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Cottbus
Radsatzwerkstatt schließt zum Mai

Bild aus besseren Zeiten: Ein Radsatz hängt 2008 am Haken des Hallenkrans im DB-Fahrzeuginstandhaltungswerk in Cottbus.
Bild aus besseren Zeiten: Ein Radsatz hängt 2008 am Haken des Hallenkrans im DB-Fahrzeuginstandhaltungswerk in Cottbus. FOTO: Z1015 Bernd Settnik
Cottbus. Das Cottbuser Bahnwerk verliert rund 80 000 Fertigungsstunden. 60 Mitarbeiter sind davon betroffen. Der Betriebsrat fordert Ausgleichsleistungen für den Standort. Von Peggy Kompalla

Im Werk Cottbus der DB Fahrzeuginstandhaltung wird die Radsatzaufarbeitung zum Mai dieses Jahres geschlossen. Das bestätigt die Deutsche Bahn auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Die Entscheidung darüber liegt demnach bereits Jahre zurück. Der Konzern konzentriert damit die Radsatzaufarbeitung von bisher acht auf dann nur noch vier Standorte in Wittenberge, Dessau, Kassel und Paderborn.

Die Stimmung im Bahnwerk Cottbus ist angespannt. Das sagt Andreas Lehmann. Er ist der Betriebsratsvorsitzende des Cottbuser Werkes. Bei den rund 480 Mitarbeitern herrschen demnach Frust und Angst um ihre Arbeit in Cottbus. Dabei hatte der Konzern im vergangenen Jahr verkündet, dass keines seiner 13 Werke geschlossen wird. Für Cottbus wurde sogar eine Millioneninvestition verkündet. Demnach soll bis zum Jahr 2021 eine neue Produktionshalle für Hybridlokomotiven entstehen. Die Prototypen mit Diesel- und Elektro-Antrieb werden derzeit in Cottbus gefertigt.

Die Angst der Bahner resultiere aus der Ungewissheit, sagt Andreas Lehmann. Scheibchenweise verschwinde Arbeit aus Cottbus. Lohnt dann überhaupt noch die Investition im Jahr 2021? Diese Frage kreist im Kopf der Cottbuser Bahner. Denn die Zukunft für das Werk ist trotz der Ankündigungen der Konzernführung in Frankfurt am Main noch immer nicht klar umrissen. Das frustriert auch die Eisenbahn-Gewerkschaft EVG. Die Cottbuser Geschäftsstellenleiterin Uta Trusch sagt: „Wir erwarten ein klares Konzept von der Geschäftsführung. Wir sind der Meinung, dass es durch eine Umverteilung der Leistung in den Werken bundesweit genügend Arbeit gibt.“ Das unterstreicht Andreas Lehmann: „Der Konzern plant mit 450 Zeitarbeitnehmern in diesem Jahr für fast alle Werke. Der Personalbedarf ist also vorhanden.“ Das Werkekonzept soll bis Mitte des Jahres vorliegen. So lautet die Verabredung zwischen Geschäftsführung und den Arbeitnehmervertretern.

Der Betriebsrat berichtet, dass die Radsatzaufarbeitung ursprünglich schon zum Jahresbeginn 2017 auf die vier Standorte reduziert werden sollte. „Aber die Werkstätten waren zu dem Zeitpunkt noch nicht vorbereitet, die Leistung zu übernehmen“, erklärt Lehmann. So gab es immer in Vierteljahresscheiben eine Verlängerung für die Cottbuser Radsatzaufarbeitung. „Die Kollegen haben sich nie gedrückt“, betont der Betriebsrat. „Sie haben im vergangenen Jahr sogar länger und sonntags gearbeitet, damit die Kundenwünsche erfüllt werden konnten.“ Nun ist das endgültige Aus verkündet. Rund 80 000 Fertigungsstunden fehlen damit ab Mai, rechnet Andreas Lehmann vor. Die Cottbuser warten auf die von der Geschäftsführung versprochenen Ersatzleistungen. „Bislang gibt es aber noch kein Signal.“

Rund 60 Beschäftigte arbeiten in Cottbus für die Radsatzaufarbeitung. Einem Bahnsprecher zufolge wird es keine Kündigungen geben. Er erklärt: „Auf Basis geltender Tarifverträge und Regelungen zum konzernweiten Arbeitsmarkt soll den von Leistungsverlagerungen betroffenen Mitarbeitern eine neue berufliche Perspektive ermöglicht werden.“

Die Cottbuser Bahner gehen seit Jahren Kompromisse ein. Derzeit verrichten 56 ihre Arbeit in anderen Werken des Bahn-Konzerns. Die meisten in Nürnberg. Andreas Lehmann betont: „Unsere Mitarbeiter haben ihren Anteil geleistet.“ Demnach sind bis zum Ende des Jahres 2017 insgesamt 120 Mitarbeiter über Teilzeit aus dem Betrieb ausgeschieden. Mit Blick auf die Altersstruktur des Bahnwerkes und die Pläne für 2021 sagt der Betriebsrat: „Ich fürchte, wenn es soweit ist, werden uns die Fachkräfte in Cottbus fehlen.“ Der Konzern müsste deshalb deutlich mehr Nachwuchs ausbilden, um das Wissen und die Fähigkeiten für die Zukunft zu sichern. Derzeit schließen im Cottbuser Bahnwerk jährlich sechs Lehrlinge ihre Ausbildung ab.