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| 02:34 Uhr

ProTram fordert Planung an der CTK-Schleife

Cottbus. Die Fahrgastvertreter von ProTram setzen auf die Verlängerung des Straßenbahnnetzes. Cottbusverkehr müsse die Planung durch die Spremberger Vorstadt zum Carl-Thiem-Klinikum fortsetzen. Der Hintergedanke: Mit der Schleife wäre auch die Linie 1 gerettet. Peggy Kompalla

Für ProTram ist die Erweiterung des Straßenbahnnetzes nur folgerichtig, auch wenn derzeit die Aussichten auf Fördergeld vom Land für den Streckenbau äußerst gering sind. "Die Planungen sollten unbedingt fortgesetzt werden", betont Dieter Schuster von ProTram. "Denn wie läuft es manchmal in der Praxis?", fragt er und gibt selbst die Antwort: "Plötzlich sind anderswo geplante und bestätigte Mittel frei, weil sie nicht ausgeschöpft werden können. Und wenn dann ein fertiges Projekt vorliegt, kann der Bau sofort beginnen." Das wäre nicht das erste Mal, sagt Dieter Schuster: "Nach unserer Kenntnis ist der Ausbau der Bahnstrecke zwischen Lübbenau und Königs Wusterhausen auf diese Weise zustande gekommen."Ein externes Gutachten aus dem Jahr 2010 hatte gezeigt, dass eine eingleisige CTK-Schleife (siehe Grafik) durch die Spremberger Vorstadt ein deutliches Plus an Fahrgästen für den kommunalen Verkehrsbetrieb bedeuten würde. Das bestätigt auch Jörg Reincke, Geschäftsführer von Cottbusverkehr. "Das wäre ein profitable Linie." Denn für die immer älter werdende Bevölkerung wird der öffentliche Nahverkehr immer attraktiver.

Trotzdem hat für das städtische Verkehrsunternehmen zunächst ein anderes Projekt Vorrang: Der Umbau des Bahnhofsvorplatzes zum Verkehrsknoten. Dort sollen sich künftig Bahn, Straßenbahn, Bus und Auto treffen und somit einen schnellen und bequemen Umstieg bieten. Auch das ist für Cottbusverkehr von Vorteil: Berechnungen zufolge bedeutet das ein Plus von täglich 200 Fahrgästen für Bus und Straßenbahn. Auf der Einnahmenseite entspricht das einem Zuwachs von rund 24 000 Euro im Jahr. Doch zunächst muss in das Bahnhofsumfeld ordentlich investiert werden. Dafür sind rund acht Millionen Euro veranschlagt.

"Es ist illusorisch mit zwei großen Projekten beim Land vorzusprechen", erklärt Reincke. Das bedeute jedoch nicht, dass die CTK-Schleife in der Schublade verschwunden ist. "Das ist eine mittelfristige bis langfristige Planung." Die Erweiterung des Straßenbahnnetzes würde nach ersten Schätzungen rund 6,3 Millionen Euro kosten. Das Brandenburger Infrastrukturministerium hat jedoch unmissverständlich erklärt, dass es derzeit kein Geld für derartige Pläne geben wird. Bislang hat die Stadt Cottbus noch nicht einmal eine Fördergeld-Zusage für den Umbau des Bahnhofsvorplatzes. Ursprünglich sollte der schon im Jahr 2014 fertig sein.

ProTram begrüßt derweil den Umbau des Bahnhofsvorplatzes. Hat aber ein wesentliches Problem: In den Planungen fehlt eine Weiche für den Streckenteil der Linie 1 vom Bahnhof zur Jessener Straße. Das rund eine halbe Million Euro teure Bauteil soll erst eingebaut werden, wenn es das Okay für die CTK-Schleife gibt. Die Aussichten dafür sind wie beschrieben bisher verschwindend gering.

"Wir meinen, dass die Weiche eingebaut werden sollte", betont Schuster von ProTram. "Denn sie ist eine Voraussetzung für den späteren Bau der CTK-Schleife." Zudem würde die holprige Vetschauer Straße entlastet und die Fahrgastzahlen würden wieder steigen.

Die Linie 1 steht wegen ihrer geringen Auslastung zur Disposition. Cottbus entwickelt ein Drei-Linien-Netz für die Stadt. Nichtsdestotrotz geht die Linie 1 im Herbst nach Ende der Bauarbeiten in der Bahnhofstraße wieder auf die Schiene - vermutlich bis zum Baustart auf dem Bahnhofsvorplatz.

Zum Thema:
ProTram weist darauf hin, dass das Gutachten für die CTK-Schleife einen Nutzen-Kosten-Faktor von 2,82 ausweist. Der volkswirtschaftliche Nutzen ist also 2,82-mal höher als die Kosten. Zum Vergleich: Dem Verkehrsclub Deutschland zufolge liegt der Nutzen-Kosten-Faktor für Stuttgart 21 bei 0,75.