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Porzellan-Malerei in der Klosterstraße

Die früherer Porzellan-Malerei Gustav Stein in der Klosterstraße.
Die früherer Porzellan-Malerei Gustav Stein in der Klosterstraße. FOTO: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Die Cottbuser Heimatforscherin Dora Liersch erkundet die Historie der Klosterstraße. Sie kommentiert eine historische Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Dora Liersch / dli9

Von diesem uralten Haus in der Klosterstraße steht heute nichts mehr. Das gesamte Umfeld, wie auch der Straßenverlauf haben sich geändert. Einzig die Klosterkirche ist noch Anhaltspunkt, um den Standort des Hauses andeutungsweise zu lokalisieren.

Dieses Haus war eigentlich typisch für die Cottbuser Altstadthäuser: giebelständig zur Straße, meist drei Achsen breit mit Krüppelwalmdach, also ein Satteldach, dessen Giebelspitze abgeschrägt und als Dachfläche eingedeckt ist. Vor wenigen Jahrzehnten standen solche schlichten Häuser noch in der Burgstraße, der Neustädter, der Mühlen- und besonders in der Klosterstraße. Es waren meist Fachwerkhäuser, die nach dem letzten großen Stadtbrand von 1671 schnell wieder auf den alten Hausstellen, die meist ältere und stabilere Kellergewölbe hatten, aufgebaut wurden.

Wann das Haus, das zuletzt die Anschrift Klosterstraße 19 trug und in älteren Publikationen mit Kleine Klosterstraße 207 bezeichnet wurde, erbaut worden ist, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Ein Vorgängerbau soll mit zu "des wendischen Kaplans Wohnung" gehört haben. Das wäre also nach Einführung der Reformation in Cottbus 1537 gewesen.

Bebaut wird die Fläche am Kloster und in der von einer Stadtmauer geschützten Stadt sicher schon früher gewesen sein. Bekannt sind die Grundstückseigentümer aus den zurückliegenden 300 Jahren. Es waren Leineweber, Hutmacher (1720), Acciseofficiant (1789), Messerschmiedemeister (1842), Schneidermeister und der Kanzlist Friedrich Stürmer, von dem der Porzellanmaler Gustav Stein in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts das Haus erwarb. Im Jahre 1876 hatte sich Gustav Stein mit einer Porzellanmalerei und Brennerei in der Klosterstraße selbstständig gemacht. Bis zum Abriss des Hauses im Jahre 1984 war die Klosterstraße 19, die sich in einem guten baulichen Zustand befand, im Besitz der Familie Stein geblieben. Zwischenzeitlich war Anna Pfennig Hauseigentümerin, die ebenfalls zur Familie Stein gehörte. Sie war die Tante von Hans Stein, dem letzten Porzellanmaler aus diesem Geschlecht.

Ältere Cottbuser erinnern sich bestimmt an die Porzellanmalerei. Teller, Tassen, Grabplatten aus Porzellan, Pokale - alles konnte man sich bei Hans Stein bemalen, beschriften und brennen lassen. Noch gefragter waren Reparaturen. In einer Zeit, in der auf ein komplettes Service Wert gelegt wurde und es nur wenig Geschirr und Haushaltsporzellan zu kaufen gab, war es ein Glücksfall, zerbrochenes Geschirr kleben und brennen zu lassen, wenn mal ein Stück zerbrach. Darin war Hans Stein wirklich ein Meister.

Nach seinem Tode führte seine Frau Hermine Stein die Firma weiter. Im Jahre 1983 musste sie das Haus räumen. Die ganze Fläche war mit der Neubebauung des Wendischen Viertels überplant worden. Sie bekam am Altmarkt 14 neue Geschäfts- und Wohnräume angeboten. Sechs Jahre später ging Hermine Stein in den wohlverdienten Ruhestand. Da bestand die Firma 113 Jahre. Sie wurde von einer neuen Eigentümerin übernommen und konnte an unterschiedlichen Geschäftsräumen (Bahnhofstraße 54 und Taubenstraße 35) in Cottbus noch einige Jahre bestehen.

Um den Erhalt dieses Hauses in der Klosterstraße hatten sich Denkmalschützer bemüht - leider vergeblich. Das Grundstück war vollständig bebaut. Das Haus mit dem Giebel zur Westseite zog sich entlang der Kleinen Klosterstraße, wo es auch den Hauseingang hatte. Ursprünglich lehnte sich ein ähnliches, nur etwas schmaleres Haus an die Nordseite an. Fast wie Zwillinge standen die beiden Häuser an der Gabelung der Klosterstraße und der Kleinen Klosterstraße. Das Nachbargebäude war nach längerem Leerstand bereits 1973 abgerissen worden.

In Cottbus gibt es immer noch Geschichten, die von Mönchen, dem Kloster und unterirdischen Verbindungsgängen erzählen. Auch Hermine Stein berichtete, dass ihr Keller im Hause in der Klosterstraße ein verschütteter Gang zur Klosterkirche sei. Der Keller, ein mittelalterliches Tonnengewölbe, sei zur Kirche zu vermauert. Dahinter befände sich die Einsturzstelle, höre es sich hohl an.

Nun, die umfangreichen Tiefbauarbeiten nach dem Abriss der alten Klosterstraßenbebauung, erbrachten keinerlei Hinweise, oder gar Reste einer solchen Bebauung. Es fanden sich keine Bestätigungen zu Gängen zur Klosterkirche, einer unterirdischen Verbindung der beiden Kirchen, oder gar einem Gang zur Peitzer Festung. Die mittelalterliche Form der stabilen Tonnengewölbe, die oft durch Stadtbrände vernichteten Häusern und nicht mehr identisch darüber errichteten Gebäude ließen die späteren Hausbesitzer mit ihrer Fantasie zu so hübschen Geschichten kommen.

Alle Teile der Serie zum Nachlesen gibt es hier: www.lr-online.de/historischelausitz