In einem Schreiben an die Stadtverordneten fordert Karin Rätzel den PDS-Abgeordneten auf, Strafanzeige gegen sie zu stellen. Die Anschuldigung sei so schwer wiegend, dass sie innerhalb von sieben Tagen dazu eine Entscheidung erwarte. Rätzel schreibt: „Ich behalte mir selbstverständlich das Recht vor, Strafanzeige gegen mich selbst zu erstatten bzw. ein Disziplinarverfahren gegen mich selbst zu beantragen.“
Bei der von Schuppan beantragten Akteneinsicht ging es nach Rätzels Angaben um vertragliche Regelungen zwischen der Anwaltskanzlei Hebisch, Otto und Partner und der Stadt Cottbus. Die Kanzlei berät die Stadt in Rechtsangelegenheiten. Anwalt Klaus Hebisch gilt als enger Vertrauter der Oberbürgermeisterin.
Zwei Tage lang hätten Mitarbeiter der städtischen Kämmerei dem Abgeordneten zur Verfügung gestanden, um Akten bereitzustellen und Fragen zu beantworten, so Rätzel. „Deshalb waren die Mitarbeiterinnen der Kämmerei entsetzt, als Sie ihnen vorwarfen, bewusst Belege vorzuenthalten, um angebliche Verfehlungen der Oberbürgermeisterin zu vertuschen“ , heißt es im Schreiben der Rathaus-Chefin an Schuppan und die anderen Abgeordneten. Nach „heftigen Auseinandersetzungen“ , so Rätzel, „wedelten Sie mit einer Kopie einer Flugrechnung herum, auf der Flüge angeblich u. a. nach Mailand verbucht worden seien und diese über das Anwaltsbüro der Stadt Cottbus in Rechnung gestellt worden seien.“ Bei einem weiteren Treffen habe sich dann herausgestellt, „dass Sie mit Ihrem Verhalten nur verunsichern wollten und es beispielsweise einen Mailand-Flug nicht gibt, was ich nur bestätigen kann“ , schreibt Karin Rätzel. Wie das Stadtoberhaupt in dem Schreiben erklärt, habe Schuppan auch die Quelle seiner Informationen genannt: „Sie gaben an, die Kopie einer Flugrechnung von Herrn Schwarz und darüber hinaus weiteres belastendes Material gegen mich von Mitarbeitern aus der Verwaltung erhalten zu haben.“
Aus PDS-Kreisen verlautete gestern, Schuppan habe lediglich das ihm zugespielte Material prüfen wollen und dazu sein Recht auf Akteneinsicht wahrgenommen. Es gebe jedoch keine öffentlichen Vorwürfe gegen Karin Rätzel. In dem Schreiben der Oberbürgermeisterin sehe man eine „merkwürdige Verstörung“ , hieß es aus der Fraktion. Zu Einzelheiten wolle man sich derzeit nicht äußern. Unverständlich sei, warum das Schreiben auch an Schuppans Arbeitgeber, eine Krankenkasse, gegangen sei.
Schuppan selbst hielt sich gestern ebenfalls bedeckt: „Das Schreiben ist aufgebauscht. Ich will mich aber erst mit meinem Anwalt beraten, bevor ich etwas sage.“

Hintergrund Akteneinsicht
 Das Recht der Abgeordneten auf Akteneinsicht ist unter anderem im Paragraf 36 der Gemeindeordnung geregelt. Darin heißt es unter anderem: Jedem Gemeindevertreter ist vom hauptamtlichen Bürgermeister . . . Einsicht in Akten zu gewähren. . . Unabhängig von Satz 1 ist auf Antrag eines Fünftels der Mitglieder der Gemeindevertretung oder einer Fraktion . . . Einsicht in Akten zu gewähren. Die Einsicht in Akten darf nur verweigert werden, wenn der Akteneinsicht schutzwürdige Belange Betroffener oder Dritter oder ein dringendes öffentliches Interesse entgegenstehen.