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| 18:51 Uhr

Branitz
Rekord-Robinie aus Branitz ist jetzt Naturdenkmal

Großer Bahnhof für eine alte Dame. Die dicke Robinie im Branitzer Außenpark wurde zum Naturdenkmal gekürt.
Großer Bahnhof für eine alte Dame. Die dicke Robinie im Branitzer Außenpark wurde zum Naturdenkmal gekürt. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Stattlicher Umfang und ganz schön betagt: Die dickste Robinie Deutschlands steht versteckt auf einem Feld im Branitzer Außenpark. Von Josephine Japke

„Ich bin ein Baum mit Ästen bis zum Himmel, der Wind verweht mich bis zum Horizont“, singen die Schüler der Reinhard-Lakomy-Grundschule Cottbus ein Lied, das für die Robinie im Branitzer Außenpark geschrieben worden sein könnte. 167 Jahre alt, fast 20 Meter hoch und acht Meter dick ist der neue „Champions Tree“, der nun zum Naturdenkmal ernannt wurde.

Die dickste Robinie Deutschlands, wie Umwelt-Dezernent Thomas Bergner (CDU) betont, steht versteckt auf einem Acker im Dorf Branitz. Dass sie so einen Schatz im Hinterhof haben, war auch der früheren Ortsvorsteherin Marion Bahrke nicht bewusst: „Uns war klar, dass hier ein alter Baum steht, aber welchen Stellenwert er in Deutschland haben könnte, wussten wir nicht.“

Erst die Deutsche Dendrologische Gesellschaft (DDG) machte die Stadt 2017 auf den Pionierbaum aufmerksam. „Das Besondere an diesen Bäumen ist, dass sie eigentlich nur eine Lebenserwartung von etwa 100 Jahren haben. Umso erstaunlicher ist es, dass diese Robinie etwa 170 Jahre alt ist“, erklärt Prof. Peter Schmidt von der DDG.

Um 1850 angepflanzt, hat die Robinie einiges an deutsche Geschichte erlebt. Fürst Pückler pflanzte sie als Gestaltungselement im Außenpark, direkt neben dem ehemaligen Eichenweg. Schon damals wurde das Gelände landwirtschaftlich genutzt, der Eichenweg führte quer übers Feld, vorbei an Eichen-Wäldchen und der Park-Ziegelei in Richtung Englische Allee. Im Februar 1945 wurde der Park von 80 Bomben schwer getroffen. „Dass die Robinie nichts abbekommen hat, ist eigentlich ein Wunder“, sagt auch Claudius Wecke, Leiter des Branitzer Parks, erstaunt.

Heute steht der Einzelbaum am Rande eines Feldes, das der Agrargenossenschaft Kahren gehört. Pfähle rund um den Baum markieren, wo die Wurzeln der Robinie aufhören und der Acker beginnt. Nur bis dorthin können die Bauern pflügen, ohne die Wurzeln zu verletzen.

Für Thomas Bergner ist es nur logisch, dass sich die Stadt und jeder Einzelne für den Erhalt der Natur einsetzen. „Wir haben uns die Natur nur geliehen. Es ist unsere Verantwortung, sie für die Nachwelt zu erhalten“, sagt der Umwelt-Dezernent. Oft liege die Priorität in urbanen Bereichen, weshalb Bäume und Lebewesen ständig hintenanstehen würden. „Ein Naturdenkmal zu setzen, ist ein wichtiger Schritt, um Bäume zu schützen“, erklärt er.

62 solcher Naturdenkmäler befinden sich schon im Cottbuser Stadtgebiet. Sechs von ihnen sind nach der Wende dazugekommen. „Das klingt zwar wenig, aber wir sind immer auf der Suche nach weiteren Bäumen und nehmen gerne Anregungen von Bürgern entgegen“, betont Thomas Bergner.

Wie leicht die Beteiligung an der Suche nach sogenannten Rekordbäumen ist, macht Peter Schmidt deutlich. „Wir suchen immer nach dem ältesten, höchsten oder dicksten Baum. Und die Dicke lässt sich leicht messen“, sagt er. Einfach in Brusthöhe, also auf etwa 1,30 Meter Höhe, ein Maßband anlegen, einmal um den Baum gehen und das Ergebnis der DDG melden. Seit 2010 konnte sie so schon mehr als 6000 Bäume erfassen. „Wer weiß, was unerkannt in so manchem Garten schlummert“, sagt der Baumkundler.