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Buchtipps
Filmreifes Leben und erschütterte Grundfeste

Regina Ziegler: Geht nicht gibt’s nicht. Bertelsmann-Verlag, 351 Seiten, 22 Euro
Regina Ziegler: Geht nicht gibt’s nicht. Bertelsmann-Verlag, 351 Seiten, 22 Euro FOTO: Bertelsmann
Regina Ziegler ist eine großartige Filmproduzentin. Immer, wenn mich ein Fernsehfilm besonders beeindruckt, bin ich verblüfft. Denken wir nur an die so unter die Haut gehende Serie „Weissensee“, die den Deutschen Filmpreis bekam. Aha, eine Ziegler-Produktion, lese ich und denke: Kein Wunder. Jetzt gibt es auch ein Buch von der couragierten Rothaarigen, die mit dem Regisseur Wolf Gremm verheiratet war, der vor zwei Jahren starb. Anfang der siebziger Jahre hatte Regina Ziegler als erste Filmproduzentin Deutschlands beherzt die Männer-Domäne aufgemischt mit ihrem Lebensmotto: „Geht nicht gibt’s nicht.“ So lautet auch der Titel ihrer überaus lesenswerten Autobiografie, die nicht nur ihr filmreifes Leben beschreibt, sondern auch manch frechen Blick hinter die Kulissen wagt.

Autobiografisch angehaucht ist auch der Roman von Christian Haller „Die verborgenen Ufer“. Er beginnt damit, dass sein Haus bis in die Grundfesten erschüttert wird. Und damit auch sein inneres Gerüst. Und so erzählt der 1943 in der Schweiz geborene Autor die Geschichte eines Mannes, der sich schon früh angewöhnt hatte, den Anforderungen des Lebens auszuweichen. Ein Verhalten, das er sogar gegenüber jenen an den Tag legt, denen er nah ist, in Freundschaft oder Liebe verbunden. Und doch findet er in diesem Wegducken schließlich eine Kraft, die ihn weiter bringt, als er und ihm vertraute Menschen jemals vermutet haben. Für den Leser indes wird diese Kraft in der Schönheit der Sprache Christian Hallers und der Genauigkeit seines Beobachtens spürbar. Ida Kretzschmar

Christian Haller: Die verborgenen Ufer. Luch­terhand-Verlag, 254 Seiten, 19,99 Euro
Christian Haller: Die verborgenen Ufer. Luch­terhand-Verlag, 254 Seiten, 19,99 Euro FOTO: Luchterhand