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| 11:44 Uhr

Film Festival
Reise in elf verschiedene Welten

Cottbus. Das junge Medium „Full Dome“ überrascht im Raumflugplanetarium mit erstaunlichen Bildern und ruft ein breites Spektrum menschlicher Empfindungen hervor. Von Jenny Theiler

Für gewöhnlich begeistert das Raumflugplanetarium „Juri Gagarin“ mit Programmbeiträgen über Sternenkunde und Astronomie. Am vergangenen Freitag wurde jedoch die Kuppelförmige Leinwand zum Portal für elf verschiedene Welten, die für die Besucher des 28. Film Festvials eröffnet wurden. In knapp 80 Minuten erlebten die Zuschauer ein spannendes Schauspiel aus Licht, Farben, Musik und grafischen Elementen, die in ihrer Gesamtheit unter dem Medium „Full Dome“ bekannt sind.

Seit vier Jahren ist das Planetarium fester Partner des Film Festivals. Ein Blick in den Vorführraum offenbart das Potenzial dieser Location. Auf einer Leinwand, die das Publikum in 360 Grad umgibt werden die aufwendigen Produktionen gezeigt, die den Zuschauer in unterschiedlichste Welten entführen. Von einem Streifzug durch eine Comic-Großstadt über einen Ausflug in eine asiatische Jurte bis hin zu einem Flug durch das Weltall, sind all jene Orte vertreten, die im alltäglichen Leben verborgen bleiben.

Bereits die ersten fünf Minuten demonstrieren die Vielseitigkeit des Mediums. Es wird mit optischen Täuschungen und verfremdeten Bildern aus der Realität gespielt, die sich in den Köpfen der Zuschauer zu völlig neuen Eindrücken zusammensetzen. Jeder der insgesamt elf Kurzfilme zeichnet sich durch einen individuellen Erzählstil und Ausdruck aus. Auch die Botschaften sind vielseitig und sind an aktuelle Probleme geknüpft.

Im Film „Far from frozen“ von Oana Jones werden globale Erwärmung und die aktuelle Forschung in der Antarktis thematisiert. Eindrucksvolle Computeranimationen geben einen Einblick in eine mögliche Zukunft. Das Naturthema kommt auch bei der polnischen Filmemacherein Natalia Oliwiak zum Ausdruck. In ihrem Film „Four Elements“ sind Wasser, Wind, Erde und Feuer die Protagonisten. Es wird durch aufregende Naturaufnahmen demonstriert, wie sie einander beeinflussen und als Gesamtheit funktionieren. Das Element des Teilens steht auch bei Nicolas Gebbes „Urban“ im Fokus, der sich mit dem Thema Großsstadt auseinandersetzt. Bilder und Grafiken aus Großstädten werden auseinandergerissen und neu zusammengefügt. Eine neue Welt soll geschaffen werden. Eine Entscheidung darüber wie diese aussehen soll, wird dem Zuschauer überlassen.

Im Programm von „Full Dome vol. 4“ geht es weniger um Handlung, als viel mehr um Wahrnehmung. Die Kompositionen aus Bildern, Musik und Bewegung erzeugen Eindrücke beim Zuschauer, die ihn in erster Linie zum Nachdenken anregen sollen. Insbesondere der Film „Lumina“ von spielt mit Kontrasten wie hell und dunkel, die sich auch auf der Bewegungsebene ausdrücken. So wird in Verbindung mit der Musik, die sich ständig zwischen laut und leise bewegt, in besonderer Weise das Frühlingserwachen dargestellt.

An dieser Stelle zeigt sich ein möglicher Schwachpunkt des Programms. Viele Filme spielen mit sehr abstrakten Elementen, die nicht immer sofort einleuchten. Erst bei genauerem Hinsehen oder einer Wiederholung werden Elemente erkennbar, die eine Deutung ermöglichen. Sich auch emotional auf 360-Grad-Filme einzulassen ist für das Verständins und die Fähigkeit diese Kunstform genießen zu können eine wesentliche Voraussetzung und sicherlich auch eine generationenübergreifende Herausforderung.