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| 17:39 Uhr

Prozess vor dem Amtsgericht
Geldstrafe für Verursacher von Unfall mit Todesfolge

 Vor dem Amtsgericht Cottbus wurde am Mittwoch ein Prozess wegen fahrlässiger Tötung verhandelt.
Vor dem Amtsgericht Cottbus wurde am Mittwoch ein Prozess wegen fahrlässiger Tötung verhandelt. FOTO: dpa / Volker Hartmann
Cottbus. Das Amtsgericht Cottbus verhandelte am Mittwoch einen Unfall mit tödlichem Ausgang. Der Angeklagte hatte eine rote Ampel überfahren und ein Auto erfasst. Von Liesa Hellmann

„Deinen Schutzengel möchte ich auch haben.“ Mit diesen Worten verabschiedet Richterin Gabriele Brinkmann-Schönfeld einen 13-jährigen Zeugen in einem Prozess am Amtsgericht Cottbus am Mittwoch. Im Gericht ist man sich einig: Es hätte noch schlimmer kommen können.

Zur Mittagszeit am 7. Mai 2018 ist der damals 69-jährige Heinz S. in seinem VW auf der Bundesstraße 168 von Peitz Richtung Cottbus unterwegs. Auf einer Kreuzung in Höhe von Maust überfährt er eine rote Ampel und rammt einen Pkw, der gerade von Döbbrick kommend links auf die Bundesstraße abbiegt. Beide Fahrzeuge schleudern über die Kreuzung auf einen Fußgängerüberweg zu, wo gerade eine Schulklasse auf Fahrrädern die Bundesstraße überquert. Der Wagen des Angeklagten S. erfasst das Rad des jungen Zeugen, der gerade noch abspringen kann und mit Schürfwunden und Hämatomen davonkommt. Die Fahrerin des kleinen Kia erliegt ihren Verletzungen noch am Unfallort.

Aufprall mit fast 100 Stundenkilometern

S. steht deshalb am Mittwoch wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung, fahrlässigen Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs vor Gericht. An den Hergang könne sich S., der selbst bei dem Unfall verletzt wurde, nicht erinnern, sagt sein Verteidiger. Deshalb zieht das Gericht sieben Zeuginnen und Zeugen sowie einen Sachverständigen der Dekra heran, um das Geschehen aufzuklären.

Mit einer Computersimulation hat er den Hergang rekonstruiert. Demnach hatte der VW bereits 8,5 Sekunden Rot, als er auf der linken Fahrspur auf die Kreuzung einfuhr. Mit einer Geschwindigkeit von mindestens 96 Kilometern pro Stunde sei er auf den abbiegenden Kia aufgeprallt, der grünes Licht hatte. Als die Ampel von Gelb auf Rot umsprang, sei S. noch etwa 240 Meter von der Kreuzung entfernt gewesen. „Die Vermeidbarkeit war für Herrn S. zweifelsfrei gegeben“, so der Gutachter.

Diese Chance hatte die Fahrerin des Kia nicht. Da auf der rechten Fahrspur der B168 Autos an der Ampel warteten, konnte die Fahrerin den herannahenden VW nicht sehen.

Staatsanwalt fordert Freiheitsstrafe

Warum der Angeklagte S. Verkehrsschilder und Fahrbahnaufschriften übersah, außerdem die rote Ampel, die bereits dort wartenden Autos und die Kindergruppe, kann nicht geklärt werden. Während die Staatsanwaltschaft von einem „rücksichtslosen Verhalten“ ausgeht und neun Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu zwei Jahren Bewährung, fordert, glaubt der Anwalt von S. nicht an einen Vorsatz. Er plädiert für eine Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen für seinen Mandanten, schließlich sei S. ein „unbescholtener Bürger“, der bisher auch keine Einträge im Verkehrsregister habe. S. selbst drückt sein Bedauern aus und bittet um Entschuldigung.

Richterin Brinkmann-Schönfeld betont die Schwierigkeit, eine angemessene Strafe festzusetzen, denn „man kann den Menschen nicht wieder lebendig machen“. Sie folgt den Ausführungen der Staatsanwaltschaft, verurteilt S. jedoch zu einer Strafe von 150 Tagessätzen zu je 30 Euro, Führerscheinentzug sowie zu einer zehnmonatigen Sperre, bis S. eine neue Fahrerlaubnis beantragen kann. S. sei das erste Mal strafrechtlich in Erscheinung getreten, und bereue die Tat, so die Richterin in der Urteilsbegründung.