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| 15:53 Uhr

Ankündigung
Sagenhaftes im Spreewald

 Unter den Statisten, die bei der Spreewälder Sagennacht in Burg auf der Bühne stehen, sind auch Karolin Giller, Belinda und Anett Bröse (hinten v.l.n.r.).
Unter den Statisten, die bei der Spreewälder Sagennacht in Burg auf der Bühne stehen, sind auch Karolin Giller, Belinda und Anett Bröse (hinten v.l.n.r.). FOTO: LR / Silke Halpick
Burg. Das Sorbische Nationalensemble präsentiert „Die Rache“ am Wochenende in Burg. Mit auf der Bühne stehen Statisten. Von Silke Halpick

„Wer getraut sich mitzurempeln?“, fragt Regisseur Johannes Gärtner. Er steht mit den Statisten erstmals auf der Bühne vor dem Bismarckturm in Burg und probt die Hochzeitsfeier-Szene. Die ausgelassene Stimmung der Gäste kippt abrupt, als unbekannte Reiter auftauchen und Streit anfangen. Es wird geschubst und gerempelt. „Das muss noch brutaler rüberkommen“, sagt Gärtner. Er lässt die Szene wiederholen.

Unter den Statisten sind „Wiederholungstäter“

Unter den Hochzeitsgästen, die anfangs fröhlich johlen und klatschen, sind Anett und Belinda Bröse, Mutter und Tochter. Für die beiden sind die Auftritte bei der Sagennacht fast schon Routine. Seit 2005 stehen sie immer wieder auf der Bühne. „Das macht einen Riesenspaß“, sagt Anett Bröse. Sie genießt es, sich in einen anderen Charakter zu verwandeln und auf der Bühne Sachen zu machen, die sonst peinlich wären.

Für diesen Spaß nehmen Mutter und Tochter auch den zeitlichen Mehraufwand von immerhin vier Proben- und drei Aufführungsabenden in Kauf. „Die Schauspielerei ist unser Hobby und soll es auch bleiben“, sagt Belinda Bröse. Im wahren Leben absolviert sie eine Laboranten-Ausbildung am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus, ihre Mutter arbeitet im Altenheim.

 Regisseur Johannes Gärtner probt mit den Statisten die Hochzeitsfeier-Szene.
Regisseur Johannes Gärtner probt mit den Statisten die Hochzeitsfeier-Szene. FOTO: LR / Silke Halpick

Einer Schauspieler-Karriere nicht abgeneigt ist hingegen Karolin Giller. Die Kolkwitzerin hat sich für die Statistenrolle in Burg beworben, nachdem sie eine entsprechende Anzeige gelesen hatte. Erfahrung hat sie bereits als Komparsin bei Film- und Fernsehproduktionen in Berlin gesammelt. Zu sehen war sie schon in der preisgekrönten ARD-Serie „Babylon Berlin“ und der Netflix-Produktion „Mute“.

„Beim Film kann man eine Szene so lange wiederholen, bis es passt, auf der Bühne nicht“, sagt Giller. Das sei für sie eine neue Herausforderung. „Man braucht schon Improvisationstalent“, räumt Anett Bröse ein. Die Statisten sind bei der Aufführung mal Dorfleute, mal Neusiedler und Mönche. „Notfalls ziehen wir dich mit von der Bühne“, verspricht Belinda Bröse.

Für die Spreewälder Sagennacht hat das Sorbische Nationalensemble Statisten gesucht. Elf Einzelpersonen machen mit. Die Kampfszenen werden von den Mitgliedern der „Tokugawa“-Kampfkunstabteilung des PSV Cottbus gestellt. „Mit dem Verein arbeiten wir seit vielen Jahren zusammen“, sagt Jana Krüger vom Sorbischen Nationalensemble.

 Jana Krüger (l.) vom Sorbischen Nationalensemble geht mit den Statisten den Programmablauf durch.
Jana Krüger (l.) vom Sorbischen Nationalensemble geht mit den Statisten den Programmablauf durch. FOTO: LR / Silke Halpick

Rund 5000 Zuschauer schauten sich im Vorjahr das Spektakel an drei Abenden an. Mit einer ähnlich starken Frequenz wird wieder gerechnet. Für die Autorin Jewa-Marja Cornakec, die bereits seit 2015 die Geschichten für die Burger Sagennacht schreibt, ist der Siegeszug des Christentums diesmal das große Thema.

Von der Handlung wird vorab nur so viel verraten: Nach dem Friedensvertrag von Bautzen wachsen in der Bevölkerung Angst und Unmut, weil immer wieder junge Mädchen verschwinden, auch Anka, die Braut des Wendenkönigs Juro. Gemeinsam mit der Schlangenkönigin und der Mittagsfrau zieht Juro in den Kampf gegen die dunkle Zauberin Wurlawa.

Eine zentrale Rolle soll die große Brücke spielen, die das Menschen- mit dem Zauberreich verbindet. Neben einer spannenden Handlung setzt Regisseur Johannes Gärtner auf imposante Licht- und Showeffekte. Der gebürtige Dresdner führt erstmals Regie bei der Spreewälder Sagennacht, hat aber Open-Air-Erfahrungen unter anderem als Intendant der Richard-Wagner-Spiele in Pirna-Graupa. Die Arbeit mit Statisten gehört für ihn zum Alltagsgeschäft. Überrascht sei er, mit wie viel Motivation sie an die Arbeit gehen – und wie wenig sie wissen, was Gewerkschaften fordern, schiebt er mit einem Grinsen im Gesicht hinterher.