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| 01:28 Uhr

Polizeistreife auf Fahrrädern sorgt für Erstaunen in Cottbus

Bis zu 50 Kilometer legen die Polizisten täglich mit dem Rad zurück. Sie ertappen besonders viele Verkehrssünder in der Spremberger Straße.
Bis zu 50 Kilometer legen die Polizisten täglich mit dem Rad zurück. Sie ertappen besonders viele Verkehrssünder in der Spremberger Straße. FOTO: rw
Bereits 14 Tage nach dem ersten Einsatz der neuen Fahrradstreife sorgen die Beamten im Cottbuser Stadtbild für helle Aufregung: Während viele Fußgänger ihre Präsenz begrüßen, äußern einige Radfahrer ihren Unmut. Laut Polizeioberrat Mario Rogus haben die fünf radelnden Polizisten innerhalb von zwei Wochen schon 269 Verwarnungen ausgesprochen – vor allem im Stadtzentrum. Von René Wappler

Als wäre ein Ufo neben dem Rathaus gelandet, so erstaunt betrachten die Passanten am Neumarkt die Polizisten, die - ausgerüstet mit Fahrrad, kurzen Hosen und blauen Helmen - ihrem Job nachgehen.
„Sind Sie deutsche Polizisten?“ , fragt eine Rentnerin.
„Natürlich sind wir das“ , sagt Polizeikommissar Maik Liebig, der ein Schmunzeln kaum verbergen kann.
„Aber andere Polizisten gibt's auch noch, oder?“ , fragt die Frau.
„Klar“ , beschwichtigt Maik Liebig.
Das passiert der Streife häufig: Cottbuser halten die Beamten für Kriminalisten aus Polen, sie reißen Witze - wie ein Mann, der aus dem Bekleidungsgeschäft in der Sprem tritt: „Wenn ihr durch die Sprem radelt, müsst ihr aufpassen, dass euch die Polizei nicht anhält.“ In diesem Witz steckt ein ernster Kern: Minute für Minute geht den Polizisten in der Fußgängerzone ein neuer Radfahrer ins Netz.
Ein ertappter Rentner fragt: „War da nicht ein Schild, das Fahren erlaubt?“
„Nein“ , sagt Ernst Busch und geleitet ihn zum Zeichen am Eingang der Sprem: „Wenn man Cottbuser ist, sollte man das schon gesehen haben.“
Der Mann entgegnet: „Ich bin erst vor einem halben Jahr hergezogen.“
Der Polizist bleibt hart. „Sie könnten als Radfahrer Fußgänger in Bedrängnis bringen und verletzen. Das kostet zehn Euro.“
Der Mann zahlt: „Das ist die erste derartige Quittung in meinem ganzen Leben - und ich bin 78 Jahre alt. Nicht mal einen Strafzettel hatte ich bisher.“ Bevor er weiterfährt, gibt er seiner Verwunderung Ausdruck: „Polizei auf Rädern - ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt.“
Die Fahrradstreife hat ihren Preis. Wie Wachenleiter Mario Rogus vorrechnet, kostet jedes der fünf Räder 800 Euro. Dazu kommen 1600 Euro pro Ausrüstung, inklusive Helm und wetterfeste Bekleidung. „Wir haben beim Kauf auf Qualität geachtet, damit die Räder lange halten.“
In der Polizeistatistik scheinen sie sich bereits auszuzahlen. Innerhalb von 14 Tagen haben die Beamten nach Angaben des Wachenleiters sechs betrunkene Fahrer gefasst, darunter auch solche, die mit einem Auto unterwegs waren. „269 Verwarnungen, das ist weit mehr als der übliche Durchschnitt“ , erklärt Rogus.
Diese Verwarnungen spalten jedoch Cottbus - das registriert auch Polizeikommissar Ernst Busch. „Die Fußgänger sagen: Das finden wir toll. Die Radfahrer werfen uns vor: Ihr wollt nur an unser Geld.“
Immerhin haben die beiden Beamten Busch und Liebig während ihrer Freitagstour durch Cottbus bis zum Mittag 200 Euro Verwarngeld ausgesprochen. Von der Tranitzer Straße führt ihre Strecke ab sechs Uhr zur Schlachthofstraße, wo sie einen nicht angeschnallten Autofahrer ertappen. In der Berliner Straße sprechen sie Verwarnungen für Radler aus, die auf der falschen Fahrbahnseite unterwegs sind, ebenso in der Bahnhofstraße.
Am Altmarkt verwickelt erneut ein Passant die Polizisten in ein Gespräch: „So kommen Sie doch gar nicht hinter den Autos her, mit Ihren Rädern hier.“ Maik Liebig schüttelt den Kopf. „Wir kommen gerade mit diesen Rädern überall hin, wenn wir wollen.“

Hintergrund Neue Fahrradstreife
 Die neue Fahrradstreife der Cottbuser Polizei soll nach Auskunft des Wachenleiters Mario Rogus auch an klassischen Einsätzen wie Ruhestörung oder Sachbeschädigung teilnehmen. „Diese Beamten haben den Vorteil, dass sie beweglicher sind als eine Fußstreife oder unsere Streifenwagen.“ Bis zu 50 Kilometer lege ein Polizist auf seinem Rad täglich zurück.