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| 16:34 Uhr

Verhandlung am Landgericht
Kokain im Flurschrank versteckt

Beschuldigter in Cottbuser Prozess um Drogenhandel widerspricht der Anklage.

Ein 45-jähriger Mann gibt einen Flurschrank in seiner Wohnung als Drogendepot für einen Freund her, wofür er sich aus dem reichhaltigen Vorrat an Kokain bedienen darf. Diese Version schilderte der Angeklagte Ronny N. aus Cottbus am Donnerstag vor dem Landgericht.

Die Anklage wirft ihm vor, er habe illegal Betäubungsmittel in seiner Wohnung gelagert, um diese gewinnbringend weiter zu verkaufen. Der Beschuldigte stellt den Konflikt anders dar. Demnach stellte er seine Wohnung als Depot für den Freund zur Verfügung, den er „seit Jahren“ kenne. Zugleich habe er ihn darauf hingewiesen, dass in dieser Wohnung keine Geschäfte stattfinden würden. Dessen eigene Unterkunft sei dafür nicht in Frage gekommen, weil der Freund in einer Pension gewohnt habe. „Ich will das hier gar nicht weiter beschönigen“, heißt es in der persönlichen Erklärung des Angeklagten, die sein Rechtsanwalt Ulrich von Klinggräf vorlas. „Er hatte mir als Gegenleistung für das Einlagern zugesichert, mich am Kokain im Eigenbedarf bedienen zu können.“ Mitunter habe der Beschuldigte wiederum Geld für den Freund in den Schrank gelegt, damit die getroffene Vereinbarung nicht aus dem Ruder laufe. Allerdings habe sich sein Kokainkonsum zugleich von einem Gramm täglich bis auf drei Gramm kurz vor seiner Festnahme im Januar 2019 gesteigert. „Ich denke, dass es wohl notwendig gewesen ist, mir durch die Haft den Konsum unmöglich zu machen“, stellte der Beschuldigte fest. Seine Situation vor der Festnahme schilderte er so: „Wenn ich nicht arbeiten war, hing ich nur noch zu Hause herum, wo ich Drogen konsumierte.“ Dazu habe auch Haschisch und Marihuana gezählt. Die Arbeit sei sein „letzter Halt“ gewesen.

Offene Fragen um das Geld

Laut der Anklage fanden Polizeibeamte in seiner Wohnung mehr als 200 Gramm Kokain, weitere Drogen und 5121 Euro in bar. „Das Geld in der Holzbox gehörte mir“, erklärte er. Es stamme unter anderem aus einer Sonderzahlung für Bauprojekte, an denen er mitgearbeitet habe.

Für den Vorsitzenden Richter Frank Schollbach bleiben nach der Erklärung des Angeklagten entscheidende Fragen offen. Aus dessen Worten ergebe sich, dass er bis zu 15 Gramm Kokain in der Woche konsumiert habe, hielt ihm der Richter vor. Diese Menge entspreche einem Preis von 1200 Euro, auf den Monat gerechnet also um die 5000 Euro. „Wie haben Sie das bei einem Lohn finanziert, der knapp über 1000 Euro lag?“, fragte der Richter. Eine klare Antwort erhielt er nicht.

Der Prozess geht in der nächsten Woche mit Zeugenaussagen weiter. Der vermeintliche Freund des Beschuldigten will voraussichtlich von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen.