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| 19:25 Uhr

Bilanz zum Storchenjahr
Punktlandung mit dem Probe-Nest

 Die Jungstörche sind jetzt bei Flugübungen zu beobachten. Denn der erste Start in die Winterquartiere steht kurz bevor. In den Nestern um Cottbus werden seit Jahren immer weniger Rotstrümpfe groß.
Die Jungstörche sind jetzt bei Flugübungen zu beobachten. Denn der erste Start in die Winterquartiere steht kurz bevor. In den Nestern um Cottbus werden seit Jahren immer weniger Rotstrümpfe groß. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Um Cottbus sind in diesem Sommer wieder mehr Störche groß geworden. Die Zahl der Großvögel ist aber schon seit Jahren rückläufig. Von Marion Hirche

Die Lausitzer Jungstörche, gut zu erkennen am noch schwarzen Schnabel, starten die ersten Flugversuche. Da gibt es für glückliche Beobachter auch Momente zum Schmunzeln. Das bestätigt Kathrin Schwella aus Dissen. „Über unserem Kräutergarten kreisten zwölf  Jungstörche, die das Gleiten geübt haben. Das ist schon etwas  Besonderes“.

Dissen ist auch in diesem Jahr wieder das Storchendorf der Region Cottbus-Land. „Hier waren sechs Nester besetzt. Zehn Jungstörche sind aufgewachsen, im vergangenen Jahr waren es elf“, berichtet Elke Schmett von der Dissener Gäste-Information. Bemerkenswert sei, dass die Langschnäbel scheinbar genau wissen, wo der Dissener Storchenexperte wohnt.

Fritz Jurisch hat in den vergangenen Jahrzehnten die Storchenstatistik geführt, bei unzähligen Führungen über das Leben der Großvögel informiert. Jetzt ist der regelmäßige Dorfrundgang für den Storchenvater zu beschwerlich geworden – die Störche sind zu ihm gekommen: Auf dem Nest an seinem Haus haben sie gebrütet. Die einzigen Drillinge von Dissen sind hier flügge geworden.

Siegbert Budischin, Landwirt in Müschen und erfolgsverwöhnt, muss für diesem Storchensommer konstatieren: „Wir haben leider nur zwei belegte Nester mit drei Jungen.“

Auch Werner Richter vom Naturschutzverein Kolkwitz muss bestätigen: Es sind weniger Störche da. „Seit wir Aufzeichnungen in unserem Weißstorch-Projekt machen, hatten wir pro Jahr durchschnittlich 17 Junge. In diesem Jahr sind es nur zwölf. Dazu kommen noch sechs Abwürfe – unter anderem in Dahlitz und Kolkwitz“. Die Storchen-Eltern stoßen naturgemäß die schwächsten Jungen aus dem Nest, wenn sie den Nachwuchs nicht komplett durchbringen können. Die extreme Trockenheit erschwert die Nahrungssuche.

In der Großgemeinde Kolkwitz sind neun Nester besetzt. Leer geblieben sind die Horste in Eichow, Limberg, Milkersdorf und Kunersdorf. In Zahsow indes sind drei junge Rot­strümpfe groß geworden.

Peter Domke, der Storchenbeauftragte für das Territorium Cottbus-Land, stellt fest: „Dieses Storchenjahr läuft nicht rund. Wir haben 88 Jungtiere. Das ist nicht so schlecht. Aber die Zahl der Störche ist schon seit vielen Jahren rückläufig. Vor zehn Jahren hatten wir noch 124 Jungstörche“.

Weniger Insekten, trocken fallende Feuchtwiesen, der Kulturwechsel zu Sonnenblumen und Mais, kleinere Blühstreifen als zuvor und damit rückläufiges Nahrungsangebot seien Ursachen für die Negativentwicklung. In Guhrow und Briesen wurden die Jungstörche in diesem Sommer abgeworfen. „Da war vermutlich das Futterangebot nicht ausreichend“, sagt der Naturfreund. Trotzdem bleibt er optimistisch, dass der Storch der Lausitz als typischer Großvogel und Wappentier  treu bleiben wird. Das macht Peter Domke auch an einem Phänomen fest, das derzeit in Werben zu beobachten ist: Hier bauen gerade zwei Störche an einem Nest. Sehr spät.

Doch Domke klärt auf: „Das ist ganz normal. Das sind Jungstörche, die erst nach drei Jahren geschlechtsreif werden und jetzt schon mal Probenester errichten. Das beobachten wir. Und wir nutzen diese Versuche, um dann Neststandorte für 2020 vorzubereiten.“

Neue Horste sollen in Krieschow, Wiesendorf und Papitz angelegt werden. In Laubst hat diese Taktik bereits funktioniert: „Vor vier Jahren wurde hier ein Probenest von den Störchen angelegt. Dort haben wir eine Nesthilfe angeboten. Seit drei Jahren kommen die Adebare nun hierher“.

Dann hat Peter Domke noch einen Tipp: In Burg an der Byhleguhrer Straße und am Ortseingang Schmogrow sind Nester mit vier Jungen zu sehen. Diese Quartetts sind selten geworden.

In den nächsten drei Wochen starten die Jungstörche zum Flug in die Winterquartiere über den Bosporus bis in den Süden Afrikas. Die Eltern folgen zwei Wochen später auf den einen Monat andauerden Flug.