Die Temperaturen steigen und die Situation auf dem Cottbuser Stadthallenvorplatz spitzt sich weiter zu. Zum dritten Mal in Folge gab es gestern Meldungen über Zusammenstöße zwischen Deutschen und Asylbewerbern. In der Nacht zu Mittwoch gab es sogar Verletzte.

Was war passiert? Gegen 21.30 Uhr belästigte ein 20-jähriger syrischer Asylbewerber eine 17-jährige deutsche Jugendliche. Kurze Zeit später wurde aus einer verbalen Auseinandersetzung eine tätliche. Dabei hielt der Syrer einem 24-jährigen deutschen Jugendlichen eine zerschlagene Flasche an den Hals und schlug ihm mit der Faust gegen den Kopf. Ein anderer 29-jähriger Deutscher bekam eine Flasche gegen den Kopf. Insgesamt wurden drei Personen leicht verletzt. Ein paar Stunden zuvor war ebenso auf dem Stadthallenvorplatz ein 17-jähriger Syrer von einer Gruppe syrischer Asylbewerber angegriffen und geschlagen worden.

Bereits an den Vortagen musste die Polizei wiederholt zu ähnlichen Vorfällen im Cottbuser Stadtzentrum ausrücken. Am Wochenende wurden auf dem Stadthallenvorplatz syrische Asylbewerber von zwei betrunkenen Deutschen angegriffen und mit einer Gürtelschnalle geschlagen. Ebenfalls am Wochenende wurden drei junge Frauen in der Nähe des Busbahnhofs von mehreren ausländischen Männern beleidigt und bedroht. Am Montag gab es am Berliner Platz eine Auseinandersetzung zwischen einem alkoholisierten Rollstuhlfahrer und einem Ausländer. Auch hier wurde ein Mensch verletzt.

Bei der Stadt sollen sich mittlerweile die Beschwerden von Anwohnern und Gewerbetreibenden rund um den Stadthallenvorplatz häufen. Daniela Kerzel ist Geschäftsführerin der Cottbuser Congress, Messe & Touristik GmbH (CMT). Die CMT betreibt die Cottbus-Information an der Stadthalle, die Mitarbeiter bekommen das Geschehen auf dem Vorplatz täglich mit. Daniela Kerzel: "Probleme haben wir hier eigentlich seit Jahren immer mal wieder. Jetzt treffen aber unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen aufeinander. Eine Gruppe von deutschen Jugendlichen ist hier meist den ganzen Tag anzutreffen. Am Nachmittag versammeln sich dazu noch junge Männer mit ausländischem Hintergrund auf dem Platz. Wahrscheinlich werden viele durch den kostenlosen WLAN-Zugang angelockt. Und wenn dann irgendwann der Alkoholpegel steigt, wird der Umgang rüder", so die CMT-Chefin.

Auch die Polizei blickt mit zunehmender Sorge auf die Situation in der Innenstadt. Marco Mette, Leiter der Kriminalpolizei, jüngst gegenüber der RUNDSCHAU: "Körperliche Auseinandersetzungen häufen sich hier in einer Art und Weise, die wir mit polizeilichen Maßnahmen allein nicht mehr in den Griff bekommen." Laut Polizeisprecher Ralph Meier habe die Beamten bei Streifenfahrten den Stadthallenvorplatz verstärkt ins Visier genommen. Zudem gebe es gemeinsame Streifen mit dem Ordnungsamt.

In der vergangenen Woche hat es bei der Stadt einen kleinen Krisengipfel in Sachen Stadthallenvorplatz mit Polizei, Ordnungsamt, CMT, Spree Galerie und Lindner-Congress-Hotel gegeben. Abgesprochen ist eine regelmäßige Bestreifung durch Polizei, Ordnungsamt und Ausländerbehörde. Laut Stadtsprecher Jan Gloßmann "wird geprüft, ob man das offene WLAN einschränken kann und will. Auch das Thema Alkoholverbot auf dem Platz ist im Gespräch. Das ist juristisch aber nicht ganz so einfach. Aber die Gefahr ist natürlich, dass sich das Problem einfach nur verlagert."