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| 19:31 Uhr

Die Räschener Straße
Eine Straße für die Bahner

FOTO: Heute: Dora Liersch - Damals: Sammlung Hans Krause
Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte der Räschener Straße – basierend auf einer Ansichtskarte, die aus der Sammlung von Hans Krause stammt.

„Räschener Straße – benannt nach den Industrieorten im Senftenberger Kohlerevier Groß- und Kleinräschen – von der Vetschauer Straße bis zur Leipziger Straße. Die Häuser 1 – 24, 26 – 27a und 34 – 39 gehören dem Wohnungsverein Cottbus.“ So lauten die Angaben zu dieser Straße im Cottbuser Adressbuch von 1940.

Der Straßenname Räschener Straße, wie auch der für die Calauer Straße, waren schon länger geplant, letztendlich im Mai 1903 vergeben worden. Die Stadt Cottbus hatte durch den Anschluss an das deutschlandweite Eisenbahnnetz einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung genommen. Dazu kam, dass die verschiedensten Bahnstrecken Cottbus zu einem Eisenbahnknotenpunkt werden ließen. Das bedeutete, die Bahn brauchte mehr Personal und dieses brauchte angemessenen und bezahlbaren Wohnraum, möglichst in der Nähe der Arbeitsstelle. Dadurch kam es in Cottbus zur Gründung einer ersten Wohnungsbaugenossenschaft. So würde man es heute nennen.

Damals nannte man sich „Wohnungsverein der Preußischen Staatseisenbahn-Beamten Cottbus“. Zur Geschichte des genossenschaftlichen Bauwesens, der verschiedenen Vereine und Genossenschaften in Cottbus hat Gerhard Zilz umfangreich geforscht und ein dementsprechendes Buch herausgegeben. Darin findet man auch die Anfänge dieses Wohnungsvereins der Preußischen Staatseisenbahn-Beamten.

Die Bauanträge für die ersten zwei Häuser, Räschener Straße 6 und 5, wurden noch im Jahre 1903 gestellt. Haus Nummer 6 sollte im Januar 1904 und Nummer 5 im April 1904 fertig gestellt sein. Bis zur Herausgabe des Cottbuser Adressbuchs für 1904 waren in der Räschener Straße fünf Häuser fertig gebaut und bezogen. Bauausführende Firma war Dümpert & Haucke. Später waren auch andere Firmen daran beteiligt.

Die Bewohner waren fast ausschließlich bei der Bahn angestellt. Im Jahre 1909 standen zwischen der Vetschauer Straße und der Calauer Straße insgesamt neun Häuser für die Bahner. Im Jahre 1921 war aus dem Wohnungsverein der Preußischen Staatseisenbahn-Beamten GmbH der Wohnungsverein Cottbus GmbH geworden und südlich der Calauer Straße waren die Häuser Nummer 12 bis 23 entstanden.

Die Stadtgemeinde Cottbus baute inzwischen auf der gegenüberliegenden Seite, der Westseite der Räschener Straße, ebenfalls Wohnhäuser. So standen 1925 die Gebäude mit den Hausnummern 44 bis 46. Einige wenige Baustellen waren auch in Privatbesitz, so Haus 25 im Besitz von Georg Sauer, 28 Alfred Sachse, 28a Wilhelm Matschke, 29 Dorothea Paulick, 29a Wilhelm Kupke, 31a Gustav Schultze Söhne.

Ab Räschener Str. 40 bis 46 gab es verschiedene Eigentümer, die Stadtgemeinde, die Gemeinnützige Beamten Baugesellschaft beim Landesfinanzamt Berlin, die Reichspostverwaltung, die Deutsche Reichsbahn und die Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft Mitteldeutschlands, Halle.

Trotz der unterschiedlichen Eigentümer waren die Häuser in ihrer Architektur gut aufeinander abgestimmt. Die Bäume in der Räschener Straße sind Mehlbeeren, die sowohl mit ihren Blüten, wie auch mit den Früchten auf sich aufmerksam machten. Für die Räschener Straße stimmt der gleiche Schlusssatz, wie am 22. Januar 2018 für die Senftenberger Straße. Beim Bombenangriff am 15. Februar 1945 ist viel von der harmonischen und qualitätsvollen Bebauung zerstört worden.