| 15:27 Uhr

Silvester-Angriff
Rechter Wachschutz? Facebook kaum Kriterium

Den Opfern zufolge hat der Wachschutz beim Angriff in der Unterkunft nur zögerlich gehandelt.
Den Opfern zufolge hat der Wachschutz beim Angriff in der Unterkunft nur zögerlich gehandelt. FOTO: flashpics / fotolia
Cottbus. Die Ermittlungen zum Angriff auf Geflüchtete in einer Sachsendorfer Unterkunft in der Silvesternacht laufen noch. Von Daniel Schauff

Nach dem Angriff auf drei Geflüchtete in der Silvesternacht in einer Sachsendorfer Unterkunft steht auch das Wachpersonal im Fokus. Den Aussagen der Opfer zufolge sollen die Wachschützer eines Chemnitzer Wachschutzunternehmens den Angegriffenen nicht geholfen und nur zögerlich die Polizei gerufen haben.

Die Ermittlungen zum gesamten Tathergang laufen noch, erklärte am Mittwoch Sicherheitsdezernent Thomas Bergner den Stadtverordneten. Die Linken hatten sich in einer Anfrage nach den neuesten Erkenntnissen zur Tat erkundigt und gleichzeitig gefragt, inwiefern die Stadt Cottbus die Möglichkeit habe, ein Wachschutzunternehmen selbst auf seine Eignung für den Einsatz in Asylbewohnerheimen zu prüfen.

Zuständig für die Prüfung sei die Behörde, in der das Unternehmen ansässig ist, erklärte Bergner – im Falle des Wachschutzunternehmens im Wohnheim in Sachsendorf demnach die Stadt Chemnitz. Die Cottbuser Verwaltung würde bei einer erneuten Prüfung demnach außerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches handeln und damit rechtswidrig. Die Stadt frage also bei der zuständigen Behörde nach dem Ergebnis der Prüfung. „Und wir gehen natürlich davon aus, dass sich unsere Kolleginnen und Kollegen an Recht und Gesetz halten“, so Bergner.

Linke-Fraktionsmitglied Mario Kaun verwies auf das Facebook-Profil des Inhabers der Chemnitzer Sicherheitsfirma. Dort habe dieser rechte Inhalte geteilt und gelikt. Dort sei es möglich gewesen, Hinweise auf die möglicherweise fehlende Eignung der Firma zu finden. „Das ist leider noch kein Ausschlussgrund“, sagte Bergner. Wenn jemand irgendetwas poste in den Sozialen Netzwerken, sei das noch kein Grund zu sagen, derjenige sei nicht geeignet, so Bergner weiter. „Da hängen die Trauben sehr hoch.“ Erst bei strafrechtlich relevanten Inhalten schreiten die Behörden ein.

Gleichzeitig betont Bergner, dass nach dem aktuellen Stand der Stadtverwaltung nichts darauf hindeute, dass der Wachschutz am Neujahrsmorgen die „Probleme verursacht“ habe. Die Ermittlungen aber, unterstrich der Dezernent erneut, liefen noch.