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Potsdamer Magnet aus Cottbus

Alexander Jahn (l.) und sein Mitarbeiter Andreas Richter (r.) begutachten gemeinsam mit Kai Bönke die Oberflächengestaltung der Kanthölzer.
Alexander Jahn (l.) und sein Mitarbeiter Andreas Richter (r.) begutachten gemeinsam mit Kai Bönke die Oberflächengestaltung der Kanthölzer. FOTO: Elsner
Cottbus/Potsdam. Die Garnisonkirche Potsdam steht wie kaum ein anderer Ort in Brandenburg für die wechselvolle deutsche Geschichte. Im März 1933 Hintergrund für den "Tag von Potsdam", 1968 auf Geheiß der DDR-Regierung gesprengt, soll Ende Oktober die Wiedererrichtung des Turms beginnen. Ulrike Elsner

Seit dem Jahr 2005 weist das Nagelkreuz aus Coventry in dem gemauerten Bogen auf dem Baufeld darauf hin, dass an diesem Ort wieder eine Kirche entstehen soll. Nun müsse der abgetragen werden, um das Baufeld für die Gründungsarbeiten freizumachen, berichtet Wieland Eschenburg, Vorstand der Stiftung Garnisonkirche Potsdam. Das Nagelkreuz werde weithin sichtbar am Treffpunkt Nagelkreuz montiert. Dabei handelt es sich um einen von Cottbuser Handwerkern künstlerisch gestalteten Ort, von dem aus Besucher das Baugeschehen beobachten können.

Heute startet der Transport des Containers in Richtung Landeshauptstadt. Für den Cottbuser Kai Bönke und seine Mitstreiter findet damit ein anspruchsvolles Projekt seinen Abschluss. "Es ging darum, einen sicheren, markanten Ort zu schaffen", berichtet Eschenburg, "der eine Mischung von Geborgenheit und Offenheit bietet."

Auf einem Firmengelände am Merzdorfer Weg hat das Stahlgerüst des künftigen Besuchermagnets in der vergangenen Woche seine Holzbeplankung erhalten. "Das ist wirklich ein besonderer Auftrag", sagt Kai Bönke, Chef von Holz Pool Lausitz, der die Zusammenarbeit zwischen Handwerkern und Auftraggeber koordiniert. Beteiligt waren die Tischlerei Jahn, die Firmen Menz Metallbau und Licht Behrendt sowie die Zimmerleute Sebastian Gezorrek und Steffen Wendland. Kai Bönke bekennt: "Für uns ist das ein Auftrag mit Symbolkraft. Denn damit wird Cottbus im Herzen von Potsdam präsent sein." An der Rückwand des Containers befindet sich eine Reliefintarsie mit Tiefenwirkung. Balken aus Lärchenholz fassen ein Kreuz aus Robinienholz ein. Einige Kanthölzer sind naturbelassen und stehen damit für Neuanfang, andere weisen eine verbrannte Oberfläche auf und erinnern an die Bombardierung der Kirche im Zweiten Weltkrieg. "So wird Geschichte lebendig", ist sich Alexander Jahn sicher. Der Tischlermeister freut sich über den nicht alltäglichen Auftrag: "Wir hatten alle künstlerische Freiheit, um unsere eigene Handschrift zu verwirklichen."

Wieland Eschenburg sieht die Intarsie als Blickfang. "Das Kreuz in der Mitte steht als stabiles Kontinuum für Kraft und Beständigkeit. Die Hölzer, die nicht oberflächenbehandelt sind, zeigen: Dies ist ein Ort zwischen Zukunft und Vergänglichkeit." Auch hier werde die Zeit ihre Spuren hinterlassen.

Schon morgen ab 18 Uhr werden in Potsdam alle Blicke auf das Meisterstück Cottbuser Handwerkskunst gerichtet sein. Wieland Eschenburg: "Im Rahmen des Friedensgebets wird das Nagelkreuz aus dem Torbogen abgehängt. Von Hand zu Hand weitergereicht, soll es seinen künftigen Ort am Container erreichen."