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| 02:33 Uhr

Protest am Kolkwitzer Bahnhaltepunkt

Seit einem Jahr werden die Haltepunkte Raddusch, Kolkwitz und Kunersdorf tagsüber nicht mehr vom Regionalexpress angefahren. Daran erinnern jetzt Kreuze am Kolkwitzer Haltepunkt.
Seit einem Jahr werden die Haltepunkte Raddusch, Kolkwitz und Kunersdorf tagsüber nicht mehr vom Regionalexpress angefahren. Daran erinnern jetzt Kreuze am Kolkwitzer Haltepunkt. FOTO: Marion Hirche/jul1
Kolkwitz. Mit Sarg-Attrappen haben die Kolkwitzer genau vor einem Jahr dagegen protestiert, dass der RE 2 an den Haltepunkte Kolkwitz, Kunersdorf und Raddusch nur noch morgens und abends stoppt. In dieser Woche nun wurden Grabkreuze errichtet. Annett Igel-Allzeit

Seit einem Jahr fährt der Regionalexpress zwischen Cottbus und Berlin tagsüber an Kolkwitz, Kunersdorf und Raddusch vorbei. Die Bahnreisenden, darunter viele Pendler, müssen seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 in Vetschau auf den Schienenersatzverkehr umsteigen, wenn sie nach Kolkwitz wollen. Doch während der Zug zwischen beiden Orten knapp acht Minuten braucht, werden es im Bus über 40 Minuten.

Die Streichung der drei Lausitzer Halte tagsüber begründet die Bahn damit, dass sie die Zugverspätungen in Grenzen halten will: Wegen Baumaßnahmen auf der Strecke zwischen Berlin und Dresden müssen für die Durchfahrt des RE 2 in der Hauptstadt vier Minuten eingespart werden.

Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) hatte den Kolkwitzern und Radduschern in Aussicht gestellt, dass die Einschränkungen nur vorübergehend seien und die Zeit der Bauarbeiten von 24 Monaten betreffen sollen. Aber nun ist doch kein Ende in Sicht. Alle drei Haltepunkte werden auch im Jahr 2017 abgekoppelt bleiben. Eine Wiedereinbindung der drei Bahnhalte tagsüber steht in den Sternen. Laut Ministerium sei der Fahrplan durch die Einsparung der drei Halte stabilisiert und werde deshalb auch 2017 fortgeführt. Kein Wort mehr von einer Änderung im Jahr 2018.

Gerd Bzdak von der Kolkwitzer Bürgerinitiative will nicht tatenlos warten. "Damit den Verantwortlichen im Land endlich ein Licht aufgeht, haben wir unseren Protest an den Haltepunkten Kolkwitz und Kunersdorf aus Anlass des ersten Jahrestages der Reduzierung der Halte in den Stunden ohne Tageslicht beleuchtet", erklärt er. Gut sichtbar werde der Protest noch bis zum 13. Dezember rund um die Uhr fortgesetzt. Zugleich haben die Bürgerinitiativen Kolkwitz, Kunersdorf und Raddusch am 13. Dezember zu einer gemeinsamen Veranstaltung ins Kolkwitzer Rathaus eingeladen.

Zum Thema "Bürger im Dialog mit Politik und Verwaltung" soll die Situation ab 18 Uhr im Saal des Rathauses kritisch dargelegt werden. Auch Lösungsvorschläge und Forderungen werden erneut besprochen. Aber ob sie diesmal offene Ohren finden? Ulrich Lagemann, Ortsvorsteher in Raddusch, spürt längst, dass Wandergruppen, Radtouristen und Schulklassen, die früher in Raddusch ausgestiegen sind, seinem Ort fehlen. Vorschläge, die die Bürgerinitiativen der Bahn und der Politik unterbreitet haben, verhallten unbeachtet. "Nicht einmal samstags und sonntags sind zusätzliche Halte für Touristen drin", so Lagemann.

Wie Gerd Bzdak betont, sind am 13. Dezember auch alle Bürger eingeladen, ihre Erfahrungen zu schildern und mit den Vertretern des Infrastrukturministeriums, der Kreise Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz, der Gemeindeverwaltungen und mit den Abgeordneten zu diskutieren.