ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:06 Uhr

Hass im Netz
Mobbing betrifft alle Schulformen

 Bis zu einem Drittel aller Schüler ist  betroffen.
Bis zu einem Drittel aller Schüler ist  betroffen. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Cottbus. Der Verein „Media To Be“ betreibt seit acht Jahren ein deutschlandweit einmaliges Projekt gegen Cybermobbing an Cottbuser Schulen, um Schüler, Lehrer und Eltern zu sensibilisieren. Von Nils Ohl

„Studien zeigen, dass ein Viertel bis ein Drittel aller Schüler von Cybermobbing betroffen sind“, erklärt Tobias Falke. Er ist im Vorstand des Vereins Media To Be (M2B) und hat vor acht Jahren  in Cottbus das Projekt „Cyber-Mobbing – Aufgeklärt!“ ins Leben gerufen.“ In Kooperation mit der BTU nehmen pro Jahr drei bis vier Schulklassen daran teil. Schüler, Lehrer und Eltern sollen damit für das Problem sensibilisiert werden. Inzwischen haben sich über 1000 Schüler und rund hundert Studenten am Projekt beteiligt, es sind über 100 Kurzfilme der Schüler dazu entstanden.

 Tobias Falke zeigte eine DVD mit Filmen, die bei dem Projekt „Cyber-Mobbing – Aufgeklärt!“ entstanden sind.
Tobias Falke zeigte eine DVD mit Filmen, die bei dem Projekt „Cyber-Mobbing – Aufgeklärt!“ entstanden sind. FOTO: LR / Nils Ohl

„Mit seiner Dauer ist das Projekt deutschlandweit einmalig“, sagt Tobias Falke. „Wir konzentrieren uns dabei auf die 7. Klassen, weil das eine Phase besonderer Konflikte ist.“ Die Schüler kommen nach der Grundschule am Gymnasium oder an der Oberschule in neue Klassenverbände, wo sehr verschiedene Gruppen aufeinander treffen. Wobei das Cybermobbing keineswegs auf diese Klassenstufe begrenzt ist.

Die Formen sind vielfältig. Schüler werden in peinlichen Situationen gefilmt oder durch peinliche Kommentare bloßgestellt. Oder kleine mündliche Missverständnisse werden in sozialen Medien zu Dramen aufgepuscht. Es wird über Aussehen, Statur, Haare und Sprachstile von Mitschülern hergezogen – oder über die Marken, die einer trägt oder nicht trägt. Auch der Ausschluss aus dem Klassenchat kann eine Form des Mobbings sein.

Zu Beginn des Projektes waren Facebook oder SchülerVZ noch das übliche Medium für Cybermobbing. Heute läuft fast alles über WhatsApp und Instagram.  „Das macht die Sache noch schwieriger, weil bei Facebook noch von außen eingegriffen werden kann und es eine Meldefunktion gibt“, meint Falke. Was in den geschlossen WhatsApp-Gruppen passiert, sei dagegen von außen nicht mehr einsehbar.

Ein anderes Phänomen sei, dass Opfer später oft selbst zu Tätern werden. Und anders als früher beschränken sich die Mobbingzeiten nicht auf die Schule, weil auch am Abend und nachts die Nachrichten eingehen, sodass das Opfer rund um die Uhr dem Stress ausgesetzt ist.

Unsere Erfahrungen zeigen, dass an allen Cottbuser Schulen – von der Förderschule bis zum Elitegymnasium – Cybermobbing vorkommt, wenn auch in durchaus anderer Qualität“, sagt Falke. An Förderschulen wechselt das Cybermobbing schnell ins Verbale zurück. An Gymnasien wird dagegen langwieriger und subtiler gemobbt. „Eltern fühlen sich oft ohnmächtig, und die meisten  Pädagogen haben keine besonders hohe Affinität zu digitalen Medien“, so Falke.

Inzwischen hätten in Cottbus, auch dank dem Projekt, Lehrer und Sozialarbeiter jedoch eine höhere Sensibilität für Cybermobbing entwickelt als noch vor acht Jahren. „An jeder Schule gibt es jetzt ein, zwei Lehrer beziehungsweise  Schulsozialarbeiter, die sich aktiv damit auseinandersetzten und oft auch uns als Team holen“, sagt Tobias Falke.

Betroffene Schüler sollten sich an einen Lehrer oder den Schulsozial­arbeiter wenden. Und auch nicht auf dem Flur, sondern am besten in einem eigenen Raum darüber reden. Für die Eltern gibt es zwar Internet-Foren oder Broschüren zum Thema, dennoch werden sie zu häufig mit dem Problem allein gelassen. Die Kinder vorbeugend zu schützen, ist fast nicht möglich. Aber jeder sollte sich genau überlegen, was er von sich an Bildern postet.

In ganz schlimmen Fällen bleibt nur der Gang zu Polizei. „Allerdings gibt es das Delikt Cybermobbing im Strafgesetzbuch gar nicht“, erklärt Tobias Falke „Deshalb muss juristisch über Umwege wie dem Recht auf das eigene Bild oder der üblen Nachrede gegangen werden.“

In diesem Jahr haben die Theodor-Fontane-Schule, die Carl-Blechen-Grundschule und die Schmellwitzer Oberschule bei dem Projekt „Cyber-Mobbing – Aufgeklärt!“ mitgemacht. Das Ergebnis – insgesamt neun Kurzfilme – wird am 13. November von 8.30 bis 12 Uhr im Weltspiegel gezeigt. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.