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Pücklers Tempel der Religionen

Der Branitzer Park im Winter. Im Vordergrund die Ägyptische Brücke mit dem Davidstern im Geländer und dahinter die Landpyramide. Archivfoto: H.-Jürgen Hennig
Der Branitzer Park im Winter. Im Vordergrund die Ägyptische Brücke mit dem Davidstern im Geländer und dahinter die Landpyramide. Archivfoto: H.-Jürgen Hennig FOTO: H.-Jürgen Hennig
Cottbus „Pückler als Weltenbürger – seine Reise durch die Religionen“ – das Thema sorgte für einen vollen Saal im Besucherzentrum auf dem Gutshof Branitz. Und Elisabeth Pieplow, Absolventin der Universität Potsdam und Referendarin am Ludwig-Leichhardt-Gymnasium, erfüllte die Erwartungen der Zuhörer nicht nur, sondern übertraf sie noch. Von Ulrike Elsner

Die gebürtige Cottbuserin, die in Willmersdorf aufgewachsen ist, hatte sich in ihrer Masterarbeit Pücklers Verhältnis zu den Religionen gewidmet und konnte mit einer Erkenntnis selbst manchen Experten verblüffen.

So räumte die 25-jährige Historikerin am Mittwochabend in Branitz auf mit dem Missverständnis, Hermann Fürst von Pückler-Muskau sei während eines Budapest-Aufenthaltes im Jahr 1839 zum Katholizismus konvertiert. Seit der Pückler-Biografie von Ludmilla Assing, einer Zeitgenossin des Fürsten, hatte sich diese Legende fortgesetzt.

Die Gegenargumente der jungen Historikerin überzeugten: Erstens habe Pückler einen solchen Schritt in den Briefen an Fürstin Lucie nie erwähnt. Vor allem aber sei der Ablauf seiner Beisetzung mit dem Katholizismus unvereinbar. So wurde die Trauerrede von Heinrich Christian Ebeling, Pfarrer der evangelischen Oberkirche, gehalten. Noch heute kann man Pücklers Eintrag im Totenregister der Cottbuser Oberkirche nachlesen.

Der Historiker Volkmar Herold, lange Zeit bei der Stiftung Park und Schloss Branitz tätig, unterstützte die These der Referentin. Es gebe einfach zu viele Belege, die dafür sprechen, dass er nicht konvertiert ist, und keinen dagegen. Wenn so etwas in Budapest geschehen wäre, so Herold, "wäre das ein offizieller Akt gewesen". Ein Hinweis darauf finde sich aber nirgends. Allerdings hegte Pückler große Sympathien für den Katholizismus. "Bei all seinen Vergleichen zwischen Protestantismus und Katholizismus", hat Elisabeth Pieplow festgestellt, "schnitt der Katholizismus besser ab."

Pückler hat sich ein Leben lang mit den Religionen beschäftigt. Seine Reisen waren die Basis für seine Auseinandersetzung damit. Die Reise nach England, Wales und Irland von 1826 bis 1828 ebenso wie die Orientreise 1835 bis 1839. Dort war Pückler zwei Jahre lang Staatsgast des ägyptischen Herrschers Mehemed Ali. Hier hatte er viel Zeit und Gelegenheit, den Islam zu studieren. Auch mit dem Judentum hat sich Pückler intensiv beschäftigt.

Das Ergebnis aller Studien ist kein Entweder-Oder. In seinem Alterswerk hat alles seinen Platz. "Mit Branitz baute Pückler seinen Tempel der Religionen", fasste die Referentin zusammen.

Ein Gedanke von großer Aktualität, wie es Christian Friedrich, Historiker bei der Stiftung Branitz, als Fazit des Abends formulierte. Elisabeth Pieplow hatte zuvor noch Belege für dieses Miteinander der Religionen geliefert. So findet sich mit der Mondstele der islamische Halbmond auf dem Mondberg, während vom Heiligen Berg mit dem Kruzifix das wichtigste christliche Symbol grüßt. Und das Geländer der Ägyptischen Brücke nimmt mit dem Davidstern das Symbol des Judentums auf.

Aber damit nicht genug. Mit der Linde am Tumulus habe Pückler dem Park ein heidnisches Symbol hinzugefügt, ergänzte Pücklerkennerin Anja Rolland in der Diskussion. Und die Ethnologin Dr. Kerstin Volker-Saad verwies mit Pücklers pharaonischem Grabmal auf eine weitere Facette.

"Der Fürst hat in Branitz nichts dem Zufall überlassen", betonte Elisabeth Pieplow am Ende ihres Vortrags - und erntete auch dafür uneingeschränkte Zustimmung.

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