Pendler standen in Cottbus lange Zeit vor einem Problem. Wer frühmorgens sein Auto am Cottbuser Bahnhof abstellen wollte, der musste entweder sehr zeitig da sein. Oder Glück haben. Denn die Parkflächen waren rar. Der neue Parkplatz auf dem Gelände des ehemaligen Postverteilerzentrums an der Vetschauer Straße ist zwar derzeit eine Alternative. Doch auch dort wird es mitunter ziemlich eng.

"Diese Situation verschärft sich noch, wenn erst einmal der östliche Parkplatz zum zentralen Verkehrsknotenpunkt ausgebaut wird", sagt Dieter Schuster von der Initiative ProTram. Mit einem Schlag fallen dann mehr als 200 Stellflächen weg. Der neu gebaute Parkplatz westlich des Bahnhofs werde das nicht kompensieren können.

Doch ProTram ist dagegen, dass die Stadt einen zusätzlichen Parkplatz oder gar ein Parkhaus baut. Stattdessen plädiert die Initiative dafür, die verschiedenen Freiflächen im Stadtgebiet zu nutzen, um ein funktionierendes Parken+Reisen-System (P+R) aufzubauen. Pendler könnten dann ihr Fahrzeug abstellen und mit Bus oder Straßenbahn zum Bahnhof fahren.

Derzeit gibt es laut ProTram zwar schon einige P+R-Parkplätze. Diese würden aber noch zu wenig genutzt. "Vermutlich ist den Autofahrern das ÖPNV-Angebot einfach zu dünn", sagt Dieter Schuster. Das könnte sich aber schon ändern, wenn die Bahnhofsschleife einmal fertig ist. Die Wege zwischen Bus/Tram und Zug würden sich dann deutlich verkürzen. Noch wirksamer wären aber kürzere Fahrtzeiten für Bus und Tram. Das könnte laut Schuster durch eine konsequente Vorrangschaltung für den ÖPNV erreicht werden. Kürzere Taktzeiten würden dem Ziel natürlich auch dienen, so Schuster.

Darüber hinaus hat ProTram die vorhandenen Park- oder Freiflächen in der Stadt untersucht und daraus eine Liste mit Vorschlägen für P+R-Plätze erarbeitet. Das System funktioniere aber nur, wenn diese zusätzlichen Abstellflächen nicht durch Anwohner blockiert werden, sondern zumindest tagsüber ausschließlich den Pendlern zur Verfügung stehen. Vor allem bei relativ kleinen P+R-Flächen sei das wichtig.

Für Schuster und ProTram hätte ein funktionierendes P+R-System in der Stadt gleich aus mehreren Gründen Charme: Die Stadt wäre umweltfreundlicher und staubfreier. Und außerdem würde die chronisch leere Stadtkasse davon profitieren, wenn mehr Fahrgäste den öffentlichen Personennahverkehr nutzen.

Kommentar: Ein langer Atem