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Pyrotechnik in Stadien im Visier

Durch das Abbrennen von Pyrotechnik wurden mehrere Menschen verletzt.
Durch das Abbrennen von Pyrotechnik wurden mehrere Menschen verletzt. FOTO: Peter Aswendt
Cottbus. Es ist fast genau ein Jahr her – da versank die beeindruckende Geburtstags-Choreografie der FC Energie-Fans in Pyrotechnik. Heiße Asche tropfte auf den Familienblock, es gab Verletzte und Sachschäden. Die Bengallichter macht die Universität nun zum Thema – in einer Ringvorlesung und der Forschung. Peggy Kompalla

Wolfgang Spyra hat seinen Spitznamen weg. Als Feuerwerks-Professor ist er über die BTU Cottbus-Senftenberg hinaus bestens bekannt und er bekennt: "Ich mag den Schwarzpulvergeruch." Insofern teilt er mit den Pyrotechnik-Fans in gewissem Maße eine Leidenschaft. Doch er kennt auch die Gefahren der Feuer, die in einer Menschenmenge im Stadion noch einmal wachsen.

Deshalb beschäftigt sich der Professor mit dem Thema in der öffentlichen Ringvorlesung am 27. Januar unter dem Titel "Pyrotechnische Bengallichter in Fußballstadien - Kick oder Crime?" Er hofft damit nicht nur die Pyrotechnik-Gegner, sondern vor allem deren Befürworter anzusprechen. Denn sie unterschätzten allzu oft die Risiken. Das war auch beim 50. Geburtstag des FC Energie Cottbus der Fall. Am 31. Januar 2016 zündeten einige wenige Zuschauer im Rang über dem Familienblock Bengalfeuer. Heiße Schlacke tropfte auf die Menschen, sie standen zudem in beißendem Rauch, einige gerieten in Panik.

Solche Vorfälle nimmt die BTU nun zum Anlass für Forschung. Die Universität bereitet Professor Spyra zufolge derzeit eine wissenschaftliche Untersuchung vor. "Die Frage ist, wie kommt die Pyrotechnik in die Stadien? Wie kann das verhindert werden. Und wie können die Täter überführt werden?", umreißt er das Thema. "Menschen, die andere gefährden, sollen nicht davonkommen."

Bei dem Forschungsprojekt werde die Universität deshalb mit der Staatsanwaltschaft, der Polizei und auch dem FC Energie Cottbus kooperieren. "Wir wollen dem Verein helfen, die Pyrotechnik aus dem dem Stadion zu bekommen." Das könne nur im Interesse des Fußballclubs sein, denn die Strafen sind empfindlich. Erst Anfang Januar wurde Energie vom Sportgericht des Nordostdeutschen Fußballverbandes zu 7000 Euro Strafe verurteilt. Der Grund: Einige Zuschauer brannten Pyrotechnik ab und brüllten rechte Parolen bei den Regionalliga-Partien bei Hertha BSC II, Wacker Nordhausen und zu Hause gegen den SV Babelsberg 03.

Wolfgang Spyra ist darauf gefasst, dass bei der Ringvorlesung am 27. Januar möglicherweise auch Ultras im Hörsaal auftauchen. Dagegen hat er nichts. Im Gegenteil: Sie will er erreichen. "Wir wollen Einsicht schaffen und zeigen, wie risikoreich Pyrotechnik in Stadien ist. Es herrscht vielerorts die schräge Auffassung, dass Bengallichter nicht gefährlich sind." Der Chemiker sagt: "Beim Abbrennen entsteht 2500 Grad Celsius heiße Schlacke und der farbige Rauch ist sogar toxisch."

Professor Spyra war zehn Jahre lang Direktionsleiter der polizeitechnischen Untersuchungen beim Polizeipräsidenten in Berlin. Seit dem Jahr 2010 lehrt der BTU-Professor Kriminaltechnik im Masterstudiengang Forensic Sciences und Engineering. Das ist nach Auskunft der Universität ein bundesweit einzigartiger Weiterbildungsstudiengang. Er wendet sich an Berufstätige, die sich in der Kriminaltechnik spezialisieren wollen. "Die Forensik ist so vielfältig wie die Kriminalität selbst", sagt Spyra. Der Studiengang verzeichnet laut BTU steigende Teilnehmerzahlen. Auch an der Ringvorlesung des Studiengangs herrscht großes Interesse. An den Freitagnachmittagen seien rund 350 Zuhörer dabei. Mehr als doppelt so viele wie anfangs erwartet.

Zum Thema:
In der öffentlichen Ringvorlesung der BTU Cottbus-Senftenberg unter dem Titel "Forensic Science: Der Tat auf der Spur" geben Experten Einblicke in die Spurensuche, -analyse und -bewertung. Am Freitag, 27. Januar, spricht Prof. em. Dr.-Ing. Wolfgang Spyra über "Pyrotechnische Bengallichter in Fußballstadien - Kick oder Crime?" Sie beginnt um 17.30 Uhr im Großen Hörsaal auf dem Cottbuser Zentralcampus.

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