ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:54 Uhr

Verkehrsplanung
Tempo 30 für ganz Cottbus

 ProTram schlägt vor in der ganzen Cottbuser Innenstadt die Geschwindigkeit auf 30 km/h zu beschränken. Dies sei ohnehin schon bei der Mehrzahl der Straßen der Fall.
ProTram schlägt vor in der ganzen Cottbuser Innenstadt die Geschwindigkeit auf 30 km/h zu beschränken. Dies sei ohnehin schon bei der Mehrzahl der Straßen der Fall. FOTO: LR / Elisabeth Wrobel
Cottbus. Die Bürgerinitiative ProTram schlägt vor, in der gesamten Innenstadt die Geschwindigkeit zu reduzieren. Die Denkanstöße unterstützt sogar das Umweltbundesamt. Von Peggy Kompalla

Die Bürgerinitiative ProTram will einen Denkanstoß für mehr Sicherheit im Straßenverkehr liefern. Deshalb schlägt sie vor, in der gesamten Cottbuser Innenstadt die Geschwindigkeit auf 30 Kilometern pro Stunde zu beschränken. Die bestechende Logik: Auf den wenigsten Straßen in dem Bereich zwischen Mittlerem Ring, Spree und Bahnhof (siehe Grafik) ist Tempo 50 erlaubt. Dieter Schuster von ProTram kennt den Reflex: „Die Idee wird erst einmal nicht gut ankommen. Aber wir wollen das Thema gern diskutieren.“ Denn die Argumente liegen auf der Seite von ProTram. Sogar das Umweltbundesamt unterstützt diese Denkanstöße.

„Haupteffekt wären weniger Unfälle“

„Der Haupteffekt wären deutlich weniger Unfälle“, erklärt er. So rechnet er vor, dass ein Fahrzeug bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h einen Bremsweg von 25 Metern benötige. Bei 30 km/h reduziere der sich auf neun Meter. „Damit wird der Bremsweg mehr als halbiert.“ Das bedeutet mehr Sicherheit für Fußgänger, Radfahrer und andere Fahrzeuge. „Die Schwere der Unfälle wird deutlich reduziert, weil die Autofahrer viel aufmerksamer sind und schneller reagieren können.“ Dem Bundesamt für Statistik zufolge haben sich im Jahr 2017 in dem begrenzten Innenstadtbereich (Grafik) insgesamt 52 Verkehrsunfälle ereignet, wobei sechs Menschen schwer verletzt und zwei sogar getötet wurden.

Schon viele Tempo-30-Zonen

In Cottbus sei die Geschwindigkeit bereits auf der Mehrzahl der Straßen in der Innenstadt beschränkt – entweder ständig oder zeitlich begrenzt. „Die Autofahrer müssen sich also immer wieder auf neue Geschwindigkeiten einstellen“, argumentiert Schuster und schiebt nach: „Selbst die Stadt kommt da offensichtlich durcheinander.“ Er hat auch gleich ein paar Beispiele parat. „Am südlichen Ende der Gertraudtenstraße fehlt das Schild für die 30er-Zone. Ein Kraftfahrer kann also durch die Mühlen- und Neustädter Straße mit 50 km/h über den Altmarkt fahren – ohne Sanktionen fürchten zu müssen.“ Auf der kurzen Carl-von-Ossietzki-Straße kann mit 50 km/h zwischen zwei Straßen mit Tempo 30 gefahren werden, genauso verhalte es sich mit der Goethestraße. „In der bebauten Lieberoser Straße gilt Tempo 50, auf der unbebauten Jämlitzer Straße Tempo 30“, sagt Dieter Schuster und hat noch ein Beispiel: „Auf der August-Bebel-Straße gilt 50 km/h, obwohl auf fast allen gleichberechtigten Straßen die Geschwindigkeit auf 30 km/h begrenzt ist.“

Weniger Feinstaub

Neben der höheren Sicherheit würde die Geschwindigkeitsbeschränkung zu einer geringere Feinstaub- und Schadstoffbelastung führen. Dazu kommt noch die geringere Lärmbelästigung. Knackpunkt ist aus Sicht von Dieter Schuster allerdings die verlängerte Fahrzeit. „Wir haben das mal ausprobiert: Auf der Strecke von der Straße der Jugend über den Brandenburger Platz bis zur Pappelallee – also den Mittleren Ring – bedeutet das einen Zeitverlust von anderthalb Minuten.“

Genau diesen Punkt sieht auch Cottbusverkehr kritisch. Unternehmenssprecher Robert Fischer erklärt: „Grundsätzlich sind wir für alle Anregungen dankbar, die zu einem attraktiveren ÖPNV führen.“ Allerdings müssten sich Bus und Straßenbahn in dem Moment auch der Geschwindigkeit anpassen. „Auch wir würden langsamer werden. Das bedeutet Fahrplananpassungen. Im ungünstigsten Fall müssten wir sogar mehr Fahrzeuge einsetzen“, ergänzt er. „Tempo 30 würde uns nicht in dem Maße stärken, wie es wünschenswert wäre.“

Überwiegend positive Wirkungen

Das Umweltbundesamt schreibt in einer Publikation zum Thema: „Nach jetziger Erkenntnislage haben die bestehenden Tempo-30-Regelungen an Hauptverkehrsstraßen überwiegend positive Wirkungen. Den vorliegenden Begleituntersuchungen zufolge, gibt es in den meisten Fällen Gewinne bei Verkehrssicherheit, Lärm- und Luftschadstoffminderung und bei den Aufenthaltsqualitäten – gleichzeitig wird die Auto-Mobilität nicht übermäßig eingeschränkt. Es gibt also gute Gründe, Tempo 30 an weiteren Hauptverkehrsstraßen einzuführen.“ Eine Senkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit habe in den meisten Fällen keinen nennenswerten Einfluss auf die Leistungsfähigkeit einer Hauptverkehrsstraße für den Kfz-Verkehr. Allerdings müsse dies im Einzelfall geprüft werden.

Dieter Schuster sinniert: „Einen Modellversuch in Cottbus wäre das allemal wert.“