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| 02:33 Uhr

Pücklers Baumuniversität wächst

karola Weber ist Volontärin für gartendenkmalpflege im Branitzer Park. Sie verschneidet die Setzlinge der Grau-Pappeln. Parkleiter Claudius Wecke gibt ihr dabei HInweise.
karola Weber ist Volontärin für gartendenkmalpflege im Branitzer Park. Sie verschneidet die Setzlinge der Grau-Pappeln. Parkleiter Claudius Wecke gibt ihr dabei HInweise. FOTO: cfh1
Cottbus. Im Branitzer Park ist Pücklers Baumuniversität wieder auferstanden. Dabei übersetzen die neuen Parkwächter die alte Idee des Fürsten in die neue Zeit. Sie wollen damit besondere Gehölze genetisch identisch vermehren. Peggy Kompalla

Auf einem historischen Parkplan aus dem Jahr 1853 ist sie vermerkt - die Baumuniversität. Sie grenzt direkt an den Gemüsegarten in der Gärtnerei. An dieser Stelle gibt es nun wieder ein Feld, das als Baumuniversität dient. 120 Grau-Pappel-Setzlinge recken sich dort in den Winterhimmel. Die Szenerie wirkt unspektakulär, der Park beschreitet damit aber einen neuen Weg der Gehölzverjüngung und führt damit die ursprüngliche Universitäts-Idee Pücklers weiter.

"Die Qualität der Bäume steigt, je öfter sie verpflanzt werden", erklärt Parkleiter Claudius Wecke. Das ist leicht an den Preislisten der Baumschulen abzulesen. Deshalb hatte der Fürst dereinst die Idee, Großbäume in der Baumuniversität vorübergehend einzuschlagen. Markante Bäume konnten sich so an Klima und Standort gewöhnen, bevor sie an ihren eigentlichen Platz im Park kamen. Das machte sie widerstandsfähiger, sie wuchsen besser.

"Pückler hatte Jahre zuvor einen großen Fehler begangen", erzählt der Parkleiter. "Zur Gestaltung des Muskauer Parks hatte er 2000 Bäume aus Branitz und dem heutigen Spree-Neiße-Kreis verpflanzt. Doch als er Muskau verkaufen musste und in Branitz neu anfing, stand er praktisch vor dem Nichts. Alle ansprechenden Bäume standen jetzt in Muskau."

Das war des Parkgestalters Supergau. Davor fürchtet sich auch die heutige Gärtnergeneration, selbst wenn keiner auf die Idee käme, Bäume aus Branitz zu verhökern. Aber in einer Zeit, in der Pflanzenkrankheiten auf dem Vormarsch und Stürme keine Seltenheit sind, steigt das Risiko, dass der besondere Baumbestand Schaden nimmt. Dazu kommt das Alter.

Deshalb ist in Branitz die Idee gewachsen, von den parkprägenden Bäumen genetisch identischen Nachwuchs zu züchten. "Damit erhalten wir die Vorzüge des Mutterbaums", erklärt Wecke. Das beziehe sich nicht allein auf die klimatische Anpassung, sondern insbesondere auf Wuchsformen, Farbeigenschaften oder Rindenbeschaffenheiten, die Baumschulen nicht bieten können.

Der Anfang ist gemacht. Als Mutterbaum diente die Grau-Pappel zwischen Heiligem Berg und Schilfsee. "Das ist ein Solitär und die schönste Grau-Pappel aus Pücklers Zeit", schwärmt Wecke. Von ihren Wurzeln wurden Austriebe entnommen und in die Baumuniversität gesetzt. In den nächsten Jahren werden aus den 120 Setzlingen die besten selektiert. "Diese Pappel hat einen markanten trauernden Wuchs, den sie allerdings erst nach fünf, sechs Jahren zeigt", erzählt Wecke. Auch an der genetisch identischen Vermehrung der Blutbuche am Schloss wird bereits gearbeitet - auch wenn das etwas komplizierter als bei den Pappeln ist. "Unsere Erfahrung hat längst gezeigt, dass heimisches Material viel besser wächst und sogar robuster gegenüber Schädlingen ist."

Die Erfahrung wollen die Branitzer teilen. Deshalb organisiert die Stiftung im April eine zweitägige Tagung mit dem Titel "Wiedergeburt von Baumgiganten", zu der internationales Fachpublikum erwartet wird.