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| 22:20 Uhr

Gespaltenes Cottbus?
Experiment: Dialog

rbb vor Ort – Cottbus unerhört? FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Der RBB holt Asylkritiker und -befürworter an einen Tisch. Gäste: gern gesehen.

Es ist ein Experiment – das betont RBB-Moderator Andreas Rausch gleich mehrfach zu Beginn der Aufzeichnung am Donnerstag im Alten Stadthaus am Altmarkt. Der Saal ist voll, im Foyer stehen weitere Gäste. Der Rundfunksender hat fünf Gäste zur Diskussion geladen, um über die angespannte Lage in Cottbus zu diskutieren.

BTU-Präsident Jörg Steinbach ist dabei, Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD), die Cottbuser AfD-Chefin Marianne Spring-Räum­­­schüssel, Frank Richter, der als Theologe und Chef der Sächsischen Zentrale für politische Bildung den Kontakt mit Pegida suchte, die Cottbuser Bürgermeisterin Marietta Tzschoppe (SPD) und Hans-Christoph Berndt, Chef des Vereins „Zukunft Heimat“ aus Golßen, der seit Wochen Asylgegner nach Cottbus lockt um zu demonstrieren. Möglichst viele verschiedene Meinungen sollen die Diskussion anregen – am Podium wie im Publikum. Unterschiedliche Meinungen gibt es – den Gast etwa, der davon überzeugt ist, dass der Islam Andersgläubige unterwerfen will, Mohammad Shaar, den 20-jährigen Flüchtling aus Damaskus, der vor wenigen Wochen eine Demo gegen Hass in Cottbus organisiert hatte. Ob er Shaar als nicht integrierbar halte, will Rausch von Berndt wissen. Beantworten will Berndt die Frage ganz offenbar nicht – der Ort sei der falsche, um über Einzelfälle zu sprechen, so der „Zukunft Heimat“-Chef.

Warum es den Verein mit seinen Demos ausgerechnet nach Cottbus verschlagen habe, will Rausch wissen. Berndt argumentiert, dass Cottbus sich doch selbst zum Brennpunkt erklärt habe. Die Situation in Cottbus spiegele nur die Situation im ganzen Land wieder. Deshalb könne auch eine Initiative aus Hannover in Cottbus demonstrieren, so der „Zukunft Heimat“-Chef.

„Ich unterstelle Ihnen mal, Ihr Verein hat nichts gegen die BTU?“, fragt Uni-Präsident Jörg Steinbach. Berndt bejaht, Steinbach erklärt: Viele seiner 2000 ausländischen Studenten unterschieden sich äußerlich nicht von Flüchtlingen, seien den Anfeindungen demnach ebenso ausgesetzt. Steinbach sorgt sich um die Anziehungskraft der Uni und macht deutlich: Bleiben die Studentenzahlen nicht mindestens konstant, könne die Uni nicht weiter bestehen.

Ob Cottbus noch dialogfähig sei, will Rausch von Richter wissen. „Natürlich“, antwortet der – die Stadt aber habe einen langen Weg vor sich. Das Experiment des RBB scheint das zu bestätigen. Immer wieder hagelt es wütende Zwischenrufe, immer wieder muss Rausch darum bitten, die Gesprächsgäste ausreden zu lassen. Trotzdem kündigt Rausch an, nicht das letzte Mal mit Vertretern der unterschiedlichen Lager in Cottbus gesprochen zu haben. Eine endgültige Spaltung, sagt Richter, wäre nämlich der „Supergau“.

Im Foyer hatten sich weitere Gäste versammelt, um die Diskussion live zu verfolgen.
Im Foyer hatten sich weitere Gäste versammelt, um die Diskussion live zu verfolgen. FOTO: Michael Helbig