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Reiter jagen nach der Erntekrone

Wenn in Bärenbrück Erntefest gefeiert wird, dann ist immer Stimmung – und die Mädchen in ihren wendischen Trachten lassen ihre Röcke fliegen.
Wenn in Bärenbrück Erntefest gefeiert wird, dann ist immer Stimmung – und die Mädchen in ihren wendischen Trachten lassen ihre Röcke fliegen. FOTO: Hirche/jul1
Bärenbrück. Das bevorstehende Wochenende steht im kleinen Bärenbrück in der Gemeinde Teichland im Zeichen des Ortsjubiläums. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Oktober 1447. Marion Hirche / jul1

Das ist stolze 570 Jahre her und für die Einwohner Grund genug für eine Geburtstagsveranstaltung am Sonnabend, 29. Juli.

Der erste Name des Ortes lautet "Bernbrüch". Überlieferungen nach soll es schon damals Teiche gegeben haben, aber auch Bären waren der Legende nach hier zu Hause. Letztere sind hierzulande längst ausgestorben. Der Name jedoch, der an sie erinnert, ist geblieben.

Die ersten Menschen sollen im Territorium Bärenbrück schon 1000 Jahre vor Christus gewesen sein, wahrscheinlich aber nur zur Rast. Funde aus dieser Zeit zeugen davon. Im Jahre 1462 wurde das kleine Dorf dem Amt Peitz zugeordnet. Das Gebiet gehörte damals zum Markgrafentum Brandenburg. Die Bärenbrücker waren Fischer und Bauern und mussten Abgaben leisten. Der 30-jährige und der Siebenjährige Krieg hinterließen tiefe Spuren, die Bärenbrücker bauten ihren Ort aber wieder auf. 1768 wurde die erste Schule gebaut, 1820 und 1868 wurde diese erneuert. Damals war die Bevölkerung sorbisch/wendisch. Deutsch galt als Fremdsprache. 1913 gab es das erste Telefon, ab 1922 elektrischen Strom. 1970 wurde aus dem ehemaligen Schulgebäude die Gaststätte Sonke.

Aus dem alten Dorfkonsum ist inzwischen ein schmuckes Dorfgemeinschaftshaus entstanden. Der Dorfanger wurde neu gestaltet. 2005 wurde das heutige Wahrzeichen des Ortes, der Glockenturm, eingeweiht. Unter dem Dach des hölzernen Turmes läutet jetzt die Glocke der Groß Lieskower Kirche.

Die Nachbargemeinde ist der Kohle zum Opfer gefallen. Bärenbrück ist eng mit dem Bergbau verbunden. Neben der Gemeinde ist die Bärenbrücker Höhe entstanden - eine Kippe, gewachsen durch die Ablagerungen der Tagebaue Jänschwalde und Cottbus-Nord. In Zukunft, nach der Flutung des Tagebaus Cottbus-Nord, wird Bärenbrück Anrainer des Cottbuser Ostsees sein.

Die wendischen Traditionen leben im Ort seit Jahrhunderten. Das Erntefest zählt dazu und gehört am kommenden Wochenende zum Festprogramm. An der Gaststätte beginnt am Sonnabend um 13.30 Uhr der Umzug zum Glockenturm. Dort wird ein Gruppenfoto von den Teilnehmern des diesjährigen Hahnrupfens gemacht. Die Lutzketaler Blasmusikanten begleiten die Jugendlichen in ihren wendischen Festtagstrachten zum Festplatz. Dort startet um 14 Uhr das Kinderhahnrupfen. Danach steigen 14 Reiter auf ihre Pferde und werden nach dem Kopf und damit nach der Erntekrone jagen. Allerdings ist es noch ein Geheimnis, wessen Kopf erobert werden muss. Die Bärenbrücker waren bisher immer sehr kreativ bei ihren Erntefestaktionen, also darf man gespannt sein, was diesmal das Objekt der Begierde sein wird. An den Wettbewerb schließen sich noch das Froschkarrenrennen der Mädchen und das Kranzstechen an.

Ab 20 Uhr spielt die Vox-Partyband zum Tanz im Dorfkrug auf. "Gäste sind herzlich willkommen", lädt Ortsvorsteher Wilfried Neuber ein.