Antje Weithaas hält es kaum auf ihrem Stuhl. Ihre Füße wippen im Takt, ihr Oberkörper wiegt sich zur Musik. Sie streicht kraftvoll über die Saiten ihrer Geige oder entlockt ihr ganz zarte Töne. Zusammen mit dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters in Cottbus probt die Ausnahmemusikerin Beethovens Vierte. Ihre Präsenz erfüllt den Probenraum, ihr Charisma fesselt die Musiker. Ein kurzes Nicken genügt und das Fagott setzt ein, Oboe und Kontrabass folgen.

„Wir müssen uns vertrauen“, sagt sie. Nur dann könne es klappen. Antje Weithaas, die für Musikkritiker längst zu den besten lebenden Geigenspielerinnen zählt, hat in Cottbus Großes vor: Die sechste Auflage des Philharmonischen Konzertes will sie nicht nur leiten, sondern dabei auch noch selbst Violine spielen. Das ist bei Weitem kein leichtes Unterfangen, doch sie hat Erfahrung darin. Für die Cottbuser ist diese Art des Musizierens jedoch Neuland.

Die Rückkehr nach Cottbus ist eine Rückkehr in die Stadt der Kindheit

„Gute Dirigenten scheinen das zu lieben“, sagt die 53-Jährige mit einem Grinsen im Gesicht. Immer wieder gebe Nachfragen von Orchestern. Über die Zusammenarbeit mit dem Cottbuser Staatstheater freut sich Antje Weithaas ganz besonders. Für sie ist der Auftritt eine Rückkehr in die Stadt ihrer Kindheit.

„Ich bin zwar in Guben geboren“, stellt sie klar. Allerdings nur, weil das Cottbuser Krankenhaus zum damaligen Zeitpunkt einen Quarantänefall hatte und die gebärenden Frauen auf die Einrichtungen in der Region aufteilte. Guben kennt sie nicht, doch an Cottbus erinnert sie sich gern. Gewohnt hat sie mit ihrer Familie in Sandow. „Ich war auf dem Ascheberg rodeln und im Branitzer Park Schlittschuh laufen“, erzählt sie.

Seit dem vierten Lebensjahr spielt die Ausnahmegeigerin Violine

Schon seit dem vierten Lebensjahr begleitet Antje Weithaas die Violine. „Meine Schwester war anderthalb Jahre älter als ich und fing damals mit dem Geigenunterricht an“, sagt sie. So rutschte auch sie ungewöhnlich früh mit rein. „Meine Mutter hat Musik geliebt“, erzählt Weithaas. Die Geige sei ihr quasi schon mit in die Wiege gelegt worden.

„Es ist wirklich ein wundervolles Instrument“, schwärmt sie. Ihre Violine ist neu und wurde 2001 von dem bekannten deutschen Geigenbauer Peter Greiner gefertigt. Sie ist den berühmten Guarneri-del-Gesu-Geigen nachempfunden. „Sogar die f-Löcher stimmen“, sagt Weithaas. Die Originalgeigen des Italieners gehören wie die von Antonio Stradivari zu den teuersten Streichinstrumenten der Welt.

Ausnahmegeigerin hat eine Professur an der Hanns-Eisler-Musikhochschule

Mit zwölf Jahren verließ Antje Weithaas ihre Heimatstadt Cottbus in Richtung Dresden, um an einer Spezialschule zu lernen. Heute unterrichtet sie selbst Studenten an der Hanns-Eisler-Musikhochschule in Berlin und wohnt in Potsdam. Doch sie ist auch als Musikerin unterwegs, spielte schon mit bekannten Klangkörpern wie dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin oder dem Los Angeles Philharmonic und veröffentlichte eigene Aufnahmen. „Ich brauche das Spiel, die neue Erfahrung“, sagt sie.

Beim Philharmonischen Konzert in Cottbus wird neben Beethovens Sinfonie Nr. 4 auch dessen Ouvertüre „Coriolan“ gespielt. In dem 1807 geschriebenen Werk in c-moll wird der römische Feldherr Coriolan als zwiespältiger Held thematisiert.

Zwischen den Beethoven-Stücken erklingt das „Concerto funebre“ von Karl Amadeus Hartmann. Der deutsche Komponist, der sich 1933 nach der Machtergreifung der Nazis in eine Art innere Emigration zurückzog, liegt Antje Weithaas „sehr am Herzen“. „Er wird nicht so oft gespielt und ist eine echte Herausforderung für die Streicher“, begründet sie.

Das Staatstheater Cottbus und die Ausnahmegeigerin arbeiten länger zusammen

Das Cottbuser Publikum kann sich auf weitere Auftritte von Antje Weithaas freuen. Das Staatstheater und die Ausnahmegeigerin haben für die laufende Spielzeit eine „Artist in Residence“ vereinbart, eine Zusammenarbeit, von der beide Seiten profitieren können. So wird sie auch zu Ostern beim Beethoven-Konzert „Schwarz Weiss“ und beim 8. Philharmonischen Konzert im Juni auf der Bühne stehen.

Konzert in Cottbus findet statt


Beim 6. Philharmonischen Konzert am Freitag, 13. März, 20 Uhr und am Sonntag, 15. März 2020, 19 Uhr im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus erklingen:

Ludwig von Beethoven: Ouvertüre „Coriolan“,

Karl Amadeus Hartmann: „Concerto funebra“ für Violine und Orchester und

Ludwig von Beethoven: Sinofnie Nr. 4.

Karten für die Veranstaltungen sind im Besucherservice des Staatstheater, unter Tickettelefon 0355 7824242 und im Internet unter www.staatstheater-cottbus.de erhältlich.

Das Konzert findet statt, wie Pressesprecherin Gabriela Schulz ausdrücklich betont. Aktuell gebe es verstärkt Nachfragen von verunsicherten Konzertbesuchern.