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| 18:29 Uhr

LR Sommertour
Von Erdmännchen und Marabus

Rundschau-Sommertour im Cottbuser Tierpark
Rundschau-Sommertour im Cottbuser Tierpark FOTO: LR / Daniel Schauff
Cottbus. Bei der LR-Sommertour führt Bartosz Lysakowski RUNDSCHAU-Leser durch den Cottbuser Tierpark. Von Daniel Schauff

Die meisten Tiere, erklärt Bartosz Lysakowski, haben gar kein Problem mit der Hitze – Glatteis sei problematischer. Lysakowski ist neuer Zooschullehrer im Cottbuser Tierpark. Statt Kita- und Schülergruppen führt er am Dienstag ein gutes Dutzend RUNDSCHAU-Leser durch den Park. Und weil Tiere im Tierpark kaum überraschend wären, hat sich der Poznaner ein tatsächlich ungewöhnliches Thema für die 90-minütige Reise ausgesucht: Wasser.

Das nämlich spielt im Cottbuser Tierpark eine Hauptrolle. Abgezweigt wird es von der Spree, erklärt Lysakowski. Im Park wird es durch ausgeklügelte Systeme zu Fließ- und Standgewässern, ganz so, wie es die Tiere brauchen.

Von denen zeigen sich am frühen Dienstagmorgen viele. Erdmännchen, keine heimischen Tiere, aber Besuchermagnete, sagt der Zooschullehrer. Ansonsten konzentriert sich der Tierpark gern auf heimische Tierarten. Mit gutem Grund: „Viele Kinder kennen sich sehr gut mit dem Handy aus, haben aber noch nie eine Kuh gesehen“, sagt Lysakowski. Zu seinen Aufgaben gehört es, die heimische Fauna zu erklären. Viele Schulen würden sich mittlerweile darauf konzentrieren, sagt er.

Der Weg entlang der Tierpark-Gewässer führt fast ausschließlich durch den Schatten – ein Glück an einem heißen Morgen wie dem am Dienstag. „Wir hatten schon überlegt, die Führung um sieben Uhr zu starten, aber das wäre unmenschlich gewesen“, scherzt der Tierexperte und fragt, ob passionierte Angler unter den Sommertour-Teilnehmern seien. Der Grund: Mit Fischen kennt sich der Mitte-30-Jährige nicht so besonders gut aus, weiß aber, welche Karpfen wo in welchen Wassern im Park schwimmen, wo sich die Aale am wohlsten fühlen und welche Fischarten sonst noch im Park sind. Nur der Graskarpfen, sagt er, sei künstlich in den Tierpark gekommen, alle anderen Fische hätten sich ihren Weg dorthin auf natürliche Weise gebahnt.

Die Tiger sind, neben den Erdmännchen, auch für die LR-Sommertourteilnehmer ein Höhepunkt. Passieren könne den Tierpflegern im Tigergehege fast nichts. Das Gehegesystem sei ausgeklügelt, es könne so gut wie nicht vorkommen, dass Tiger und Mensch ungewollt gleichzeitig im Gehege seien. Die Stromlitzen, der nach oben gebogene Zaun, sie alle dienen der Sicherheit, damit die Tiger nicht doch plötzlich frei im Tierpark umherstreifen. Die meisten Zäune allerdings seien vor allem ein Schutz für die Tiere – nicht selten seien Besucher der Meinung, das eine oder andere Gehege betreten zu müssen, sagt Bartosz Lysakowski.

Ein kleines Abenteuer erleben die Sommertourteilnehmer kurz vor Schluss der Tour durch den Park. Auf einem eigentlich nicht zugänglichen Weg gibt es einen erstklassigen Blick auf die Marabus, riesige kahlköpfige Schreitvögel mit ebenso riesigen Schnäbeln. Einer dieser Vögel hat sich offenbar von dem ungewohnten Besuch gestört gefühlt, hackte mit ordentlicher Kraft gegen das Eisengitter, an dem die neugierigen Tourteilnehmer sich positioniert hatten. Ein wenig Nervenkitzel war damit auch Teil der zweiten Cottbuser LR-Sommertour.

Die Teilnehmer sind sich einig: „Das war sehr interessant“, sagt Hans-Jürgen Richter, der mit seiner Frau Heidi, dem zehnjährigen Mads und dem 13-jährigen Ben in den Park gekommen war. „Wenn keine Fragen mehr sind ...“, sagt Lysakowski – von denen haben die Sommertour-Teilnehmer aber auch nach 90 Minuten geballter und spannender Zoologie und Gewässerkunde noch einige.

Rundschau-Sommertour im Cottbuser Tierpark
Rundschau-Sommertour im Cottbuser Tierpark FOTO: LR / Daniel Schauff