| 17:52 Uhr

Erfolgreiche Kontrollen
Polizei zu Gewalt in Cottbus: Lage beruhigt sich

Bettina Groß
Bettina Groß FOTO: Christian K“hler
Cottbus. Die Polizei sieht in den verstärkten Kontrollen in der Cottbuser Innenstadt einen Erfolg, seitdem es zu Gewalt zwischen Deutschen und Ausländern gekommen war. Es ist wieder ruhiger geworden. Und es gibt ein Urteil zu einem der Fälle.

Nach Gewalt zwischen Einheimischen und Ausländern in Cottbus hat sich die Situation aus Sicht der Polizei inzwischen verbessert. Die Leiterin der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße, Bettina Groß, sagte am Mittwoch: „Die Lage hat sich beruhigt.“ Sie führte das auch auf aufgestockte Kontrollen in der Innenstadt zurück. Diese sollen bleiben, wie es hieß.

In Cottbus war es im Januar gehäuft zu Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Flüchtlingen gekommen. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hatte daraufhin verfügt, dass zunächst keine Flüchtlinge mehr aus der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt nach Cottbus verteilt werden. Die Stadt hatte davor im Vergleich zu anderen Kommunen in Brandenburg mehr Flüchtlinge aufgenommen.

An den Brennpunkten mitten in der Innenstadt trafen mehrere Gruppen aufeinander: Trinkermilieu, Drogenszene, Jugendliche, Rechtsextreme und Flüchtlinge. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen, zum Teil waren sie fremdenfeindlich.

Zu einem der Gewaltfälle zu Jahresbeginn an einer Straßenbahn bei einem Einkaufszentrum gibt es inzwischen ein Urteil. Zwei jugendliche Syrer waren angeklagt worden, weil sie einen Messerangriff auf einen jugendlichen Deutschen verübt haben sollen. Das Opfer erlitt laut Anklage Schnittverletzungen im Gesicht und an einer Hand.

Ein zur Tatzeit 16-Jähriger muss unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung für 16 Tage in Jugendarrest und 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, wie das Amtsgericht Cottbus am Mittwoch mitteilte. Ein zur Tatzeit 15-Jähriger wurde unter anderem wegen gemeinschaftlicher Nötigung zu 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Beide Syrer wurden zudem von einer Jugendrichterin verpflichtet, der Schulpflicht nachzukommen und Hilfen zur Erziehung anzunehmen.

2017 ging in Cottbus die Gesamtzahl der Straftaten nach Polizeiangaben auf 9439 zurück - nach 11 282 im Jahr 2016. Der Anteil der Straftaten, die Tatverdächtigen aus „klassischen Asylstaaten“ wie unter anderem Syrien und Afghanistan zugerechnet werden, lag in der Stadt bei 3,6 Prozent, wie es weiter hieß. Dieser prozentuale Anteil in Cottbus lag 2017 damit unter dem landesweiten Durchschnitt (4,1 Prozent). Bei diesen beiden Angaben sind ausländerrechtliche Verstöße wie eine unerlaubte Einreise jeweils herausgerechnet.

Nimmt man diese wieder hinzu stieg die Zahl der Straftaten von Flüchtlingen in Cottbus im Vergleich zu 2016 um sechs Fälle auf 392. Der Anteil der Flüchtlinge, die in Cottbus lebten, stieg zugleich von 2697 im Jahr 2016 auf gut 4000. Damit machte diese Gruppe rund vier Prozent der gut 100 000 Einwohner von Cottbus aus.

Polizeiinspektionsleiterin Groß betonte, dass der Anteil der Flüchtlinge an der Kriminalität in Cottbus nicht so groß sei, dass er über das erwartbare Maß hinausgehe.

Die Stadt prüft indes, ob sie in diesem Jahr ein Alkoholverbot in Teilen der Innenstadt wieder aufgreift, wie ein Stadtsprecher mitteilte. Die Stadt hatte es 2017 per Allgemeinverfügung erlassen, weil Passanten zum Beispiel im Bereich der Stadthalle immer wieder von Gruppen angepöbelt und bedroht worden waren. Die Verfügung war zeitlich begrenzt und galt für einige Monate im Sommer und Herbst.

(dpa)
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