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| 22:12 Uhr

Geplanter zweiter Cottbus-Dialog im TV
RBB kassiert weitere Absagen von Vertretern des Cottbuser Stadtparlaments

Der RBB plant, nach der ersten Auflage Anfang März, unter dem Motto „Nachgefragt: Cottbus unerhört?!“ am 11. Oktober eine weitere Podiumsdiskussion, die aktuelle brisante Themen zum Inhalt haben soll. Der Cottbuser Stadtparlamentschef und der Vorsitzende der Grünen haben Ihre Einladungen zu der TV-Talkrunde ausgeschlagen. Grund: Das geplante Podium spiegele die Cottbuser Gesellschaft nicht annähernd wider und es gebe viel zu wenig zeitlichen Spielraum für Diskussionen.
Der RBB plant, nach der ersten Auflage Anfang März, unter dem Motto „Nachgefragt: Cottbus unerhört?!“ am 11. Oktober eine weitere Podiumsdiskussion, die aktuelle brisante Themen zum Inhalt haben soll. Der Cottbuser Stadtparlamentschef und der Vorsitzende der Grünen haben Ihre Einladungen zu der TV-Talkrunde ausgeschlagen. Grund: Das geplante Podium spiegele die Cottbuser Gesellschaft nicht annähernd wider und es gebe viel zu wenig zeitlichen Spielraum für Diskussionen. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Der Stadtparlamentschef und der Vorsitzende der Grünen bleiben der TV-Talkrunde fern. Grund: Die Podiumsgäste würden die Cottbuser Gesellschaft nicht annähernd widerspiegeln, wichtige Akteure fehlten. Von Daniel Schauff

Gut ein halbes Jahr nach der ersten Debatte veranstaltet der RBB am Donnerstag, den 11. Oktober (19 Uhr, Chemiefabrik), den nächsten Talk unter dem Titel „Nachgefragt: Cottbus unerhört?!“. Und kassiert zwei weitere Absagen von Publikumsgästen.

Reinhard Drogla (SPD), Chef des Cottbuser Stadtparlaments, legt die Gründe für sein Fernbleiben in einem Offenen Brief dar. Unter anderem kritisiert Drogla die Teilnahme des „Zukunft Heimat“-Vereinsvorsitzenden Hans-Christoph Berndt: „Es gibt in Cottbus eine reiche und vielseitige Vereinslandschaft. Viele dieser Vereine sind absolut geeignet, an einem Gespräch zu Cottbuser Problemen teilzunehmen. Sie haben sich entschieden, für Ihr Podium einen Verein einzuladen, der nicht aus Cottbus, sondern aus einem kleinen Ort des ländlichen Umfeldes von Cottbus stammt und von denen ich bisher keine konstruktiven Beiträge zur Entwicklung der Cottbuser Stadtgesellschaft vernehmen konnte.“

Auch Hans-Joachim Weißflog, Vorsitzender der Grünen in der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung, hat die Einladung des RBB ausgeschlagen. Auch er kritisiert die zunächst geplante Besetzung des Podiums. In der Einladung sei Marianne Spring-Räumschüssel, Vorsitzende der AfD-Fraktion in der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung, als einzige Vertreterin des Stadtparlaments als Gast auf dem Podium angekündigt worden. Auch Drogla hatte diese Ankündigung erhalten. Bei dieser Entscheidung sieben Monate vor der Kommunalwahl frage er sich, ob die Sendung als unabhängiger Journalismus durchgehen könne, so Weißflog.

Reinhard Drogla
Reinhard Drogla FOTO: Michael Helbig

Laut RBB nehmen an der Diskussion auf dem Podium nach aktuellen Stand nun noch Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU), Brandenburgs Staatskanzleichef Martin Gorholt (SPD), Politikwissenschaftler Dierk Borstel und Hans-Christoph Berndt teil. Sowohl die Bürgervereinigung Cottbuser Aufbruch als auch das Bündnis Cottbus Nazifrei haben ihre Teilnahme an der Runde abgesagt. Beide führen vor allem die Teilnahme des Vereins Zukunft Heimat an der Diskussion in der Chemiefabrik als Gründe an.

Hans-Joachim Weißflog
Hans-Joachim Weißflog FOTO: Marlies Kross

Sowohl Reinhard Drogla als auch Hans-Joachim Weißflog haben eigenen Aussagen zufolge Einladungen zur RBB-Sendungsaufzeichnung erhalten, in denen Marianne Spring-Räumschüssel, Vorsitzende der AfD-Fraktion im Cottbuser Stadtparlament, als Podiumsgast angekündigt war. Damit wäre die Vertreterin der AfD die einzige Podiumsteilsnehmerin der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung gewesen. Reinhard Drogla, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung, hat darauf mit einem Offenen Brief reagiert:

Sehr geehrte, liebe Frau Jordan,

mit Mail vom 25.09.2018 haben Sie mich für ihre geplante Sendung am 11.10.2018 anfragen lassen. Am 27.09.2018 habe ich meine Teilnahme bedingt zugesagt. Am 5.10.2018 habe ich von Ihnen per Mail nähere Informationen zur geplanten Veranstaltung erhalten. Diese Informationen veranlassen mich, Ihnen nun meine Meinung darzulegen.

Sie haben sich entschieden, das Format der Podiumsdiskussion unter Einbeziehung von Gesprächspartner*innen im Saal zu wählen. Als Aufzeichnungs-, damit auch als offizielle Gesprächsdauer, geben Sie 45 Minuten an, in der sich fünf Podiumsgäste und weitere Redner*innen konstruktiv äußern sollen. Ich persönlich halte eine Gesprächsdauer von 45 Minuten für absolut unzureichend, um gesellschaftliche Probleme von großer Komplexität angemessen behandeln zu können. Bei der Anzahl der Gäste im Podium sowie im Saal kann ein gründlicher Gedankenaustausch nicht zu erwarten sein. Zu erwarten sind hastige, in Sekundensätzen vorgetragene Statements. Dieses 45-Minutenformat halte ich daher für nicht geeignet gesellschaftliche Probleme zu reflektieren.

Die Stadtverordnetenversammlung Cottbus bildet eine reichhaltige Parteienlandschaft ab. Sie hingegen haben nur eine Partei auf Ihr Podium eingeladen, alle anderen Parteien sowie in der Stadtverordnetenversammlung ebenfalls vertretene Cottbuser Bürger*innenbedürfnisse werden somit vom Podium ausgeschlossen, Ich kann hier weder Ihre Auswahl noch Ihre damit verbundene Absicht nachvollziehen.

Es gibt in Cottbus eine reiche und vielfältige Vereinslandschaft. Viele dieser Vereine sind absolut geeignet, an einem Gespräch zu Cottbuser Problemen teilzunehmen. Sie haben sich entschieden, für Ihr Podium einen Verein einzuladen, der nicht aus Cottbus, sondern aus einem kleinen Ort des ländlichen Umfeldes von Cottbus stammt und von denen ich bisher keine konstruktiven Beiträge zur Entwicklung der Cottbuser Stadtgesellschaft vernehmen konnte. Dieser Verein scheint mir nicht besonders geeignet zu sein, Cottbuser Probleme zu diskutieren.

Wir haben in Cottbus, durchaus nach Anlaufproblemen, erfolgreiche Bürger*innendialoge geführt. Dort haben wir Cottbuser*innen uns über unsere Probleme, Erwartungen und Vorschläge ausgetauscht. Bereits bei ersten Bürger*innendialog wurde klar, wie wichtig den Cottbuser*innen ist, das Ihren Positionen einen angemessener zeitlicher Raum zur Verfügung steht, um diese zu diskutieren. Wir haben miteinander und nicht übereinander geredet, wir sind uns mit Akzeptanz, Respekt und Toleranz begegnet, weil wir uns zuhören und austauschen konnten, so wie es in den von Ihnen vorgeschlagenen 45-Minutenfornat mit einer Unzahl an Podiumsgästen und weiteren Redner*innen nicht möglich sein kann.

Wir werden den Weg des unaufgeregten, konstruktiven Dialoges weiter fortsetzen. Wir werden weiter miteinander sprechen und voneinander lernen. Ich halte dies für die richtige Vorgehensweise und lade Sie herzlich ein, sich an diesem Prozess zu beteiligen. Aus den vorgenannten Gründen sehe ich mich für mich daher keinen Platz in der von Ihnen geplanten Veranstaltung.

Mit herzlichen Grüßen,

Reinhard Drogla,

Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung Cottbus