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"Quark und Leinöl“ lässt regionale Kultur im Spreewald hochleben

Besonders das Show-Kochen kam bei den Besuchern auf dem Festival "Quark & Leinöl" in Burg gut an.
Besonders das Show-Kochen kam bei den Besuchern auf dem Festival "Quark & Leinöl" in Burg gut an. FOTO: Stephan Meyer
Burg. Am Wochenende verwandelte sich der Burger Kur- und Sagenpark zum Schauplatz der Spreewälder Kultur. Zwischen den Figuren des Drachen Plon, des Wendenkönig Serbski Kral und der Mittagsfrau reihten sich die Stände des Festivals „Quark & Leinöl“. Stephan Meyer

Das Event, welches erstmalig stattgefunden hat, möchte eine Brücke zwischen niedersorbischer und wendischer Tradition und Handwerk sowie dem ländlichen Genuss schlagen. Das Kochen mit den Festival-namensgebenden Zutaten stand jedoch eindeutig im Vordergrund.

Viele Besucher zog es von Beginn an in das Zelt der Showküche, in der bekannte Quark mit Leinöl-Varianten von prominenten Spreewälder Köchen neu interpretiert wurden. Bis auf Marco Giedow (Speisenkammer in Burg) outeten sich alle Köche als Zugezogene, die Leinöl jahrelang nur als Firnis kannten. Neben dem Koch der Speisenkammer gaben sich Peter Franke und Sven Arnold (Landgasthof & Hotel "Zum Stern" Werben, Kräutermanufaktur), Oliver Heilmeyer (Landhotel Burg) und Jörg Thiele (Bio Boutique Hotel und Kolonieschänke) die Ehre. Uneinigkeit herrschte bei der Wahl des Leinöls. "Jeder schwört da auf seine Marke", gab Giedow bei seiner Kochshow zu. Bei einer Tatsache stimmten aber alle überein: Weniger ist oft mehr.

Bei den Kochshows ging es puristisch zu und die Naturgeschmäcker standen im Vordergrund. "Ich mag meine Gerichte einfach und verständlich", erklärte Giedow, der 2015 erneut als Brandenburger Meisterkoch ausgezeichnet wurde. Am Ende ginge es "nur" um das Essen, sagte der Koch der Speisekammer und erntete dafür Beifall beim Publikum. Dennoch habe er einen kreativen Anspruch. Der Brandenburger Meisterkoch 2015 bereitete daher den Klassiker Quarkkeulchen herzhaft mit Lachs zu. Asiatisches Paniermehl machte den Leckerbissen besonders knusprig. Das Leinöl fanden die Gäste in seiner Mayonnaise wieder, die als Dip dazu gereicht wurde. Auf die Regionalität und Qualität der Zutaten wurde stets hingewiesen. "Wir wollen aus tollen Produkten etwas Gutes zubereiten", sagte Jörg Thiele, der allen Köchen auch moderierend beiseite stand. "Man muss sich von der Illusion lösen, dass, wenn man etwas Billiges kauft, etwas Schmackhaftes dabei herauskommt", so der Koch und "The Taste"-Teilnehmer. Die humorvolle und lockere Art der Kochshows kam gut an bei dem Publikum.

Darüber hinaus gab das Team um Jörg Thiele den Anwesenden zahlreiche Tipps und Tricks für zu Hause mit auf den Weg. Angefangen bei Hinweisen zum Abziehen von Staudenselleriefäden bis zum Appell, keine Gemüseschalen wegzuwerfen. Mit letzteren könne man beispielsweise sehr einfach Fonds und Brühen ansetzen. Auch wurden Kochmythen aufgeräumt. Zitrone mache man heutzutage nicht mehr an den Fisch und natürlich könne man mit Olivenöl frittieren, so lange man den Rauchpunkt beachtet. Nebenbei machte Thiele auf die Nachwuchsprobleme in der Gas-tronomie aufmerksam, die zum Teil am schlechten Image der Köche liegt. "Ohne unsere Mitarbeiter wären wir nicht so erfolgreich", erläuterte der gebürtige Sachse. "Wir wollen daher auch zeigen, dass Koch ein sehr schöner Beruf ist," gab Thiele den Zuschauern mit auf den Weg und räumte im gleichen Atemzug mit dem Klischee vom Töpfe schmeißenden Küchenchef auf.

Zudem betonte er mehrfach, dass man mit dem Festival den Spreewald als Genussregion bekannter machen wolle. "Auch wenn die Veranstaltung "Quark & Leinöl" heißt, die Region hat mehr zu bieten. Das wollen wir über die Grenzen von Brandenburg hinaustragen." Die Macher sind davon überzeugt, dass das Festival eine feste Größe im Spreewald wird. Wer denkt, die meisten Lausitzer wären ohnehin bereits mit der Vielfalt unserer Region bestens vertraut, irrt jedoch. "Ich bin kein großer Fan unserer Regionalküche", outete sich Festivalbesucher Steven Rauch (24, Cottbus), der bei "Quark und Leinöl" eines Besseren belehrt wurde. "So konnte ich mal einen Einblick in die regionale Restaurantszene bekommen und frei von allen Zwängen kosten. Ich wäre zum Beispiel vorher nie auf die Idee gekommen, auf diese Weise Lachs zuzubereiten." Die Cottbuserin Anne Heller (23) war ebenfalls begeistert. "Ich bevorzuge ja eh schon natürliche Produkte. Aber hier konnte man neue Gerichte über Kartoffeln, Leinöl und Quark hinaus kennenlernen. Es war auch schön, bei den Kochshows zuzusehen und aus erster Hand Neues zu erfahren."

Abseits der regionalen Kulinarik widmete sich "Quark und Leinöl" dem Handwerk. Gegenüber dem Koch-Zelt veranschaulichte Torsten Schultz von der Straupitzer Mühle mit einer Schaupresse aus dem Jahr 1945, wie man früher Leinöl hergestellt hat. Darüber hinaus gab es Blaudrucktextilien, sorbische Ostereier sowie Töpferkunst zu bestaunen. Dieter Dziumbla zeigte, wie man einst Spinnstoffe herstellte und unzählige Baumschulen und Gärtnereien machten die Besucher mit regionalen Gemüse und Kräutern vertraut. Lesungen und Vorträge ergänzten das Programm. Kinder konnten sich unter anderem mit einem Steckenpferd beim "Hahnrupfen" ausprobieren, wobei der Hahn jedoch durch Süßigkeiten ersetzt wurde.