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Rauschender Jubiläumsball zum 90. Geburtstag

Zwei leidenschaftliche Tänzerinnen: Inhaberin Karina Brand (r.) und Tanzlehrerin Maria Hennig.
Zwei leidenschaftliche Tänzerinnen: Inhaberin Karina Brand (r.) und Tanzlehrerin Maria Hennig. FOTO: Tino Schulz/tsz1
Cottbus. Generationen haben in der Cottbuser Tanzschule Fritsche ihre ersten sicheren Schritte auf dem Tanzparkett erlernt. Stolz blickt kann sie auf ihr 90-jähriges Bestehen zurückblicken. Das wird am 2. Dezember mit einem rauschenden Jubiläumsball gefeiert. Antje Posern

Erzsébet und Dieter Fritsche sind in Cottbus eine Institution. Tausenden haben sie beigebracht, im Walzertakt zu schweben, sich zu einem stolzen Tango oder zu einer verträumten Rumba zu bewegen. Gemeinsam mit seiner Frau sorgte Dieter Fritsche dafür, dass die im Januar 1927 von seiner Mutter Ruth Knobloch gegründete Tanzschule in der ganzen Lausitz ein Begriff wurde.

Als Koffertanzschule zogen sie zu DDR-Zeiten durch die Schulen. Nach der Wende wurden sie in der Rudolf-Breitscheid-Straße 11, wo sie einen großen Saal mieteten, sesshaft und traten dem Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV) bei. Auch Tochter Cornelia hat das Tanz-Gen von ihren Eltern geerbt und wurde Tanzlehrerin. Engagiert brachte sie sich in den elterlichen Betrieb ein, doch sie zog es wieder nach Berlin, wo sie ihre Ausbildung genossen hatte. Vor zwei Jahren übergaben Erzsébet und Dieter Fritsche ihre Tanzschule in die Hände der tanzbegeisterten Karina Brand. Die Forsterin ist ein Eigengewächs. Sie ließ sich von Cornelia Fritsches "Dance4Fans" anstecken und absolvierte später in Cottbus den praktischen Teil ihrer Ausbildung zur Tanzlehrerin. Sie habe damals einen "enormen Respekt" gehabt, das "Flaggschiff Fritsche" zu übernehmen, gesteht die heute 35-jährige Inhaberin. Stolz sei sie, dass es ihr gelungen ist, die familiäre Atmosphäre und das respektvolle Miteinander in der Tanzschule zu bewahren. "Wir haben nur die Vielfalt noch etwas ausgebaut", beschreibt sie die Ausrichtung der Tanzschule Fritsche, an deren traditionsreichen Namen die Inhaberin nie rütteln wollte. Mehrere Generationen unter einem Dach für das Tanzen zu begeistern, macht den beiden jungen Tanzlehrerinnen Spaß. Karina Brand zur Seite steht neben einigen Honorarkräften Mitarbeiterin Maria Hennig. Die 21-Jährige, ebenfalls aus Forst, hat erst im vergangenen Jahr in Hamburg ihre Ausbildung abgeschlossen. Beide bringen sie eine Frische aufs Parkett, die neben dem Bewahren der Fritsche-Tradition und der Unterrichtsqualität das Rezept der heutigen Schule ausmacht.

Getanzt wird in den zwei Sälen in der Breitscheidstraße von vier Jahren bis ins Seniorenalter. Während die Ältesten unter anderem im Club Agilando bei rhythmischer Gymnastik Koordination und Kondition trainieren, stehen für die Jüngsten musikalische Früherziehung und Bewegungslehre im Mittelpunkt. Die Größeren lernen Gesellschafts- und moderne Tänze kennen. Karina Brand freut sich, dass sie einen neuen Hip-Hop-Kurs nur für Jungs anbieten kann. Zehn Sechs- bis Neunjährige sind mit Eifer dabei.

Im Dance4Fans-Club lernen Kinder und Jugendliche, sich wie ihre Pop-Idole, die die Charts stürmen, zu bewegen. Im Jugendclub werden verrückte Tanzstile wie West Coast Swing und Kizomba angeboten. Letzterer sei eine Mischung aus Tango Argentino und Bachata - eng getanzt, sehr erotisch, beschreibt Karina Brand.

Optimistisch stimmt sie, dass seit einigen Jahren die traditionellen Tanzstunden für Jugendliche wieder stark nachgefragt sind. "Tanzens gehört wieder zum guten Ton", stellt sie fest, "wir unterrichten ja nicht nur die Grundlagen dafür, sondern auch gute Umgangformen." Ganze neunte Klassen melden sich an, momentan laufen vier Jugend-Grundkurse.

Und auch die Erwachsenen strömen ins Haus. Grund- und Fortschrittskurse vermitteln Kenntnisse in Standard- und lateinamerikanischen Tänzen, die in Medaillen- und Spezialkursen weiter vertieft werden können. Viele Paare entdecken das Tanzen und bleiben dabei, beobachtet Karina Brand. Der Schlüssel liegt für sie auf der Hand: "Tanzen ist das einzige Hobby, dem man als Paar nachgehen kann."

Nicht zu vergessen Fitnessangebote wie Zumba und Bodyfit. Und die Showtanzgruppen, die mit ausgefeilten Choreografien bei Wettbewerben antreten. Freitagabend geben Karina Brand und Maria Hennig keine Kurse "Da gönnen wir uns den Luxus, in unseren Gruppen zu trainieren."

Karina Brand hat ihre Tanz-Leidenschaft zum Beruf gemacht und freut sich, wenn sie andere damit infizieren kann. Das Faszinierende an ihrem Beruf? "Es ist toll zu beobachten, wie ganz unterschiedliche Menschen in kurzer Zeit einfach schön tanzen lernen und Spaß dabei haben."

Dass das Interesse am Tanzen groß ist, habe auch der Tag der offenen Tür anlässlich des 90-jährigen Bestehens gezeigt. "Der Saal war immer voller Menschen", sagt die Inhaberin zufrieden. Mit einem rauschenden Jubiläumsball soll der Geburtstag noch gefeiert werden: am 2. Dezember "in meiner Traum-Location". Mehr verrät Karina Brand noch nicht. Sicher ist dagegen, dass viele Unterstützer und Freunde der Tanzschule eingeladen sind. Und natürlich Erzsébet und Dieter Fritsche.

Zum Thema:
Im Januar 1927 gründet die Cottbuserin Ruth Knobloch die Tanzschule. 1936 heiratet sie den Handelsvertreter Fritz Fritsche, 1938 kommt Sohn Dieter zur Welt.1960 legt Dieter Fritsche erfolgreich die Prüfung zum Lehrer für Gesellschaftstanz ab, und ist mit 21 Jahren für eine kurze Zeit der jüngste Tanzlehrer der DDR. 1968 heiratet er in Budapest seine Erzsébet.Nachdem Ruth Fritsche 1972 verstorben ist, übernimmt ihr Sohn im Januar 1973 die Tanzschule. 1974 wird Tochter Cornelia geboren. 1976 schließt Erzsébet Fritsche die Ausbildung zur Tanzlehrerin ab. Im Februar 1991 gründet Dieter Fritsche gemeinsam mit tanzbegeisterten Paaren den Tanzclub 1991 Cottbus. Cornelia Fritsche tritt 1996 in den elterlichen Betrieb ein. 2010 erhalten Erzsébet und Dieter Fritsche für ihre Verdienste um die Tanzschule die Ehrenmedaille der Stadt Cottbus. Seit August 2015 führt Karina Brand die Tanzschule.