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| 17:02 Uhr

Diskussion um zweiten Bauabschnitt
Beton blockiert das Herz der Stadt

 Johannes Brosdetzko glaubt nicht daran, dass sich die Brachfläche neben dem Blechen Carré ästhetisch ansprechend gestalten lässt.
Johannes Brosdetzko glaubt nicht daran, dass sich die Brachfläche neben dem Blechen Carré ästhetisch ansprechend gestalten lässt. FOTO: LR / René Wappler
Cottbus. Cottbuser befürworten die Unterschriftenaktion zur Brachfläche am Blechen Carré. Von Rene Wappler

Dann fliegt das Material eben mit dem Hubschrauber ein. Wie auf der Zugspitze.

Johannes Brosdetzko besitzt einen päpstlichen Orden für seinen Einsatz beim Umbau der Cottbuser Marienkirche und einen feinen Sinn für Sarkasmus. Wenn der 77-Jährige die Innenstadt besucht, schaut er mit beruflichem Interesse auf den Zaun, der die brachliegende Fläche am Blechen Carré umgibt. Denn vor 50 Jahren arbeitete er als Bauleiter für Sonderaufgaben am Textilkombinat Cottbus, kurz: TKC. Seit Jahren plagt ihn ein Tinnitus. Eine Psychologin hat ihm geraten, die Erkrankung einfach hinzunehmen, sich nicht das Hirn wegen der möglichen Ursache zu zermartern.

Manchen Dingen will Johannes Brosdetzko aber auf den Grund gehen. Hinter dem Bauzaun liegen Flaschenscherben. An einem Strauch hängt eine Plastiktüte. Johannes Brosdetzko betrachtet die zerklüftete Landschaft. „Aus meiner beruflichen Erfahrung heraus sage ich: Auf dieser Fläche lässt sich nichts Vernünftiges bauen.“ Es sei denn, jemand transportiert die Bauteile mit dem Hubschrauber. Oder die neue Flaniermeile wird wieder aufgerissen. Zu seinem Bedauern erfuhr Johannes Brosdetzko zu spät von der Bürgerinitiative, die ein Nachbar aus der Stadtpromenade im Dezember ins Leben rief. Harald Müller und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative übergaben am vergangenen Mittwoch 500 Unterschriften an den städtischen Hauptausschuss, der im Bürgerhaus tagte. „Der Schandfleck muss schnell weg“, fordern sie. „Allgemeine Verkündigungen sind keine Antwort.“

Wie Johannes Brosdetzko hätte sich ein weiterer Cottbuser gern an der Unterschriftenaktion beteiligt. Stefan Krause, ein Augenarzt im Ruhestand, sagt: „Für einen zweiten Einkaufsklotz fehlt doch in der Stadt die Kaufkraft.“ Am besten wäre es nach seinen Worten, den Plan für einen Anbau zum Blechen Carré einfach zu vergessen und dafür „eine schöne Blumenanlage mit Springbrunnen“ zu bauen. „Das würde völlig reichen“, erklärt Stefan Krause. „Dann wäre auch der Schandfleck weg.“

Ein Antrag der Cottbuser AfD-Fraktion legt diese Variante nahe: „Der Investor könnte verpflichtet werden, die unterirdischen Bauwerke zu sichern und darüber eine Grünfläche anzulegen.“ Über diesen Vorschlag werden die Stadtverordneten im Februar beraten.

Doch eine Grünfläche ließe sich an diesem Platz ebenso wenig einrichten: Das sagt der Baufachmann Johannes Brosdetzko. „Die Sache ist total verfahren, weil da riesengroße Betonelemente unter der Erde liegen“, erläutert er. „Damit könnte das Wasser nicht richtig ablaufen, falls tatsächlich eine Blumenanlage entstehen würde.“

Harald Müller von der Bürgerinitiative mit dem Namen „Schönes Cottbus“ weigert sich, den Eigentümer der Fläche, die EKZ Stadtpromenade Cottbus GmbH, als Investoren zu bezeichnen. „Ich nenne ihn nur noch einen Flächenbesitzer“, sagt er. Täglich blickt er von seiner Wohnung in der Stadtpromenade hinunter auf den Platz. „Wer da von einer Brache spricht, drückt sich noch viel zu diplomatisch aus“, erklärt Harald Müller. „Ich bekomme regelmäßig Besuch von Leuten aus anderen Städten, und die äußern sich stets überrascht, weil es ja immer noch so schrecklich aussieht.“

Einen gemeinsamen Antrag haben die Fraktionen der SPD und der Linken für die Konferenz der Stadtverordneten am heutigen Mittwoch gestellt. Darin heißt es sinngemäß: Nur wenn es der Stadt gelinge, Eigentümer dieser Fläche zu werden, könne sie das Zentrum im Interesse der Cottbuser Bürger gestalten. „Keine der bisherigen Zusicherungen für einen zügigen Baubeginn wurden umgesetzt“, stellen die Fraktionen fest. Deshalb sei es „an der Zeit, Fehler der Vergangenheit zu korrigieren“.

Für eine einfache Lösung plädiert unterdessen der einstige Bauleiter für Sonderaufgaben beim TKC, Johannes Brosdetzko: „Wenn ich jetzt entscheiden müsste, würde ich den Platz verfüllen und eine Parkfläche anlegen.“ Ein großes Bauwerk hingegen, welcher Art auch immer, zöge nach seinen Worten nur weiteren Ärger nach sich.