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| 02:34 Uhr

Reise durch die Musikgeschichte

Luckauer Kammerchor "Cantemus" hat das erste Konzert des Musikherbstes mit ausgezeichneter Klangkultur gemeistert.
Luckauer Kammerchor "Cantemus" hat das erste Konzert des Musikherbstes mit ausgezeichneter Klangkultur gemeistert. FOTO: Bernd Weinreich
Cottbus. "Das ist ein köstlich Ding" – so überschrieb der Luckauer Kammerchor "Cantemus" unter Leitung von Peter Lippold sein Konzert zur Eröffnung des diesjährigen "Cottbuser Musikherbstes". Dieser Titel entstammt einem der mehr als zwanzig Stücke, die der inzwischen weit über die Grenzen unserer Region hinaus bekannte Chor an diesem Abend darbot. Dr. Bernhard Reichenbach / bri1

Mit einem Zeitraum von etwa 600 Jahren Musikgeschichte stand die stilistische Bandbreite der Kompositionen dieses Abends gleichsam als Motto für alle kommenden Konzerte des Musikherbstes.

So spannte sich der Bogen mit Liedern von Hans Leo Haßler aus dem Jahre 1596 und Johann Crüger (1644), über Heinrich Schütz (1658), Johann Christian Heinrich Rinck, Zeitgenosse Beethovens, bis ins 20. und 21. Jahrhundert. Besonderes Augenmerk richtete Peter Lippold auf Stücke aus dem reichen Schaffen sorbischer Meister und zeitgenössischer Komponisten aus unserer Region.

Mit dieser Auswahl war schon von vornherein ein sehr abwechslungs- und kontrastreiches Programm garantiert, das die Sänger mit ausgezeichneter Klangkultur meisterten. Verblüffend immer wieder die dynamische Variabilität des Chorklangs, unterstützt durch Besetzungswechsel (Solo, Kleingruppen, Tutti).

Da fällt es schwer, einzelne Beiträge herauszugreifen. Sehr gekonnt beispielsweise F. Jungs "Der Frühling", mit einer Kombination aus dem bekannten Vivaldi-Thema und Thomas Morleys Madrigal "Month of Maying". Köstlich auch Hans Wilhelm Hösls "Bewaffneter Friede" und das "Gewürzlied" des unvergessenen Harald Lorscheider.

Bereits im Jahre 2006, als "Cantemus" schon den damals 33. Cottbuser Musikherbst eröffnet hatte, stellte Hans Hüttens Chorlied "Gugkugk" eine Herausforderung an die Leistungsfähigkeit des Chores dar. Aber auch diesmal wurde das moderne, fröhliche und recht dissonanzenreiche Stück souverän gemeistert.

Dies gilt auch für die Uraufführung des Abends: aus der Feder des Cottbuser Komponisten und Musikers Frank Petzold stammen - speziell komponiert für dieses Konzert - vier Chorstücke "Wenn der Regen…", aus dem die Nr. 3, "Vorm Café" uraufgeführt wurde. Pointiert und mit rhythmischen Raffinessen gespickt, gelang den engagierten Sängern diese Premiere begeisternd und machte neugierig auf die anderen Stücke des Zyklus‘.

Mit "Abend wird es wieder" setzten die Sänger den emotionalen Schlusspunkt des Konzertes. Und bewiesen einmal mehr, wie klanghomogen das Ensemble musizieren kann und zu welch spannungsvollem Piano es in der Lage ist.

Erst lange, nachdem der letzte Akkord im Raum verklungen war, traute sich das Publikum in der voll besetzten Schlosskirche, die Sänger mit dankbarem Applaus zu überschütten. Denn in der Tat: "Es war ein köstlich Ding!"