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Promis machen Cottbuser Theatergeschichte lebendig

Simone Ritscher (von rechts), Erika Kerner und Wolfgang John präsentierten ihre Theatergeschichten.
Simone Ritscher (von rechts), Erika Kerner und Wolfgang John präsentierten ihre Theatergeschichten. FOTO: Birgit Mache
Cottbus. Die Cottbuser kennen und lieben ihr Theater und seine Akteure. Diese Erfahrung hat Erika Kerner schon am Tag nach ihrer allerersten Vorstellung in Cottbus gemacht. Dass sich bis zum heutigen Tag daran nichts geändert hat, zeigte die 26. Folge von "Kaffeeklatsch mit Prominenten" am Sonntagnachmittag in der voll besetzten Kammerbühne. Ulrike Elsner

Auch nach neun Jahren erweist sich das Veranstaltungsformat frisch und unverbraucht. Nicht umsonst hatte sich trotz schönsten Frühlingswetters eine große Fangemeinde zum Theatertalk mit Hellmuth Henneberg eingefunden. Enttäuscht wurde wohl keiner. Der Moderator entlockte den Schauspielerinnen Erika Kerner und Simone Ritscher sowie dem Theater- und Kostümplastiker Wolfgang John viel Wissenswertes und manch Amüsantes rund um die Bretter, die Welt bedeuten.

Simone Ritscher war, gemeinsam mit ihrem Mann Hardy Lennardt Krüger, von 1987 bis 1993 in Cottbus engagiert. Ihre erste Rolle war die Belinda in "Nackter Wahnsinn". Es folgten "Der Meister und Margarita", "Die Physiker" und "Die Übergangsgesellschaft". 1992 kündigte der neue Intendant Christoph Schroth dem Schauspieler-Paar Ritscher/Krüger. Der gebürtigen Bautznerin hat das aber nicht geschadet. Bald nach ihrem Weggang aus Cottbus wurde sie fürs Fernsehen entdeckt und ist in vielen Filmen und Serien zu sehen, zuletzt in der ARD-Telenovela "Sturm der Liebe" als Intrigantin Doris van Norden.

Über die Anforderungen an eine Serienschauspielerin sagt Simone Ritscher: "Man muss ganz schnell lernen und schnell vergessen. Und von Folge zu Folge springen, denn eine Chronologie gibt es beim Drehen nicht." Auch komme es vor, "dass man bei minus 21 Grad in Pumps und Sommerkleid auf einem Feld steht. Und trotzdem muss jeder Wimpernschlag stimmen." Die Cottbuser Erfahrungen haben dabei geholfen. "Ob Salonschlampe oder Bauerntrampel, im Osten konnte man sich in alle Richtungen ausprobieren", hat die Schauspielerin festgestellt. "Im Westen wurde mehr nach Typ besetzt." Für die Rolle eines "gut bezahlten Bauerntrampels" würde sie noch mal nach Cottbus kommen, entlockte ihr der Moderator.

Erika Kerner ist nach 1992 in Cottbus geblieben. Allerdings war es nicht leicht, aus der ersten Reihe zurückzutreten. Für die in Ungarn geborene Donauschwäbin, die als Kind nach Dresden kam, war schon mit 16 klar, dass sie Schauspielerin werden wollte. Jetzt liegen 45 Berufsjahre und 200 Rollen hinter ihr. Das Publikum liebt sie bis heute, wie bei einer ihrer letzten großen Rollen in "Sechs Tanzstunden in sechs Wochen" deutlich wurde. Es war wohl Liebe auf den ersten Blick. Denn schon nach ihrer ersten Premiere wurde sie beim Einkauf eines Flaschenöffners erkannt.

Nicht auf, sondern hinter der Bühne hat Wolfgang John sein Berufsleben verbracht. Seit 1970 hat er am Cottbuser Theater eine Vielzahl an Requisiten, Masken, Kostümen und Plastiken angefertigt. Bei den "Spreewälder Sagennächten" war er für die gesamte Ausstattung verantwortlich. Auch nach dem Ende seiner aktiven Theaterzeit gibt er seine Leidenschaft fürs Theater als Dozent an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste weiter. Wie er einen Adler vom zweiten Rang aus segeln ließ oder wie nach seinem Plan in "Ole Bienkopp" drei aufgescheuchte Wildenten über die Bühne flogen, ist für immer Teil der Cottbuser Theatergeschichte.