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| 21:30 Uhr

Cottbus
Die Herrin der Pyramiden

Karina Müller ist die neue Pyrmaidengärtnerin in Branitz. Zu ihrer Grundausstattung gehören neben der Schere, seither Boot oder Kahn. Die Cottbuserin mag die schonende Arbeitsweise im Park. Das bedeutet allerdings auch viel Handarbeit.
Karina Müller ist die neue Pyrmaidengärtnerin in Branitz. Zu ihrer Grundausstattung gehören neben der Schere, seither Boot oder Kahn. Die Cottbuserin mag die schonende Arbeitsweise im Park. Das bedeutet allerdings auch viel Handarbeit. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Gärtnermeisterin Karina Müller verstärkt seit Mai das neue Pflegeteam der Stiftung Park und Schloss Branitz. Der Tumulus erhält dabei besonderes Augenmerk. Von Peggy Kompalla

Diese Berufsbezeichnung dürfte weltweit einmalig sein: Pyramidengärtnerin. Genau das ist Karina Müller seit Mai dieses Jahres. Die Arbeit geht mit großer Verantwortung einher, stehen die beiden Pyramiden doch als Symbol für den Park Branitz und die Genialität seines Schöpfers. Jeder Arbeitsschritt ist öffentlich und wird beäugt. Darüber hinaus ist der Tumulus das Grabmal von Fürst Pückler. Karina Müller – klein, graue Haare, rote Brille – schultert all das und entdeckt dabei ihren Beruf sogar neu. Das liegt vor allem am Selbstverständnis der Branitzer Parkpfleger. „Hier darf jeder Strauch nach seiner Art wachsen“, schwärmt Karina Müller. Die Cottbuserin hat sich gegen mehr als 70 Mitbewerber für den Posten durchgesetzt.

Die 46-Jährige kennt den Zeit- und Arbeitsdruck von Grünpflegebetrieben. Schließlich hat sie selbst in mehreren Unternehmen der Region gearbeitet. Zuletzt war sie bei den Renaturierungsspezialisten von der Nagola Re GmbH in Jänschwalde angestellt. Dort kümmerte sie sich in den vergangenen Jahren um die Produktion von regionalem Saatgut. Die Faszination für die zumeist unscheinbaren Pflanzen lässt sie in Branitz immer wieder genauer hinsehen. „Ich freue mich über jede kleine Wildblume, die ich hier entdecke“, sagt Karina Müller. Bei dem Satz lässt sie den Blick über ihren neuen Arbeitsplatz schweifen.

Der umfasst deutlich mehr als Land- und Seepyramide. Parkleiter Claudius Wecke erklärt: „Zum Verantwortungsbereich gehört die gesamte Pyramidenebene vom Hermannsberg bis zum Rennbahnhügel mit Parasol und Bleyerwiese.“ Alles in allem: 30 Hektar. Dabei bekommt das Areal rund um Land- und Seetumulus ein besonderes Augenmerk. Endlich ist das möglich, wie Parkleiter Wecke betont. „Die Pflege ist hier schon deutlich intensiviert worden, schließlich wollen wir die Erwartungen der Besucher erfüllen – ähnlich wie beim Pleasureground am Schloss.“

Das Paradoxe: Die Arbeit der Gärtnerin sollte gar nicht auffallen. Schließlich geht es um die richtige Balance zwischen Natürlichkeit und Parkgestaltung. „Das ist die Kunst“, sagt sie. Der Parkleiter gibt allerdings die Richtung vor: „Die Seitengrate der Seepyramide sollten immer schön scharf sein.“ Auch der Fuß der Pyramide muss stets gemäht sein und der Wein soll gleichmäßig wachsen. Schließlich erwarten die Besucher endlich wieder eine Rotfärbung des Tumulus. In ein paar Wochen dürfte es soweit sein, erste Stellen leuchten bereits sanft.

Als Pyramidengärtnerin muss Karina Müller vorsichtig und schonend arbeiten. „Das bedeutet viel Handarbeit“, sagt sie mit einem Lächeln. Das verlangt aber auch ordentlich Kondition. „Bei der ersten Mahd Ende Mai habe ich das gemerkt“, erzählt sie. „Der Freischneider wiegt seine zehn bis zwölf Kilo und dann muss man auch noch das Gleichgewicht halten.“ Für die Seepyramide muss sie zudem noch eine Schulung in Seilklettertechnik belegen. Das ist aus Sicherheitsgründen notwendig.

Trotz ihres großen Verantwortungsbereiches findet die Gärtnerin immer wieder Momente zum Genießen. „Das Zusammenspiel von Tier, Pflanze und Mensch im Park ist faszinierend“, sagt sie. „Erst kürzlich habe ich auf der Landpyramide eine Zauneidechse beobachtet, wie sie aus ihrem Loch guckte.“ Und als sie eine Bank bei den umgestürzten Eichen auf der Bleyerwiese herrichtete, stellte sie fest: „Von dort sieht man gar nicht, dass die Pyramide im Wasser steht.“ Parkleiter Wecke liefert prompt die Erklärung: „Das liegt daran, dass dieser Teil des Sees nicht ausgehoben wurde. Er war von Pückler viel größer geplant.“ Dabei wandert sein Finger über eine alte Karte des Parks. Im Jahr 1856 ließ der Fürst den Tumulus auf die Wiese setzen. Erst sieben Jahre später wurde der See rund herum ausgeschachtet. „Ich lerne jeden Tag etwas Neues dazu“, sagt Karina Müller mit einem Lachen.

Die Pyramidengärtnerin gehört zu den sieben neuen Mitarbeitern im Park- und Gartendenkmalpflegeteam der Stiftung, das nun 15 Mitarbeiter umfasst.