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Randale auf dem Stadthallenvorplatz

Ein Alkoholverbot für den Cottbuser Stadthallenvorplatz fordert der Bürgerverein Stadtmitte.
Ein Alkoholverbot für den Cottbuser Stadthallenvorplatz fordert der Bürgerverein Stadtmitte. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Einen dramatischen Appell hat Gottfried Lindner, Chef des Bürgervereins Cottbus Mitte, jetzt in Richtung Stadt gerichtet. Auf dem Stadthallenvorplatz stünden Pöbeleien und Schlägereien auf der Tagesordnung. Die Außenwirkung sei verheerend. Lindner fordert deshalb ein Alkoholverbot für den Platz. Sven Hering

Zunächst wurde gemeinsam getrunken. Dann flogen die Fäuste. Die Polizei musste schließlich für Ordnung sorgen. Sichtlich irritiert verfolgte eine Besuchergruppe aus dem benachbarten Lindner Congress Hotel die Szenerie. Gottfried Lindner, Chef des Bürgervereins Stadtmitte, schildert seine Beo bachtungen am Stadthallenvorplatz. "Das ist kein Einzelfall. Solche Szenen spielen sich inzwischen beinahe täglich ab", ergänzt Lindner. Erst am Dienstagabend sei es wieder zu heftigen verbalen Attacken gegen Passanten gekommen. "Der vorbeifahrenden Polizeistreife wurde außerdem ganz ungeniert der Stinkefinger gezeigt", so Lindner.

Der Chef des Bürgervereins ist nicht der Einzige, der mit Sorge beobachtet, was sich auf dem Platz vor der Stadthalle abspielt. Auch Jörn Hübner, Centermanager der Spreegalerie, ärgert sich über das Treiben vor seinem Einkaufstempel. "Der Alkohol spielt dort zunehmend eine Rolle, da werden dann regelrechte Kegelwettbewerbe mit dem Leergut veranstaltet", erklärt er. Für Hübner ist das ein unhaltbarer Zustand. "Da nehmen sich einige wenige Rechte heraus zum Nachteil vieler anderer." Hübner sorgt sich vor allem um seine Mieter, die sich wegen der Zustände vor der Einkaufspassage bereits beklagt haben. Zudem befürchtet er, dass die Probleme mit den steigenden Temperaturen in den kommenden Wochen noch zunehmen.

Für Gottfried Lindner gibt es derzeit nur eine Lösung. Die Stadt müsse ein Alkoholverbot für den Platz erlassen. Dann hätten Ordnungsamt und Polizei auch eine Handhabe. "Wir können ja die Leute dort nicht einfach wegbeamen", so Lindner. Der Bürgervereinschef erinnert sich noch an die Zeit, als der Puschkinpark zum Problemtreff wurde. "Damals wurden Möbel dort hingebracht und angezündet. Die Leute haben sich nicht mehr getraut, durch den Park zu gehen", so Lindner. Ein ähnliches Schicksal drohe jetzt dem Stadthallenvorplatz. Das müsse unbedingt verhindert werden. "Das Bild, das wir gerade bei unseren Gästen abgeben, ist verheerend."

Die Stadtverwaltung kennt die Vorfälle vor der Stadthalle. "Dieses Problem stellt sich jedes Jahr zum Frühlingsanfang", sagt Ordnungsamtschef Manfred Geißler. Allerdings sei die Gruppe, die sich regelmäßig treffe, im Gegensatz zu den Vorjahren deutlich größer. Die Möglichkeiten, als Verwaltung einzuschreiten, seien begrenzt. "Es ist nicht verboten, Alkohol in der Öffentlichkeit zu konsumieren. Es ist ebenfalls nicht verboten, betrunken zu sein." Vorstöße anderer Städte für ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen seien durch die Gerichte gekippt worden. "Leider", fügt er hinzu. "Ich sehe deshalb nur die Möglichkeit, durch regelmäßige Kontrollen den Leuten so auf den Nerv zu gehen, dass sie woanders hingehen", ergänzt Geißler.

Der Stadthallenvorplatz sei wie das gesamte Zentrum Kontrollschwerpunkt, sagt Polizeisprecher Torsten Wendt. "Das Problem ist deshalb für uns nicht neu." Wenn es zu Straftaten komme, schreite die Polizei ein. Allerdings warnt Wendt vor einer Illusion. Die Beamten könnten den Platz nicht rund um die Uhr im Auge behalten.

Zum Thema:
Um mehr Kunden und Mieter in die Gelsenkirchener Allee zu locken, hatte die Stadt im Jahr 2010 per Verordnung das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit untersagt. So sollten die Gruppen, die sich dort regelmäßig treffen, vertrieben werden. Das Verbot war zeitlich befristet. "Erfolg hatte das nicht", erklärte Sachsendorfs Bürgervereinschef Peter Pollack. Torsten Kunze, Chef des Vermieters GWC, hatte selbst mit den Trinkern geredet. Angetroffen habe er dabei "friedliche Leute" aus Senftenberg oder Finsterwalde, die einfach ihr Bierchen trinken wollten. Auch wenn in Sachsendorf kaum gepöbelt wurde, war der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ein Problem. Passanten machten einen großen Bogen um die Gruppe. Die potenzielle Kundschaft der dort eingemieteten Läden blieb dem Boulevard fern.