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Qualvoller Tod eines Sportpferdes

Beim Trainingstag 2012 in Dissenchen hatte Arkado seinen letzten öffentlichen Auftritt, danach wurde er aus dem Sport verabschiedet und durfte in Rente gehen.
Beim Trainingstag 2012 in Dissenchen hatte Arkado seinen letzten öffentlichen Auftritt, danach wurde er aus dem Sport verabschiedet und durfte in Rente gehen. FOTO: rur
Dissenchen. Der Wallach Arkado hatte ein erfülltes Leben als Sportpferd hinter sich und durfte seit zwei Jahren seine "Rente" in Dissenchen genießen. Andrea Hilscher

Jetzt starb er während der Nacht an einer schmerzhaften Kolik. Der Bereitschaftstierarzt war nicht erreichbar.

Das Wort "Kolik" ist ein Albtraum für Pferdebesitzer und Tierärzte: Die ausgesprochen schmerzhafte Erkrankung des Verdauungstraktes ist schwer zu behandeln und kann zum Tod des Tieres führen. Madelen Kretschmer aus Dissenchen wusste daher, in welcher Gefahr ihr Pferd Arkado schwebte, als sie ihn nachts schweißgebadet in der Box fand. "Er hatte große Schmerzen, warf sich hin und her und war nicht zu beruhigen", sie die Pferdefreundin. Sie versuchte zunächst, zwei befreundete Tierärzte zu erreichen, doch beide hatten keine Möglichkeit zu helfen und verwiesen daher an den tierärztlichen Bereitschaftsdienst. "Dort haben wir angerufen", sagt Madelen Kretschmer, doch erreicht hat sie nur einen Anrufbeantworter. "Der verwies uns genau an die Nummer, die wir gerade gewählt hatten. Offenbar eine Rufumleitung, die auf sich selbst hinwies."

Verzweifelt rief die Familie immer neue Ärzte an, bis sich endlich ein Veterinär erbarmte und nach Dissenchen fuhr. "Er kannte sich mit Großtieren nicht aus, hat Arkado aber wenigstens so weit sediert, dass wir ihn die Klinik bringen konnten", sagt Madelen Kretschmer. Als sie endlich in der Pferdeklinik in Dallgow (Landkreis Havelland) ankamen, war es für Arkado bereits zu spät: Durch eine Darmverschlingung war bereits so viel Gewebe abgestorben, dass eine Operation aussichtslos war. Arkado musste eingeschläfert werden.

"Für uns ein schrecklicher Verlust", sagt die Besitzerin traurig. Seit 17 Jahren lebte Arkado bei ihr. Ihre Tochter hat unzählige Siege und Platzierungen mit ihm errungen, er gehörte zur Familie. "Es ist schlimm, dass er sich so quälen musste, nur weil der Bereitschaftsarzt nicht ans Telefon gegangen ist."

Andrea Schulze, Geschäftsführerin der Landestierärztekammer in Frankfurt/Oder, erklärt dazu: "Ein Tierarzt, der den Notdienst übernommen hat, muss einfach erreichbar sein. Er ist verpflichtet, die Erstversorgung eines kranken Tieres zu übernehmen." Die Telefonnummern der Bereitschaftsärzte werden in der Tagespresse - hier in der RUNDSCHAU - veröffentlicht.

Wenn die Tierhalterin sich bei der Kammer beschwert, wird der Fall dort berufsrechtlich geklärt. "Das Pferd können wir der jungen Frau natürlich nicht zurückbringen, auch einen Schadenersatz können wir nicht leisten", so Andrea Schulze. Aber die Kammer könne dafür sorgen, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholt.