Den Balkonbrand vor einer Woche in der sechsten Etage eines Wohnhauses in der Petersilienstraße in Cottbus hat die Feuerwehr schnell löschen können. Keine Verletzten, der Schaden hielt sich in Grenzen. Eine Bewohnerin atmete auf. "Wir haben hier viele ältere Bewohner, besonders sie beunruhigt das sehr - was passiert, wenn das nächste Feuer mal nicht so schnell entdeckt wird?" Auch der jüngste Kellerbrand in der Welzower Straße wurde von den Bewohnern des Hochhauses diskutiert. Während die Kameraden im Keller das Feuer löschten, mussten sie in ihren Wohnungen bleiben. Dass das die beste Chance ist, den giftigen Gasen zu entgehen, haben in jener Nacht nicht alle Mieter verstanden.

Uwe Schulze ist als Servicebereichsleiter bei der Berufsfeuerwehr unter anderem zuständig für den vorbeugenden Brandschutz und spricht von einer guten Zusammenarbeit mit den Cottbuser Wohnungsunternehmen. Trotzdem wartet er seit Jahren dringend auf eine Rauchmelderpflicht. "So ein Rauchmelder schützt die Bewohner. Legt er los, steht nicht die Feuerwehr vor der Tür, sondern er sagt uns, dass der vergessene Milchtopf auf dem Herd überkocht. Wir können noch eingreifen oder uns - wenn es schon schlimmer ist - in Sicherheit bringen." Und die Feuerwehr rufen.

Regelungen wie die Rauchmelderpflicht stehen in Brandenburg in der Bauordnung. Anfang 2014 hatte die alte Landesregierung die Hoffnung geweckt, bis zum Ende der Legislaturperiode - Landtagswahl war im September 2014, die Rauchmelderpflicht zu erlassen. Doch daraus wurde nichts. Noch immer ist es nur ein Entwurf. Schafft er es zum geltenden Gesetz, dürfen sich die Sicherheitsbedürftigen freuen, sagt Uwe Schulze: "Brandenburg geht in seinem Entwurf sehr weit: Im Flur und in allen Aufenthaltsräumen - also alle Zimmer außer Küche und Bad - sollen Rauchmeldern installiert werden.

Aber hilft das bei einem Kellerbrand der schlafenden Seniorin im vierten Stock? "Brennt es im Keller, betätigen wir Feuerwehrleute vor Ort als eine der ersten Handlungen die Rauchableitung. Über das Treppenhaus zieht der Rauch hinaus ins Freie", erklärt Schulze. Da Wohnungstüren nicht zu 100 Prozent dicht sind und Rauch nach oben steigt, dürfte der Rauchmelder an der Decke des Wohnungsflurs anspringen. Und ist der erste Rettungsweg über die Haustreppe versperrt, sollten sich Bewohner am Fenster bemerkbar machen.

Dass Brandschutz in Wohnhäusern unterschiedlich aussieht, liegt an ihren Baujahren und damals geltenden Bauordnungen. Holztreppen, wie sie Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurden, finde man in Häusern aus den 1970er-Jahren nicht mehr. In öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Kliniken, Pflegeheimen und in Hochhäusern mit mehr als 200 Bewohnern besteht bereits unter anderem die Pflicht, Brandmeldeanlagen zu installieren. Wird der Rauchmelder zur Pflicht, gilt das sofort für Neu- und Umbauten. Um in ihrem Bestand Rauchmelder nachzurüsten, sollen die Eigentümer Zeit bis 2020 bekommen. Bis dahin rät Schulze, selbst in Rauchmelder zu investieren: "Es gibt sie bereits für wenig Geld. Und das VdS-Prüfsiegel ist wichtig."