wende im Jahr 1990 völlig. Plötzlich waren Großkinos gefragt. Der letzte Film lief am 17. September 1997.

Als der Club Bebel seine Heimstatt im „Bananenkeller“ in der August-Bebel-Straße wegen des Abrisses des Gebäudes für den Neubau des Arbeitsamts verlor, startete man den Versuch eines Neuanfangs im alten Kino. Das klappte leider nicht. Der Bebel fand ein neues Domizil in einer alten Fabrik in der Nordstraße.

Das Kino stand Jahre leer und wurde mit den Nebengebäuden im Jahr 2015 abgerissen. Nun erhebt sich seit 2017 ein modernes Wohnhaus an dieser Stelle.

Die alte Dresdener Straße 138, in der nach 1945 der Rundfunkmechanikermeister Heinz Feiertag wirkte und an den sich bestimmt noch einige alte Kunden gern erinnern, ist zwischendurch schon umfangreich saniert worden. Der freistehende Giebel des Gebäudes zierte das Gemälde eines Cottbuser Künstlers. Mit dem südlichen Anbau an die heutige Straße der Jugend 80 ist dieses Kunstwerk leider verloren gegangen.

Früher Dresdener Straße – heute Straße der Jugend: An der Stelle der kleinen, alten Häuser ist ein nagelneues Wohnhaus errichtet worden. Das Gebäude wurde 2017 fertig.
Früher Dresdener Straße – heute Straße der Jugend: An der Stelle der kleinen, alten Häuser ist ein nagelneues Wohnhaus errichtet worden. Das Gebäude wurde 2017 fertig. FOTO: Dora Liersch
2c Cottbus Früher Heute
2c Cottbus Früher Heute FOTO: Schubert, Sebastian / LR
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