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Rätsel um Cottbuser Kino-Zukunft

Ratlose Gesichter, viele Spekulationen oder gar Schweigen – so reagiert derzeit die Kinobranche auf Anfragen zur Zukunft des Cottbuser Standorts. Doch hinter den Kulissen rumort es. Der Chef des UCI-Kinos in Groß Gaglow, Ingolf Kanitz, verließ jetzt seinen Arbeitsplatz nach nur wenigen Monaten Probezeit, und der 31. Juli rückt immer näher: Zu diesem Termin laufen die Verträge der anderen Mitarbeiter im Kinopalast aus. Ähnlich nebulös gerät auch der Ausblick auf die geplante Ufa-Investition in der Cottbuser Innenstadt. Von René Wappler

Warum arbeitet Ingolf Kanitz nicht mehr für UCI? Keine Auskunft. Was passiert mit dem Groß Gaglower Kino, wenn die Arbeitsverträge der Mitarbeiter auslaufen? Keine Auskunft. Wird das Haus etwa geschlossen – oder zieht es gleich, wie vielerorts vermutet, in die Innenstadt um? Keine Auskunft.
Die UCI-Leitung macht sich derzeit rar, wenn man sie mit solchen Fragen konfrontiert. Dabei sorgte sie selbst für Wirbel, als sie sich entschied, den Mietvertrag in Groß Gaglow zu kündigen (die RUNDSCHAU berichtete). Der Entscheidung war ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts vorausgegangen, das die Baugenehmigung in Groß Gaglow nachträglich aufhob.

Zuversichtlicher Amtsdirektor
Der Amtsdirektor von Neuhausen, Dieter Perko, wünscht sich, dass UCI in seinem Einflussbereich bleibt: „Wir kämpfen zurzeit darum, dass die Rechtsfehler bei der Baugenehmigung zumindest rückwirkend beseitigt werden. Der notwendige Beschluss der Gemeindevertretung Groß Gaglow wird Anfang September nach Abschluss des formellen Verfahrens gefasst werden können. Dann ist wiederum die Untere Bauaufsichtsbehörde am Zuge. Ich gehe davon aus, dass UCI auch nach dem 31. Juli den Standort in Groß Gaglow nicht verlässt.“
Woher nimmt er diese Zuversicht“ Perko liegt ein Schreiben der Bauaufsicht an den Vermieter vor, im Juni abgeschickt: Der weitere Betrieb des UCI-Kinos in Groß Gaglow werde trotz der Mängel bei der Baugenehmigung geduldet. „Also gibt es keinen Anlass für UCI, das Haus zu verlassen“ , erklärt Perko.
Von der UCI-Leitung kommen jedoch weder positive noch negative Signale. Der bisherige Groß Gaglower Theaterchef Kanitz hüllt sich mit Hinweis auf die Bestimmungen aus seinem Arbeitsvertrag in Stillschweigen, sein Nachfolger Danny Berthold war gestern nicht zu erreichen, und die Mitarbeiter des Hauses scheinen bislang vergeblich auf klare Perspektiven für die Zukunft zu warten. Da ist es ihnen auch nur ein geringer Trost, wenn überall in Groß Gaglow Pappfiguren und Werbeposter für Filme trommeln, die erst im Spätsommer oder gar frühen Herbst anlaufen werden. Schließlich beschäftigt sie die Frage: Werden wir für diese Filme noch Karten verkaufen können„ Und die Besucher – 2,5 Millionen seit der Eröffnung im Juni 1997 – fragen sich: Werden wir diese Filme in Cottbus oder Umgebung sehen können“
Manches spricht trotz der vielen ungeklärten Fragen dafür, dass die Arbeitsplätze der Mitarbeiter erhalten bleiben. Denn auch die Pläne für das Cottbuser Innenstadt-Kino erweisen sich noch nicht als so wasserdicht, wie es die vorgesehene Eröffnung des Hauses im Herbst 2004 vermuten ließe. So gesteht der Pressesprecher der Investorengemeinschaft „Stöben & Wittlinger“ , Bernd Schimke: „Ich kann leider noch nicht sagen, dass die Tinte unter den Verträgen trocken ist. Wir sind zwar weit vorangekommen, doch der krönende Abschluss fehlt bislang.“ Resolut widerspricht er allerdings dem Eindruck, das Ufa-Projekt stehe auf der Kippe. „Die Abstimmungen finden praktisch täglich statt – und so ein Unternehmen verlangt eben mehr Abstimmung als ein Einfamilienhaus.“

Das kleine Wort „zunächst“
Alles hängt offenbar weiterhin an dem Motto, das der frühere UCI-Theaterchef Kanitz nach seinem Antritt in Groß Gaglow verkündete: In Cottbus sei nur Platz für ein Kino. Offen bleibt: UCI oder Ufa? „Um den Schaden für die UCI-Mitarbeiter und alle Beteiligten so gering wie möglich zu halten“ , teilte UCI-Pressesprecher Georg Welles im Mai 2003 mit, „betreibt UCI im Auftrag des Vermieters das Kino zunächst weiter, um in dieser Zeit eine zwischen der Stadt Cottbus, dem Vermieter und UCI abgestimmte Lösung für den nachhaltigen Betrieb des Kinos zu finden.“ Keine Auskunft gibt das Schreiben des Pressesprechers über die genaue Definition des kleinen, aber im Augenblick so gewichtigen Wortes „zunächst“ .

Hintergrund Der Kino-Krach
 1995 erfährt die Stadt Cottbus vom geplanten Kinobau in Groß Gaglow. Sie strengt ein Kontrollverfahren beim Oberverwaltungsgericht Frankfurt/Oder an. Ihre Begründung: Auch Investoren wie Ufa und Kieft seien an einem Kinobau interessiert – allerdings in der Innenstadt.
Im Februar 1996 liegen die Baugenehmigungen des Landkreises Spree-Neiße vor. Sofort beginnen die Tiefbauarbeiten in Groß Gaglow.
Im August 1996 entscheidet sich das Oberverwaltungsgericht gegen den Kinobau in Groß Gaglow, sieht aber von einem Baustopp ab.
Gegen den von Cottbus gewünschten Baustopp spricht sich im September 1996 das Cottbuser Verwaltungsgericht aus. Daraufhin zieht die Stadt Cottbus ein zweites Mal vor das Oberverwaltungsgericht – mit einer Beschwerde gegen die Baugenehmigung.
Das Kino eröffnet am 24. Juni 1997. Baukosten: 15 Millionen Euro.
Im Februar 2000 hebt das Verwaltungsgericht in Cottbus die Baugenehmigungen für das UCI-Kino auf, doch der Kinobetrieb geht weiter.
Der Landkreis legt im März 2000 Berufung ein, das Oberverwaltungsgericht lehnt die Berufung im März 2003 ab.
Im Mai 2003 tritt die UCI-Kinowelt von ihrem Mietvertrag zurück - als Reaktion auf den Gerichtsbeschluss.

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