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| 18:09 Uhr

„Jugend musiziert“
Sie haben Montis Czardas im Kopf

 Der zehnjährige Aaron Seraphin Korr vom Konservatorium Cottbus spielt schon sein halbes Leben lang Geige. Unterrichtet wird er von seinem Opa Gabriel Zinke, Direktor des Konservatoriums.
Der zehnjährige Aaron Seraphin Korr vom Konservatorium Cottbus spielt schon sein halbes Leben lang Geige. Unterrichtet wird er von seinem Opa Gabriel Zinke, Direktor des Konservatoriums. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. „Jugend musiziert" in Spremberg: 298 Kinder und Jugendliche singen und spielen um Punkte. Auch etwa 60 Schüler des Cottbuser Konservatoriums sind dabei. Von Annett Igel-Allzeit

Klavierlehrer Matthias Hentschel muss nicht warten. Die kleinen Geiger der jüngsten Altersklasse I A – 2011 und später geboren – müssen sich strecken, um ihn hinterm Flügel zu sehen, aber sie sind schnell mit ihren Dreiviertel-Geigen auf der Bühne. Auch Tjorben Müller. Fest drückt er die Fingerchen auf die Saiten und streicht los. Die leichten Stücke von Edward William Elgar hat er alle im Kopf: Andante, Allegretto, Allegro. Die Schlüsse gelingen ihm auf den Punkt genau, auch beim „Stiefeltanz“. Die Jury um Ulrich Stein, Bereichsleiter der Musikschule des Landkreises Oberspreewald-Lausitz,  macht sich Notizen. Violinenlehrerin Philine Jobst bestätigt in der Pause. „Das Auswendigspielen in jungen Jahren ist ausgezeichnet für die Haltung. Die Kinder können sich ganz aufs Hören konzentrieren.“ Das ist auch bei Jolina Große so. Eben noch stand die Elfjährige mit roter Wollmütze und beschlagenen Brillengläsern an der Tür zum Festsaal des Spremberger Schlosses. Sie ist aus Doberlug-Kirchhain zum Regionalwettbewerb Süd „Jugend musiziert“ angereist und gehört zu den Talenten der Musikschule Finsterwalde. Mit viel Temperament spielt sie den Czardas von Vittorio Monti.

Unter den 298 Kindern und Jugendlichen, die sich dem Regionalwettbewerb in Spremberg stellen, sind 35 Solo-Streicher. Zahlenmäßig übertrumpft werden sie von den Sängern. 44 junge Menschen treten im Pop-Gesang an. Das freut Christiane Altmann, Lehrerin für Popular-Gesang am Cottbuser Konservatorium, das mit rund 60 Schülern in Spremberg vertreten ist. „Mit dieser Wertungskategorie können wir mal zeigen, dass auch wir mit den Schülern Stimmbildung trainieren und alles für die Stimmgesundheit tun.“ Sonja Junghänel, Leiterin der gastgebenden Musik- und Kunstschule „Johann Theodor Römhild“ Spree-Neiße, beeindruckten die jungen Pop-Sängerinnen. „Toll, dass so viele den Mut haben, hier solo Rock und Pop zu singen“, lobt sie.

Die 13-jährige Ella Hänel aus Lindenau im Oberspreewald-Lausitz-Kreis hat mit Stevie Wonders „Don’t you worry‚ bout a thing“ und geschlossenen Augen den Regionalwettbewerb am Donnerstagmorgen eröffnet. Begleitet hat sie Jacob Herz mit Hut und E-Gitarre. Wie andere junge Sängerinnen schreibt Ella selbst Lieder. „Ich bin wie du, doch sie glauben mir nicht“, singt sie am Piano.  Die Zwölfjährige Alena Kühn aus Doberlug-Kirchhain überrascht mit der A-cappella-Version von Manfred Krugs „Auf der Sonnenseite“. Patrick Schülzke, ihr Lehrer, hatte ihr das Lied mitgebracht. „Ich fand das lustig mit den Sorgen, die man in die Ecke stellen kann. Als wir es dann am Klavier spielten, gefiel es mir immer besser“, so Alena.

Während die Jury um Jazzmusiker Philipp Schoof hinter verschlossenen Türen diskutiert, sitzen Ida Dullin aus Klein Düben und Laura Möbus aus Cottbus auf dem Bühnenrand im Saal der Landeskirchlichen Gemeinschaft und trällern unbeschwert. Sie sind Freundinnen. Ida spielt zudem Akkordeon und sorbische Geige im Folklore-Ensemble in Schleife. Musik sei ihr Leben.

Sonja Junghänel begleitet immer wieder Musiker, Eltern und Lehrer in Einspielräume. Und ist sich mit den Techniker der Landeskirchlichen Gemeinschaft einig: Spremberg braucht eine Festhalle. Aber dann kommt Tereze Rozenberga, die neue Leiterin der Kreismusikschule Dahme-Spreewald. 40 Jahre Musikschule Spremberg und 25 Jahre Kreismusikschule Dahme-Spreewald – die beiden Frauen müssen unbedingt miteinander reden, sich austauschen. „Auch das ist wichtig an Regionalwettbewerben – man tauscht sich aus, sieht, was die anderen Schulen machen“, sagt Sonja Junghänel. Im Vorfeld hat sie viel organisieren, viel bedenken müssen. Aber jetzt ist sie glücklich mit ihrem Team. Auch die Spremberger haben sie überrascht. Hinter vielen der 14 Sonderpreise stehen als Stifter große wie kleine Unternehmen der Stadt. Am heutigen Samstag sind das Kulturschloss, das Gymnasium, die Astrid-Lindgren-Grundschule und die Oberschule noch einmal voller Musik. In der Landeskirchlichen Gemeinschaft spielen ab 10 Uhr die Bands. Und in der Kreuzkirche beginnt um 19 Uhr die Abschlussveranstaltung mit der Preisvergabe.