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Aus dem Gerichtssaal
Rechte Schläger erhalten in Cottbus Bewährung

Erst in dieser Woche sind die Bauarbeiten am Eingangsbereich der Thiemstraße 129/130 abgeschlossen worden. Das Schild verkündet, dass sich Amtsgericht und Staatsanwaltschaft das Gebäude teilen.
Erst in dieser Woche sind die Bauarbeiten am Eingangsbereich der Thiemstraße 129/130 abgeschlossen worden. Das Schild verkündet, dass sich Amtsgericht und Staatsanwaltschaft das Gebäude teilen. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Zwei Männer wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht verurteilt. Von Peggy Kompalla

Zwei rechte Schläger sind in dieser Woche vor dem Cottbuser Amtsgericht zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt worden. Darüber informiert Amtsgerichtsdirektor Michael Höhr. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Damit könnte es für das Opfer Till F. vielleicht so etwas wie einen Abschluss einer Nacht vor mehr als zwei Jahren geben, die für ihn und seine Begleiterin mit Schrecken und Verletzungen endete. Der Student schilderte den Vorfall am 19. April 2015 zu Beginn des Gerichtsverfahrens im März so: Nach einer langen Nacht im Glad-House fuhr er morgens um 6.40 Uhr mit dem Rad in Richtung des Dönerladens auf der Sprem. Etwa in Höhe des Brandenburger Platzes habe ein Mann auf der Straße den Hitlergruß gezeigt. Till F. forderte ihn auf, das zu unterlassen, woraufhin der Täter Mario K. (27) aus Freital ihn als „antideutsch“ beschimpfte, mehrfach schlug und gegen das Knie trat. Auch Christoph L. (23) aus Strausberg trat auf den Studenten ein. Als dieser die Polizei rufen wollte, entrissen ihm die Schläger das Handy. Erst, als die junge Begleiterin von Till F. die Männer mit einem Fahrradschloss bedrohte, ließen sie von ihrem Opfer ab. Ein Zeuge rief schließlich die Polizei.

Das Gericht sieht die Schilderungen des Gewaltopfers als erwiesen an, erklärt Direktor Michael Höhr. Deshalb wurde der Angeklagte K. wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit gemeinschaftlicher Sachbeschädigung sowie wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Als Auflage wurde ihm die Zahlung einer Geldsumme von 500 Euro auferlegt. Ähnlich lautet das Urteil für den zweiten Angeklagten, Christoph L. Er wurde ebenso wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Als Auflage muss er 1000 Euro zahlen.

Rechte Gewalt hatte in Cottbus 2015 – dem Jahr des Vorfalls – deutlich zugenommen. Nach Angaben der Opferperspektive Brandenburg verdreifachte sich damals die Anzahl der Übergriffe fast im Vergleich zu 2014. Den Angaben zufolge stach Cottbus dabei brandenburgweit heraus. Die Situation hat sich seither nicht geändert. Jeden Monat taucht Cottbus meist mehrfach in der Online-Chronologie des Vereins auf. Gleichzeitig kritisiert die Opferperspektive, dass die Strafverfolgung zu lang dauere und die Opfer damit unnötig belaste. Das trifft auch auf den aktuellen Fall zu: Zwischen Tat und Urteil liegen mehr als zweieinhalb Jahre. Noch ist das Verfahren gegen die Schläger nicht abgeschlossen. Sie können in Berufung gehen.