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| 19:14 Uhr

„Straßenbahn statt Dieselwahn“
Bahnfahrer protestieren für Erhalt der Cottbuser Linie 1

Mitarbeiter von Cottbusverkehr demonstrieren am Mittwoch für den Erhalt der Straßenbahnlinie 1.
Mitarbeiter von Cottbusverkehr demonstrieren am Mittwoch für den Erhalt der Straßenbahnlinie 1. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Die Cottbuser Stadtparlament-Fraktionen von CDU und SPD bekennen sich zur Tram. Alt-Schmellwitzer sehen Problem als hausgemacht an und fordern Verbesserungen. Von Peggy Kompalla

Die Abgeordneten sind am Mittwoch kurz vor der Sitzung des Stadtparlaments von Cottbusverkehr-Mitarbeitern empfangen worden. Sie protestierten gegen die Einstellung der Linie 1 nach Alt-Schmellwitz, die im Zuge der Haushaltsdebatte von der Verwaltung in Frage gestellt wurde. Von der Politik gab es dagegen mehrere Bekenntnisse.

Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) war auf dem Weg zur Sitzung als dann doch zum Mikrofon griff und zu den Mitarbeitern des städtischen Verkehrsbetriebes sprach. Er versicherte: „Ich habe die Botschaft verstanden.“ Auf den Schildern der Protestler stand unter anderem: „Straßenbahn statt Dieselwahn“ und „Ausbau statt Rückbau – attraktiver ÖPNV“.

Der Cottbusverkehr-Betriebsratsvorsitzende Wilfried Kaul betonte: „Die Einstellung der Linie 1 hätte nicht etwa zur Folge, dass der Verkehr billiger, sondern teurer wird.“ Denn die Fahrgäste müssen trotzdem befördert werden. Diese Entscheidung hätte zudem Auswirkungen auf den Fahrzeugeinsatz und damit auch den Beschäftigungsschlüssel. „Das größte Problem ist aber doch, dass unsere Fahrgäste darunter leiden würden. Wir müssen vielmehr den Nahverkehr attraktiver machen“, forderte der Betriebsrat.  Verdi-Gewerkschaftssekretär Lutz Modrow erinnerte zudem an den Umweltaspekt, wenn künftig Dieselbusse die Straßenbahn-Strecke bedienen. „Wir wollen alle saubere Luft. Das passt doch alles nicht zusammen.“

Aber nicht nur beim betroffenen Verkehrsbetrieb selbst regt sich Protest. In Alt-Schmellwitz tauchte dieser Tage an mehreren Haltestellen ein Schreiben auf. Ein unbekannter Autor klärt darin die Bürger über die Sparpläne der Stadtverwaltung auf. Gleichzeitig kritisiert er, dass die geringe Auslastung der Linie hausgemacht sei und durch bessere Taktung und Anschlüsse deutlich verbessert werden könne.  

Während der Haushaltsdebatte im Stadtparlament am Mittwochnachmittag betonte Hagen Strese (CDU) im Namen seiner Fraktion: „Mit uns wird es keine Einschränkung der Straßenbahn geben. Wir haben vor sechs Jahren für den Erhalt aller Linien gekämpft und wiederholen dies.“ Vielmehr sollte Cottbus das Straßenbahnnetz erweitern – in Richtung Ostsee. Zuvor hatte sich bereits die SPD zum Erhalt aller Linien bekannt.

Im am Mittwoch verabschiedeten Haushaltsicherungskonzept für die kommenden Jahre ist nun nur noch von der „Optimierung der Linienführung und Taktung“ statt der „Neustrukturierung der Linienführung“ die Rede.